Verkehr:Das ist Münchens E-Auto-Vision für 2030

Verkehr: Umweltreferentin Stephanie Jacobs und BMW-Vorstandsmitglied Peter Schwarzenbauer sind überzeugt, dass Elektroautos die Zukunft sind.

Umweltreferentin Stephanie Jacobs und BMW-Vorstandsmitglied Peter Schwarzenbauer sind überzeugt, dass Elektroautos die Zukunft sind.

(Foto: Stephan Rumpf)

Bis Ende des Jahres sollen 90 neue Ladesäulen aufgestellt werden, in elf Jahren sollen es 5000 sein. Die Konkurrenz unter den Car-Sharing-Unternehmen wird indes härter.

Von Pia Ratzesberger

Peter Schwarzenbauer aus dem Vorstand von BMW ist gerade dabei, zwischen zwei Ladesäulen zu erklären, warum Elektroautos die Zukunft sind, da hält an einer der beiden Säulen ein Wagen. Ein Mann mit Sonnenbrille steigt aus, will seine Batterie aufladen. Vergeblich. Die App zeigt eine Fehlermeldung an. Er sagt: "Passiert dauernd."

Es gibt an diesem Nachmittag wahrscheinlich keinen besseren Ort in der Stadt um diese Klage vorzubringen, als die zwei Ladesäulen nahe dem Karolinenplatz. Denn dort steht gerade nicht nur Peter Schwarzenbauer von BMW, sondern auch Stephanie Jacobs, die städtische Referentin für Umwelt. Die Politikerin und der Unternehmer haben eben verkündet, dass die Stadt München bis Ende kommenden Jahres neunzig neue Ladesäulen aufstellen wird - und Share Now wiederum seine Elektroflotte verdoppeln will.

Share Now ist aus der Verschmelzung von Drive Now von BMW und Car2go von Daimler hervorgegangen. Beide Dienste boten Autos zum Teilen an. Doch seit vergangenem Herbst machen die Konkurrenten gemeinsame Sache, was zeigt, wie umkämpft der Markt ist. Der Mann mit der Sonnenbrille also steigt wieder in seinen Wagen, er habe keine Zeit, sich über die Schwachstellen des Systems zu unterhalten.

Für Stephanie Jacobs ist das wohl eine glückliche Fügung, weil sie so ungestört von den Plänen für die kommenden Monate erzählen kann: Gerade stehen 460 Ladesäulen in München, mit 920 sogenannten Ladepunkten. Bis Ende des Jahres sollen es 550 Ladesäulen mit 1100 Ladepunkten sein. Das noch weit entfernte, aber doch gesetzte Ziel wären dann 5000 Ladesäulen mit 10 000 Ladepunkten. Eine Stadt brauche ein dichtes Netz, sagt Jacobs, damit möglichst viele Menschen Elektromobilität nutzten. Die 5000 seien eine Version für das Jahr 2030.

Die neuen Elektroautos von Share Now stammen alle von BMW und sollen nicht zusätzlich zu den anderen dazukommen, sondern Autos mit Verbrennungsmotor ersetzen. Das Unternehmen war mit 85 Autos in der Stadt gestartet, mittlerweile sind es 130 und bis zum Ende des Jahres sollen 200 Wagen mit Elektroantrieb fahren. Das klingt nicht viel für eine Stadt wie München, und tatsächlich machen die Autos nur etwa 16 Prozent der gesamten Flotte aus.

Wer im Stau steht, zahlt nicht mehr

Man wolle den Anteil eben nach und nach steigern, sagt Schwarzenbauer von BMW, sowie nach und nach das Gebiet erweitern, in denen man die Autos teilen kann. Bislang konzentriert sich Share Now auf das Stadtgebiet innerhalb des Mittleren Rings. Bezahlt wird pro Minute, wobei die Elektroautos mit etwa 36 Cent ungefähr genauso viel kosten wie die Wagen mit Verbrennungsmotor - nur die kleineren Mini Modelle kosten etwa drei Cent weniger.

Es gibt heute in München so viele Anbieter für Carsharing, dass auf den ersten Blick kaum noch zu unterscheiden ist, worin sie sich unterscheiden. Da ist nicht nur Share Now von BMW und Daimler, sondern auch Flinkster von der Deutschen Bahn, das noch relativ neue Oply oder auch Stattauto, das schon Anfang der Neunziger Jahre gegründet wurde. Dass sich die Wirtschaft in Zukunft viel von dem Markt verspricht, sieht man daran, dass noch immer neue Firmen ihre Fahrzeuge in die Großstädte stellen.

Erst im August startete zum Beispiel Miles in München. Ein Start-up aus Berlin, das früher einmal Drive By hieß, und bei dem man nicht pro Minute zahlt, sondern pro Kilometer. Wer im Stau steht, zahlt also nicht mehr, außerdem kann man sich nicht nur Autos, sondern auch Transporter leihen. Das Unternehmen beginnt mit 250 Fahrzeugen in der Stadt. Davon keines mit Elektromotor.

Share Now hat fünfmal so viele Autos in den Straßen stehen. Beide Firmen haben aber gemeinsam, dass man die Autos nicht zu einer bestimmten Station oder einem bestimmten Gebiet bringen muss, sondern sie abstellen kann, wo man möchte.

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