Mehr Grün  in SchwabingEine neue Oase für den Elisabethmarkt

Lesezeit: 3 Min.

Das Lokal Wintergarten - eines der Herzstücke des Elisabethmarktes.
Das Lokal Wintergarten - eines der Herzstücke des Elisabethmarktes. Johannes Simon

Nach der Umgestaltung des Platzes stehen dort noch Container – nun aber soll ein Straßenbereich in Grünfläche umgewandelt werden. Die Diskussionen zuvor waren erhitzt.

Von Ellen Draxel

Raum im Freien zum Entspannen, Verweilen und Spielen? Mitten im Herzen Schwabings, auf dem Elisabethplatz, soll dafür künftig mehr Platz zur Verfügung stehen. Groß ist der Schwabinger Platz bisher nicht, rund 4000 Quadratmeter misst er – wovon etwa die Hälfte eine von einer Minibarrikade umzäunte Grünfläche einnimmt. Auf dem Spielplatz tummeln sich im Sommer jede Menge Kinder, während die Erwachsenen auf dem benachbarten Markt einkaufen oder sich eine kleine Pause gönnen.

Nun wird diese Oase erweitert. Der Straßenbereich zwischen Elisabeth- und Ecke Arcis-/Agnesstraße, der den Interimsmarkt beherbergt hat, während der Elisabethmarkt neu entstanden ist, soll der Platzfläche zugeschlagen werden – voraussichtlich im Herbst, wenn die momentan teils noch zur Lagerung genutzten Container nicht mehr vonnöten sind. Eine entsprechende Neugestaltung hat der Bezirksausschuss Schwabing-West in seiner jüngsten Sitzung mit den Stimmen der Grünen, der SPD und der Linken mehrheitlich beschlossen, und in dieser Angelegenheit hat das Gremium das letzte Wort. Um rund 1500 Quadratmeter wird sich damit die Flaniermeile erweitern.

Eine Aufnahme vom März, als die Bauarbeiten noch liefen: Im Bereich zwischen Elisabethplatz und der Berufsschule im weißen Gebäude soll eine Grünfläche entstehen.
Eine Aufnahme vom März, als die Bauarbeiten noch liefen: Im Bereich zwischen Elisabethplatz und der Berufsschule im weißen Gebäude soll eine Grünfläche entstehen. Stephan Rumpf

„Wir haben hier die seltene Chance, einen beliebten Platz, den Tausende Menschen täglich queren, zu vergrößern“, sagt Undine Schmidt (Grüne). Westschwabing sei der am dichtesten besiedelte Stadtbezirk Münchens. „Und weil immer noch mehr Hinterhöfe versiegelt werden, drängt es die Menschen zunehmend auf die öffentlichen Plätze“, sagt die Lokalpolitikerin.

Die Idee, diesen Straßenbereich zwischen der Berufsschule für Fahrzeugtechnik und dem Elisabethplatz dauerhaft für den Autoverkehr zu sperren, hatten die Bürgervertreter bereits im Oktober 2021. In einem fraktionsübergreifenden Antrag baten sie die Verwaltung, diese Zone zu entsiegeln und nur noch für den Radverkehr zu öffnen. Proteste gab es seinerzeit keine.

Die kochten erst vor ein paar Wochen hoch, als Anlieger der Agnes- und Isabellastraße von dem Vorhaben erfuhren. Sie hatten jahrelang die Auswirkungen der Straßensperrungen infolge der Baumaßnahmen am Elisabethmarkt und dem benachbarten Neubauareal der Stadtsparkasse ertragen und befürchteten nun, erneut im Umgehungsverkehr zu ersticken. Unterstützung bekamen die Anlieger von der örtlichen CSU und zuletzt auch von OB-Kandidat Clemens Baumgärtner (CSU).

So massiv war die Sorge, dass die Stadtteilvertreter für Ende Mai eine knapp dreistündige Informationsveranstaltung mit rund 100 Teilnehmern vorrangig zu den Themen Platzgestaltung und Verkehr anberaumten.  Anschließend bekamen die Nachbarn noch Zeit zur Diskussion. Eine an das Lokalgremium gerichtete Petition zur Erweiterung des Elisabethplatzes zählte am Ende aber 931 Befürworter, dazu fast 600 Pro-Schließung-Unterschriften auf Papier.

