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Englischer Garten:Friede dem Picknick-Sekt, Krieg dem Wodka-Gelage

Englischer Garten in München

Polizisten bei einer Kontrollen in den späten Abendstunden im Englischen Garten.

(Foto: dpa)

Nach Randalen bringt die Polizei ein Alkoholverbot für den Englischen Garten ins Gespräch. Das ist eine gute Idee - wenn man sie mit Augenmaß umsetzt.

Kommentar von Julian Hans

Corona-Verstöße auf dem Gärtnerplatz, Schlägerei im Englischen Garten, Flaschenwürfe auf Polizisten - immer, wenn Konflikte in der Stadt in Gewalt umschlagen, wird schnell eine Frage gestellt: Woher kamen die Täter? Vielleicht aus den nicht so feinen Vierteln? Vielleicht aus einem nicht so privilegierten Umfeld? Vielleicht aus dem Umland oder gar von noch weiter her? Dabei wird ein Merkmal meist übersehen, das fast allen Beteiligten an solchen Auseinandersetzungen gemein ist: Sie sind besoffen. Oder zumindest angetrunken. Im Alltag oft sogar ganz liebe Kerle verwandeln sich unter dem Einfluss von Alkohol und in Gruppen zu Straftätern, die sogar in Kauf nehmen, einem Polizisten mit einem Flaschenwurf den Schädel zu zertrümmern.

Über die Auswirkung von Alkohol auf die innere Sicherheit nachzudenken ist offenbar ein größeres Tabu, als einzelne Gruppen zu stigmatisieren und pauschal für Gewaltausbrüche verantwortlich zu machen. Der Genuss von Bier und Wein hat Tradition in Deutschland und in Bayern erst recht. Mit dem Versuch, die Corona-Ansteckungen durch ein allgemeines Alkoholverbot im Stadtgebiet einzudämmen, erlitt Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) im vergangenen Sommer eine Bauchlandung. Der kleine Rausch (oder auch der größere) ist hierzulande Bürgerrecht, befand das Gericht. Und warum auch nicht? Ein gepflegter Schwips dann und wann kann ja durchaus entspannend sein.

Wer jetzt meint, seinen Sekt zum Picknick oder seine Halbe am Eisbach verteidigen zu müssen, der war noch nie nach Einbruch der Dämmerung auf der Karl-Theodor-Wiese. Da sind die Picknickdecken längst eingerollt, dafür sammeln sich leere Wodkaflaschen neben überquellenden Mülleimern, während die Polizei damit beschäftigt ist, Streithähne zu trennen. Ein Alkoholverbot müsste das berücksichtigen. Etwa indem es nur für den Südteil des Englischen Gartens gilt und nur für die Zeit nach 18 Uhr. Dann fände es auch die Akzeptanz der Bürger.

© SZ vom 18.05.2021
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Von Heiner Effern und Julian Hans

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