VerkehrswendeNur eins von 40 Fahrzeugen fährt in München rein elektrisch

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Ein neuer E-Bus kostet etwa doppelt so viel wie ein Dieselmodell.
Ein neuer E-Bus kostet etwa doppelt so viel wie ein Dieselmodell. Florian Peljak

Die Elektromobilität in der Stadt kommt nur langsam in die Gänge. Während die meisten Privatkunden noch zögern, hat sich die MVG ein ambitioniertes Ziel gesetzt: Bis 2035 sollen alle Busse mit Strom fahren - billig wird das allerdings nicht.

Von Andreas Schubert

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E-Autos sind sauber und leise - und auf den Straßen längst nicht mehr so selten, wie noch vor ein paar Jahren. Dennoch kommt die Elektromobilität in München nur langsam in die Gänge. Zwar ist die Zahl der in der Stadt zugelassenen reinen E-Autos im vergangenen halben Jahr um rund 2200 auf 17 760 (Stand: 10. August) gestiegen, dazu kommen noch 756 Elektro-Lkw. Seit 2016 hat sich die Anzahl gar verzehnfacht. Doch reine E-Fahrzeuge machen nur rund ein Vierzigstel des gesamten Fahrzeugbestandes aus. Hybridfahrzeuge sind aktuell noch wesentlich häufiger auf den Straßen zu sichten. Davon gibt es rund 56 000.

Die Reichweiten von E-Autos haben sich mit den Jahren stark verbessert. So bewirbt etwa BMW seinen i4 mit einer Reichweite von bis zu 590 Kilometern (unter optimalen Bedingungen). Dazu kommt, dass die Zahl an öffentlichen Ladepunkten weiter steigt. Allein die Stadtwerke München (SWM) betreiben derzeit rund 1200, in den kommenden acht Jahren sollen es 2800 werden.

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Die Autobranche fürchtet allerdings, dass die Entwicklung der E-Mobilität ins Stocken gerät. Denn die Förderung des Bundes, die den Antriebswechsel beschleunigen sollte, wird vom kommenden Jahr an für reine E-Autos massiv sinken und von September 2023 an auf Privatpersonen begrenzt. Sparten sich Käufer eines reinen E-Autos bisher bis zu 9000 Euro, gibt es künftig nur noch höchstens 4500 Euro. Die Förderung für Plug-in-Hybride läuft Ende dieses Jahres komplett aus.

Dass der Bund bei der Förderung künftig sparen will, kritisiert der Verband der Automobilindustrie (VdA) scharf und sieht die Wende zur E-Mobilität sogar gefährdet. Denn eine Mehrheit der Deutschen hält die E-Autos laut einer Allensbach-Umfrage noch für zu teuer. "Statt die Menschen zum Umstieg auf die E-Mobilität zu motivieren, verunsichern die neuen Förderregelungen und schrecken gar vom Kauf ab", ließ VDA-Präsidentin Hildegard Müller Ende Juli mitteilen.

Immerhin gibt es von der Stadt München noch Geld: Im Juni hat der Stadtrat sein Förderprogramm "Klimaneutrale Antriebe" verlängert. Von April 2023 an gibt es wieder städtisches Geld für Ladeinfrastruktur und Beratungsleistungen sowie für bestimmte E-Fahrzeuge, zu denen auch drei- und vierrädrige elektrische Kleinstwagen zählen. Deren Anschaffung bezuschusst die Stadt mit bis zu 3000 Euro.

Die MVG hat aktuell 24 reine Elektrobusse im Einsatz - deren Zahl soll schnell steigen

Einen deutlichen Fortschritt bei der Elektromobilität auf der Straße macht die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG). Noch vor fünf Jahren waren Elektrobusse für die MVG für den täglichen Linienbetrieb keine ernstzunehmende Alternative zu Dieselbussen. Die Reichweite war zu gering, gerade im Winter. Das ist inzwischen anders. Aktuell hat die MVG 24 reine Elektrobusse im Einsatz, zehn davon sind Gelenkbusse. Dazu kommen noch 94 Gelenkbusse mit Hybridantrieb. Wie auch die U-Bahn und die Tram werden die Elektrofahrzeuge auf der Straße mit Ökostrom betrieben.

Und kommendes Jahr wird die Elektroflotte mehr als verdoppelt: 14 E-Busse hat die MVG beim Hersteller Ebusco bestellt, weitere 21 bei MAN. "Die Branche macht große Fortschritte bei der Entwicklung elektrischer Busse", sagt MVG-Chef Ingo Wortmann. Bei der Leistungsfähigkeit der Batterien, der Effizienz von Heiz- und Kühlsystemen und beim Fahrzeuggewicht habe sich in den vergangenen Jahren viel getan. Noch heuer wollen SWM und MVG den neuen Busbetriebshof in Moosach eröffnen, auf dem zunächst bis zu 56 E-Busse geladen werden können. Der weitere Ausbau der Ladeinfrastruktur sei bereits in Planung. Auch auf dem Busbetriebshof im Münchner Osten gibt es schon heute Lademöglichkeiten für E-Busse.

Die neuen E-Busse sind so konstruiert, dass sie Fahrgästen mehr Platz bieten. Mit einer Gesamtkapazität von 640 Kilowattstunden durch Nickel-Mangan-Cobalt-Akkus haben sie eine Reichweite von bis zu 250 Kilometern. Eine moderne Klimaanlage senkt zudem den Energieverbrauch im Vergleich zu herkömmlichen Systemen. Geheizt wird mit einer Strom sparenden Wärmepumpe.

"Bis 2035 wollen wir unseren Busverkehr komplett elektrisch betreiben", verspricht Wortmann. Das ist ein weiter Weg - und ein kostspieliger. Ein E-Bus kostet etwa doppelt so viel wie ein Dieselmodell. Für einen Solobus werden etwa eine halbe Million Euro fällig, für einen Gelenkbus etwa 800 000. Die nun bestellten Fahrzeuge werden zu 62 Prozent mit öffentlichen Zuschüssen finanziert. Für die komplette Flotte müssen die öffentliche Hand und die SWM also tief in die Tasche greifen. Insgesamt hat die MVG 400 Busse im Einsatz. Verstärkt wird die Flotte von 268 Bussen privater Kooperationspartner.

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