"Fan-Meeting-Point" Bei der EM 2020 soll der Alte Botanische Garten zur Fanzone werden

Was tut man nicht alles in Wahlkampfzeiten (von links): Beatrix Zurek, Hans Reichhart und Kristina Frank stellen den Meeting-Point für die EM 2020 vor.

(Foto: Robert Haas)
  • Bayerns Bauminister Reichhart hat die Pläne gemeinsam mit der Münchner Kommunalreferentin Kristina Frank (ebenfalls CSU) und Sportreferentin Beatrix Zurek (SPD) präsentiert.
  • Im Alten Botanischen Garten soll es ein bisschen Musik und viele Dixi-Klos geben. Wie man die Fans aber in die Zone locken will, ist noch einigermaßen unklar.
  • Der Bezirksausschuss Maxvorstadt befürchtet eine massive Zerstörung der Natur sowie Lärmbelästigungen.
Von Linus Freymark

Über die Begeisterung bayerischer Bauminister für Fußballfans liest man für gewöhnlich eher weniger. Weder über die von Ilse Aigner, noch über die ihres Vorgängers Joachim Herrmann - letzterer kam dafür in die Schlagzeilen, dass er als Innenminister forderte, Randalierern im Stadion müsse der Führerschein entzogen werden. Hans Reichhart (CSU), aktuell der zuständige Mann für Wohnen, Bau und Verkehr in der Staatsregierung, schlägt sich nun, im Vorfeld der Europameisterschaft 2020, bei der einige Spiele in München stattfinden werden, auf die Seite der Fans.

Reichhart präsentierte am Mittwoch gemeinsam mit der Münchner Kommunalreferentin Kristina Frank (ebenfalls CSU) und Sportreferentin Beatrix Zurek (SPD) die Pläne für einen Fan-Meeting-Point im Alten Botanischen Garten während der EM. An den beiden Fanzonen der Stadt - neben dem Alten Botanischen Garten wurde der Odeonsplatz zu einer solchen gekürt - sollen sich die Anhänger jeweils einer Mannschaft treffen und von dort gesammelt zum Stadion gekarrt werden. Eine Vorgabe des Europäischen Fußballverbands Uefa besagt, dass sich die unterschiedlichen Fanlager auf dem Weg ins Stadion nicht begegnen dürfen, um Auseinandersetzungen vorzubeugen. Die Einrichtung von Fantreffpunkten wird den Städten vorgeschrieben. Warum die Präsentation eines Meeting-Points die Anwesenheit eines Staatsministers und der OB-Kandidatin Frank erfordert? Das wird doch nicht etwa mit Wahlkampf zu tun haben?

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Weil die Pläne für die Gestaltung der künftigen Fanzone noch reichlich unausgegoren sind und die Idee, die Zone im Alten Botanischen Garten einzurichten, vom örtlichen Bezirksausschuss mit Kritik überschüttet wird, versuchen Reichhart, Frank und Zurek, mit ein bisschen Ballspielen darüber hinwegzutäuschen. Beim Fototermin vor dem Neptunbrunnen hantieren sie mit eigens herbeigeschafften Fußbällen herum. Anschließend begeben sich die drei für ein Pressestatement an mit weißen Tischdecken überzogene Stehtische. Mit Ball. Echte Fußballfans eben.

Feiern und Fußball, für Kristina Frank "gehört das einfach zusammen". Nicht unerwähnt lässt die Kommunalreferentin, die für die CSU im kommenden Jahr bei der Oberbürgermeisterwahl antritt, die Rolle des Abfallwirtschaftsbetriebs, der selbstverständlich sein "Know-how" zur Verfügung stellen werde, damit die Sauberkeit des Parks erhalten bleibe. Gerade bei Fußballfans kann man sich da ja nie sicher sein. Wie man die überhaupt in die Zonen locken und sie dort bespaßen möchte, ist noch einigermaßen unklar. Ein bisschen Musik und viele Dixi-Klos werde es geben, erklärt Zurek. Und was das Bier betrifft, da werde eben "das getrunken, das man ausschenken darf". Nach Uefa-Regularien kann das leichtes Bier bedeuten - oder gar keines. Ob dieses Konzept feierwütige und trinkfeste Fußballfans davon überzeugt, sich wie gedacht in den Fanzonen zu versammeln - man wird es sehen.

Trotz eines eventuell gedrosselten Bierausschanks befürchtet der Bezirksausschuss Maxvorstadt eine massive Zerstörung der Natur sowie Lärmbelästigungen durch die Fanhorden. Auch das bayerische Landesamt für Denkmalschutz gab noch im April zu bedenken, der Alte Botanische Garten sei "grundsätzlich nicht für eine Massenveranstaltung geeignet". Immerhin eine Sorge konnte Sportreferentin Zurek entkräften: Wer denn für eventuelle Schäden aufkomme, wenn die Fußballfans etwa auf den Neptunbrunnen klettern und dem Pferd danach ein Bein fehle, wollte ein Journalist wissen. Zurek wischte die Bedenken beiseite: Die Fans hätten sicher "andere Vorstellungen" von ihrem Münchenaufenthalt, als auf dem Neptunbrunnen herumzukraxeln.

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