Ende Mai gab es eine knapp dreistündige Informationsveranstaltung mit rund 100 Teilnehmern vorrangig zu den Themen Platzgestaltung und Verkehr in der städtischen Berufsschule.
Ende Mai gab es eine knapp dreistündige Informationsveranstaltung mit rund 100 Teilnehmern vorrangig zu den Themen Platzgestaltung und Verkehr in der städtischen Berufsschule. Johannes Simon

Die Entscheidung des Bezirksausschusses basiert auf diesen Zahlen, vielen Gesprächen und auf dem Stimmungsbild der Schwabinger bei der Bürgerversammlung vorige Woche, die mit großer Mehrheit für eine Sperrung zugunsten einer Platzerweiterung votierten. Sie stützt sich aber auch auf die vom Mobilitätsreferat errechneten Daten. Bei einer Sperrung des Straßenbereichs entlang der Berufsschule, erklärte Christoph von Gottberg von der Verkehrsbehörde am Infoabend, blieben die Mehrbelastungen in der nördlichen Isabella- und Georgenstraße „verträglich“. Den Knotenpunkt Agnes-/Isabellastraße passierten aktuell zwischen 500 und 700 Fahrzeuge am Tag – „das ist tatsächlich eine sehr geringe Belastung“. Demgegenüber stünde die „erhöhte Sicherheit vor den Schulen“.

Neben der Berufsschule befindet sich das Giselagymnasium, vor dessen Haustür der Verkehr zwar nach wie vor fließen soll, dessen Schulleitung die geplante Sperrung am Elisabethplatz aber ebenso wie die Berufsschule befürwortet. Schon wegen der Lautstärke: Am „Gisela“ werden unter anderem gehörlose Schülerinnen und Schüler unterrichtet, die von einer geringen Außenlautstärke profitieren.

Und auch in der Schauburg freut man sich über die Platzvergrößerung. „Wir hatten schon Festivals auf dem Elisabethplatz, die wir gerne weiterhin stattfinden lassen würden“, betonte die stellvertretende Intendantin Anne Richter am Infoabend. „Außerdem nutzt unser Publikum, die Kinder und Jugendlichen, den Platz regelmäßig als erweitertes Foyer. Für sie wäre eine gesperrte Straße als Zugang viel sicherer.“

Wie genau der Elisabethplatz und der dann daran anschließende Straßenabschnitt gestaltet werden könnten, ist noch offen. Denkbar wären laut Benjamin Zeckau vom Baureferat neben einer Entsiegelung, der Schaffung von Sitzgelegenheiten und mehr Grün beispielsweise die Errichtung eines Fitness-Parcours oder eines Streetball-Platzes. Anrainer wünschen sich eine Boule-Bahn, Urban-Gardening, eine Calisthenics-Anlage oder auch ein Podium für lokale Künstler. Vor allem aber müsse der Mini-Zaun um die Wiese am Elisabethplatz weg. Radfahrer sollen den ehemaligen Straßenabschnitt in beide Richtungen in Schrittgeschwindigkeit passieren dürfen. Entscheidend sind dabei auch die Kosten: „Das Ganze muss unter einer Million Euro bleiben“, sagt Zeckau.

Die Umgestaltung ist für 2028 geplant

Geplant ist die Umgestaltung von 2028 an, bis dahin sollen die Flächen aber nicht brach liegen. Mit Mobiliar und Sträuchern in Töpfen, wie sie in den Sommerstraßen aufgestellt werden, ist eine Verwandlung schon vom kommenden Jahr an vorgesehen.

Zugleich soll flankierend geprüft werden, wie der Verkehr in der Elisabethplatz-Umgebung so verträglich wie möglich gestaltet werden kann. Einen entsprechenden Antrag mit mehreren Vorschlägen haben die Bürgervertreter bereits auf den Weg gebracht. Denkbar wären aus ihrer Sicht beispielsweise Einbahnstraßen-Regelungen in der Agnes- und Isabellastraße, in der Agnesstraße könnten dafür Parkplätze gedreht und die Straße dadurch künstlich verengt werden. Auf diese Weise entstünden 60 zusätzliche Parkplätze. Auch eine Verlängerung der Ampel-Grünphase in der Isabellastraße könnten sich die Lokalpolitiker vorstellen, um den Verkehr besser abfließen zu lassen.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Münchner Rathaus-Tracker 2025
:Billiger wohnen, sicher Rad fahren – oder doch nicht?

Seit fünf Jahren regiert Grün-Rot im Rathaus und hatte viel vor, aber: Was wurde wirklich besser in der Stadt? Und was wird wohl nichts mehr? Blättern Sie durch den interaktiven München-Tracker.

Von SZ-Autorinnen und -Autoren

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: