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Gedenkstätten:Die Spuren des Hitler-Attentäters Elser in München

Am 8. November 1939 scheiterte Georg Elser mit dem Versuch, Adolf Hitler im Münchner Bürgerbräukeller zu töten. Erst viel später hat ihm die Stadt Gedenkorte gewidmet.

Von Martin Bernstein

11 Bilder

BRIEFMARKE MIT MOTIV GEORG ELSER; BRIEFMARKE MIT MOTIV GEORG ELSER

Quelle: Jan Pitman/AP

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Erinnerungen an das Attentat

Georg Elser war ein einfacher Mann, der nur seinem Gewissen folgte. Hinter dem keine Gruppierung oder Ideologie stand. Der versuchte, Adolf Hitler zu töten, um im letzten Augenblick millionenfaches Blutvergießen zu stoppen. Der hinschaute, als die meisten wegschauten - und dann handelte. Doch Elsers Attentat am 8. November 1939 im Münchner Bürgerbräukeller schlug fehl, Hitler hatte den Saal ungeplant früh verlassen. Deshalb überlebten der Diktator und die übrigen NS-Anführer den Anschlag, bei dem sieben Mitglieder von SA und NSDAP und - weil der Saal nach der Hitlerrede vorzeitig freigegeben worden war - eine Kellnerin ums Leben kamen. Wie gedenkt München des Attentats heute, 80 Jahre später?

Gedenkplatte für Georg Elser in München, 2019

Quelle: Alessandra Schellnegger

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Gedenkplatte am Gasteig

Wer zum 80. Jahrestag die Veranstaltungen und Gedenkorte in München besucht, mag es kaum glauben: 50 Jahre hat es gedauert, ehe am 9. November 1989 in München an der historischen Stelle des Anschlags, dem Platz des zehn Jahre zuvor abgerissenen Bürgerbräukellers, auf Antrag des Haidhausener Bezirksausschusses eine Gedenkplatte in den Pflasterboden eingelassen wurde.

Gedenkplatte für Georg Elser in München, 2019

Quelle: Alessandra Schellnegger

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Zwischen Gasteig und Gema

Heute ist dieser Ort zwischen dem Kulturzentrum Gasteig und dem Gema-Verwaltungsgebäude gelegen.

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Quelle: Moses Omeogo

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Infotafel und Faltblätter

Wenige Meter davon entfernt informiert eine beleuchtete Infotafel im Gasteig-Durchgang über Elser. Dort kann man auch das Faltblatt "Ich habe den Krieg verhindern wollen" mitnehmen. Darin wird die ehemalige Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts, Jutta Limbach, zitiert. Elsers "Voraussicht künftigen Unheils beschämte offenbar - man möchte fast sagen: kränkte - all jene, die den verbrecherischen Charakter des Nationalsozialismus angeblich nicht oder zu spät erkannt haben (...) Denn Elsers Feinnervigkeit und Entschlusskraft stellen die Glaubwürdigkeit und den Verantwortungssinn vieler seiner Zeitgenossen in Frage."

Georg-Elser-Platz in München, 2005

Quelle: Robert Haas

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Georg-Elser-Platz

Die Bedeutung Elsers und seiner Tat waren schon seit Ende der Sechzigerjahre unbestreitbar, nachdem der Münchner Historiker Lothar Gruchmann die Verhörprotokolle entdeckt und veröffentlicht und sein Kollege Anton Hoch die Alleintäterschaft des gebürtigen Schwaben wissenschaftlich bewiesen hatte. Dennoch scheiterten mehrere Versuche, Georg Elser eine Straße in München zu widmen. Erst seit 1997 gibt es auf Initiative des Elser-Arbeitskreises um Hella Schlumberger, die ganz in der Nähe wohnt, den Georg-Elser-Platz in der Maxvorstadt, eine unscheinbare Ausbuchtung der Türkenstraße.

Gedenken an Georg Elser in München, 2010

Quelle: Catherina Hess

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Symbolische Bombe

Dort "explodiert" jeden Abend um 21.20 Uhr symbolisch Elsers Bombe.

Lichtinstallation zum Gedenken an Georg Elser in München, 2009

Quelle: Stephan Rumpf

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Leuchtende Kunstinstallation

Dabei handelt es sich um eine Neon-Kunstinstallation, die für eine Minute aufleuchtet.

Lichtinstallation zum Gedenken an Georg Elser in München, 2009

Quelle: Stephan Rumpf

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Blickfänger

Die Schöpferin Silke Wagner, die einen vom Kulturreferat ausgeschriebenen Wettbewerb gewann, sagt: "Die Arbeit lenkt den Blick auf das Wesentliche - das Attentat."

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Quelle: Moses Omeogo

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Alternativer Stolperstein

Nur ein paar Meter davon entfernt im Haus mit der Nummer 94 wohnte Elser vom 1. September bis zum 31. Oktober 1939 bei der Familie Lehmann. Am 9. April 2019, 74 Jahre nach Elsers Ermordung im Konzentrationslager Dachau, ließ die Stadt - ebenfalls auf Anstoß Hella Schlumbergers - eines jener Erinnerungszeichen anbringen, die in München als Alternative zu den "Stolpersteinen" an Opfer der Nazi-Herrschaft erinnern. Im Haus Türkenstraße 59 fertigte Elser 1939 in der Schreinerwerkstatt von Jörg Brög Teile der Bombe und Spezialwerkzeuge an. Ein provisorisches Quartier fand er in den Tagen vor dem Attentat in der Schlosserei von Karl Solleder im selben Haus.

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Quelle: Moses Omeogo

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Graffito

Das wohl verstörendste, flächenmäßig aber das größte Elser-Denkmal schufen 2017 die Graffiti-Künstler Loomit (Mathias Köhler) und WON ABC (Markus Müller) auf einer 23 Meter hohen Fassade der Stadtsparkassen-Filiale in der Bayerstraße 69. Elsers Konterfei ist auf dem riesigen Wandgemälde umgeben von Ikonen der Comic- und Pop-Kultur. Die Frage, die die Künstler dabei beschäftigte: Ist ein Tyrannenmord moralisch erlaubt?

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Quelle: Toni Heigl

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Elsers Zelle im KZ Dachau

Elser, den Hitler nach dem von ihm erhofften "Endsieg" in London in einem Schauprozess hatte aburteilen lassen wollen, wurde am 9. April 1945 im Konzentrationslager Dachau ermordet. Seine letzten acht Lebenswochen hatte er dort als "Sonderhäftling Eller" im sogenannten Bunker in einer Einzelzelle verbracht. Daran erinnert eine Gedenktafel. Ein Grab hat Elser nicht bekommen. Die SS verbrannte Elsers Leiche. Er sei bei einem alliierten Luftangriff ums Leben gekommen, behaupteten die Nazis. Nur zwanzig Tage später befreiten amerikanische Soldaten das Lager.

Anlässlich des 75. Jahrestags des Attentats versuchte Dirk Riedel, damals Historiker an der Dachauer SZ-Gedenkstätte, zu erklären, warum Deutschland sich so lange so schwer tat mit der Erinnerung an den Widerstandskämpfer: "Elser hält der deutschen Gesellschaft den Spiegel vor."

© kel
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