Es ist ein Projekt, das das Leben des Schwabinger Architektenpaares Petra Lejeune und Hermann Grub in den vergangenen 16 Jahren maßgeblich bestimmt hat: die „Wiedervereinigung des Englischen Gartens“. Die breite Autoschneise, die den Stadtpark seit den Sechzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts in eine Nord- und eine Südhälfte teilt, sollte in einem Tunnel verschwinden. An der Oberfläche könnte die Wunde geheilt werden und so das Gartendenkmal für die Erholungssuchenden eine erhebliche Aufwertung erfahren.
Mit großem Engagement haben die beiden eine bemerkenswerte Initiative ins Rollen gebracht, Bündnispartner gesucht, immer wieder öffentlichkeitswirksame Aktionen geplant. Neinsagern und Bedenkenträgern wollten sie keine Chance geben. „Wie man die Lebensverhältnisse in der Stadt verbessern kann, dafür hat mein Mann förmlich gebrannt“, sagt Petra Lejeune.
Der Tunnel blieb allerdings eine Vision. Weil sich das Ehepaar nicht entmutigen ließ, zeichnete es die Stadt 2018 mit der Medaille „München leuchtet“ in Gold aus.
Das Duo Grub/Lejeune wurde schon vor Jahrzehnten mit bemerkenswerten Grün- und Landschaftsplanungen weit über München hinaus bekannt. 1974 berichtete beispielsweise der Spiegel über Grubs Idee, die Schwabinger Hinterhöfe zu entrümpeln, sie zu vereinen und zu begrünen. Viele Aktionen, ein humanes Wohnumfeld zu gestalten, folgten in deutschen und anderen europäischen Städten.
Über Jahre hinweg moderierten die beiden erfolgreich den komplizierten Planungsprozess zur Umgestaltung des betonierten Neckartals im Großraum Stuttgart in eine attraktive Erholungslandschaft. In Baden-Württemberg, in der Nähe von Ulm, dort ist Grub geboren.
Noch immer gibt es im Englischen Garten nur eine schmale Verbindungsbrücke, die über den Mittleren Ring führt und die beiden Hälften des Parks verbindet. Eine große Computersimulation auf einer Plakatwand zeigt die Idee des vereinigten Englischen Gartens mit Grün und keinen Autos. Das war’s dann wohl aber auch mit einer schönen Idee, für die Petra Lejeune und Hermann Grub so lange gekämpft haben. Die rot-grüne Stadtratsmehrheit hat sich entschieden, das 125 Millionen Euro teure Tunnelprojekt endgültig zu den Akten zu legen. Es müssten nämlich 900 Bäume für das Vorhaben gefällt werden.
Vor allem Hermann Grub gab nicht auf. Bis zuletzt arbeitete er an dem Vorschlag, eine Straßenbahnlinie durch den Tunnel zu führen, um das Projekt noch attraktiver zu gestalten. Doch auch damit stieß er im Rathaus auf keine Gegenliebe. Aber die Hoffnung blieb.
Nun ist Hermann Grub nach schwerer Krankheit im Alter von 86 Jahren gestorben. Sein großer grüner Traum von der Wiedervereinigung des Englischen Gartens hat sich nicht erfüllt.
Ihr Mann sei ein unerschütterlicher Optimist gewesen, sagt Petra Lejeune. Unermüdlich habe er mit neuen Ideen aufgewartet, um die spektakuläre Grünplanung im Park voranzubringen. Wie es jetzt weitergeht? „Wir haben mit unseren aktuellen Vorschlägen zum kombinierten Auto- und Straßentunnel die Grundlage für einen Neustart gelegt“, sagt Petra Lejeune, „was daraus wird, liegt nicht in unserer Hand.“
Zwölf Umzugskisten umfassen all die Dokumente, Briefwechsel und Aktionspläne zum Parktunnel. Ein Nachlass, der vor Kurzem dem Architekturmuseum der TU München übergeben wurde.


