Gleich gegenüber der neuen Frauen- und Kinderklinik der München Klinik Schwabing entsteht in den kommenden Jahren ein Zuhause auf Zeit: Für Familien, die in der Nähe ihres schwer kranken Kindes sein wollen, das in der Kinderklinik behandelt wird. Das Haus, das anfangs 17, später vielleicht sogar 25 Appartements haben soll, wird durch die Stiftung „Wir helfen München“ spendenfinanziert. Zehn Millionen Euro stellt die Stiftung, die Initiatorin und auch Bauherrin ist, für den Bau des Hauses bereit. Am Dienstag fand der symbolische Spatenstich statt.
Denn zunächst liegt da nur ein großer Erdhaufen an der Stelle, an der einmal ein helles Haus mit einer Fassade in zarten Gelbtönen stehen soll. Die Bauarbeiten sollen schnell beginnen, laut München Klinik (Mük) schon im Frühjahr 2026. Den späteren Betrieb übernehme und finanziere die „Stiftung Kinderklinik München Schwabing“.
Das Elternhaus sei nicht „irgendein Bauprojekt“, sagt der kaufmännische Geschäftsführer der Mük, Tim Guderjahn. „Es ist schon lange ein Traum unserer Pädiatrie, dass es ein solches Haus geben muss“, sagt er. Ein Haus, in dem Eltern und Geschwister wohnen könnten, solange das kranke Kind in der Kinderklinik sein müsse.
Stephan Heller, Vorstandsvorsitzender der Stiftung „Wir helfen München“, freut sich, dass hier bald Familien, „ganz gleich aus welchen wirtschaftlichen Verhältnissen“ in der Nähe ihres kranken Kindes sein können. „Wir können dieses Haus bauen und wir werden es bauen.“ Wie viele Appartements es am Ende sein werden, hänge von weiteren Spendengeldern ab. Mindestens seien es 17, aber 25 wären „schöner“, sagt Heller.
Eine Studie belegt, dass Heilung durch Nähe ein essenzieller Effekt sein kann, um Kinder schneller wieder gesundzumachen. Das bestätigt auch Julia Hauer. „Wir behandeln sehr viele Kinder mit komplexen, schweren Krankheiten“, sagt die Chefärztin der Mük-Kinderklink. Sie berichtet unter anderem über schwere Brandverletzungen, onkologische Erkrankungen, aber auch über Frühchen, die lange versorgt werden müssten. Diese Kinder müssten lange in der Klinik bleiben, viele Familien kämen von weit her.

„Es ist entscheidend, dass die Kinder nicht nur medizinisch gut versorgt sind, sondern trotz ihrer Erkrankung am Leben teilnehmen können“, sagt sie. Das bedeute auch, dass Familienstrukturen bewahrt werden könnten und in schweren Notsituationen „nicht in die Brüche gehen“. Die Eltern sollten also die Möglichkeit bekommen, abwechselnd arbeiten zu können und Geschwisterkinder sollten nicht das Gefühl haben, in der Sorge der Eltern um die kranke Schwester oder den kranken Bruder „verloren zu gehen“, wie Hauer sagt. Ein Elternhaus sei da eine „große Entlastung für die Familien, die ohnehin alles andere als einfache Wege gehen müssen“.
Dass solch ein wichtiges Projekt nicht durch Förderprogramme unterstützt und finanziert werde, ärgert Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD). „Das ist für mich nicht nachvollziehbar.“ Mit dem geplanten Bau des Elternhauses müsse man Eltern nicht mehr sagen: „Sucht euch halt Übernachtungsmöglichkeiten in München“. Für ihn sei der Spatenstich für dieses Haus ein Teil seines schon fast „erfüllten Wunschzettels“. Allerdings mit einem „Wermutstropfen“: In seiner Rede beim Spatenstich bedauerte Reiter, dass SZ Gute Werke, das Hilfswerk der Süddeutschen Zeitung, sich nicht am Bau des Elternhauses beteilige, obwohl es vor drei Jahren eine Zusage für die Mitfinanzierung gegeben habe.
Stellungnahme von SZ Gute Werke e. V. zum Projekt Elternhaus Schwabing
Dazu nimmt Sandra Geisler, geschäftsführende Vorständin von SZ Gute Werke e.V., wie folgt Stellung:
„Der Verein SZ Gute Werke sieht sich leider nicht in der Lage, sich finanziell am Projekt Elternhaus Schwabing zu beteiligen. Diese Entscheidung ist uns nicht leichtgefallen, denn selbstverständlich hätten wir dieses wichtige Projekt sehr gerne unterstützt. Umso wichtiger ist es uns, die Gründe für unsere Entscheidung transparent darzulegen.
Das Fördergesuch liegt unserem Verein bereits seit mehreren Jahren vor. In dieser Zeit kam es zu erheblichen Verzögerungen und organisatorischen Unklarheiten im Projektmanagement, die den Fortschritt deutlich verzögert haben.
Als gemeinnütziger Verein sind wir verpflichtet, die uns anvertrauten Spendengelder zeitnah und zweckgemäß einzusetzen. Langfristige Mittelbindungen oder größere Geldanlagen über mehrere Jahre entsprechen nicht den Empfehlungen unserer Wirtschaftsprüfer und stehen im Widerspruch zu unserem Grundsatz, Spendengelder möglichst unmittelbar für den guten Zweck einzusetzen, so zum Beispiel jedes Jahr auch mit durchschnittlich knapp einer Million Euro für soziale Projekte der Stadt München und schnelle, unbürokratische Einzelfallhilfen.
Parallel dazu erreichten uns weitere gemeinnützige Projektanfragen, die sowohl in der Planung weiter fortgeschritten als auch professioneller aufgestellt waren. Zwei dieser Initiativen – ein Projekt für benachteiligte Kinder sowie eine Initiative zur Unterstützung obdachloser Münchner Familien – planen nun gemeinsam mit uns ein Großprojekt. Aufgrund des weit fortgeschrittenen Planungsstands wurde im Rahmen unserer letzten Spendenaktion unsere Festgeldanlage aufgelöst und ein Großteil der Mittel einem dieser Projekte zugesprochen.
Da wir regelmäßig mehr Mittel ausschütten, als wir jährlich an neuen Spenden einnehmen, steht uns aktuell kein ausreichendes Fördervolumen zur Verfügung, um ein weiteres Großprojekt wie das Elternhaus Schwabing zu unterstützen. Wir bedauern sehr, dass wir dieses wichtige Vorhaben nicht fördern können, und danken allen Beteiligten für ihr Verständnis. Dem Projekt wünschen wir weiterhin alles Gute und viel Erfolg bei der Umsetzung seines wertvollen gesellschaftlichen Beitrags.“ (Sandra Geisler, geschäftsführende Vorständin von SZ Gute Werke e.V.)

