Energiekrise:Wie viel hilft eine kalte Dusche?

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Energiekrise: Energiesparen durch kaltes Duschen? Klimaminister Robert Habeck appelliert an die Bevölkerung, zu sparen, wo es nur geht.

Energiesparen durch kaltes Duschen? Klimaminister Robert Habeck appelliert an die Bevölkerung, zu sparen, wo es nur geht.

(Foto: imago images / Panthermedia)

Die Appelle für einen sparsamen Verbrauch von Strom und Gas sind nicht zu überhören. Aber was bringt es wirklich, sich zurückzuhalten? Eine Nachfrage bei den Münchner Stadtwerken.

Von Catherine Hoffmann

Seitdem Russland seine Gaslieferungen an Deutschland verknappt, ist auch das morgendliche Duschen politisch geworden. Wirtschafts- und Klimaminister Robert Habeck (Grüne) appelliert an die Bevölkerung, Energie zu sparen, wo es nur geht, und zeigt sich selbst als Vorbild. "Ich dusche schnell", hat er dem Spiegel verraten und damit ein Geplänkel über Moral und Politik unter der Dusche losgetreten. Aber was bringt sie wirklich, diese individuelle Antwort auf die Energiekrise? Wie viel hilft eine kalte Dusche?

Ein Anruf bei den Stadtwerken München (SWM) bringt Klarheit: Vergleicht man den Gasverbrauch von März bis Juli 2022 mit demselben Zeitraum des Vorjahres, dann haben private Haushalte und Gewerbekunden in diesem Jahr 14,7 Prozent weniger verbraucht als 2021. Das sieht auf den ersten Blick eindrucksvoll aus, ist es aber bei näherem Betrachten nicht. Der Vergleich wird vor allem dadurch verfälscht, dass es 2021 deutlich kühler war als dieses Jahr, es wurde also mehr geheizt. Das erste Halbjahr 2021 wurde obendrein noch stark durch Corona-Maßnahmen und deren Folgen geprägt. So haben viele Münchnerinnen und Münchner im Homeoffice gearbeitet und dort mehr Energie verbraucht als sonst.

Zudem verweisen die SWM darauf, dass die drohende Energieknappheit "erst nach und nach" in den Köpfen der Menschen ankomme. "Eine flächendeckende Verhaltensänderung in der Bevölkerung dürfte - wenn überhaupt - somit auch erst in den vergangenen Wochen aufgetreten sein", sagt ein Sprecher des Unternehmens. Tatsächlich dürfte der Einspareffekt beim Gas also deutlich geringer sein, als die Zahlen zunächst vermuten lassen. Ähnlich sieht es beim Strom aus, von dem Haushalts- und Gewerbekunden zwischen März und Juni 2022 rund 5,5 Prozent weniger als im Vorjahr verbraucht haben.

Fazit: Duschen und Kochen sind nicht das große Thema, wenn es um Sparsamkeit geht - es kommt aufs Heizen an. Etwa die Hälfte aller Münchner Haushalte hat eine Gasheizung. Der Verbrauch hängt weitgehend von den Temperaturen draußen ab. Auf die Sommermonate Juni, Juli und August entfällt jeweils nur ein kleiner Anteil des jährlichen Gasverbrauchs, weniger als drei Prozent, so die Stadtwerke. "Selbst wenn es hier also deutliche Verhaltensänderungen bei den Kunden gäbe, dann würden wir diese aktuell mengenmäßig noch gar nicht wahrnehmen (können)", heißt es in der Stellungnahme der SWM. Im Winter läuft dagegen die Heizung - und die verbraucht rund 80 Prozent der Energie, die ein Privathaushalt einkauft.

Für Strom und Gas gilt also: Die Gegenüberstellung von Zeiträumen des ersten Halbjahres ist nur wenig aussagekräftig. "Wir denken, das zweite Halbjahr wird hier interessanter", heißt es von den Stadtwerken. "Interessant" wird in jedem Fall auch die Nebenkostenabrechnung, die viele Haushalte erst gegen Jahresende bekommen: Mit ihr wird offenbar, wie teuer die verbrauchte Energie war. Die teilweise drastischen Preissteigerungen sind bei vielen Kundinnen und Kunden noch nicht - oder nur zu einem kleinen Teil - angekommen.

Hinzu kommt von Oktober an eine neue Gasumlage in Höhe von 2,419 Cent je Kilowattstunde. Damit können Gasversorger bis Ende März 2024 den Großteil der Kosten an ihre Kunden weitergeben, die ihnen entstehen, weil sie ausbleibende Lieferungen aus Russland mit neu gekauftem und deutlich teurerem Gas ersetzen müssen. Der Aufschlag wird vermutlich nicht sofort auf den Rechnungen sichtbar werden, sondern mit etwas Zeitverzug. Verbraucher, die nicht von einer hohen Nachzahlung überrascht werden wollen, sollten von sich aus die Abschläge anpassen und Energie mit Bedacht nutzen.

Denn trotz der ernüchternden Zahlen bleibt richtig: Wer weniger Energie verbraucht, trägt zur Versorgungssicherheit bei, schont die Umwelt und spart Geld. Jede eingesparte Kilowattstunde Strom reduziert den Gaseinsatz für die Stromerzeugung. Und jeder Kubikmeter Erdgas, der in den wärmeren Monaten nicht verbrannt wird, kann für den nächsten Winter gespeichert werden. Tipps zum Energiesparen geben die Stadtwerke im Internet unter www.swm.de/energiesparen.

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