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Münchner Eisdielen:Einen in der Waffel

Mit welchen Kreationen Münchner Eismacher Schoko, Vanille und Stracciatella in diesem Sommer Konkurrenz machen.

Von Laura Kaufmann und Franz Kotteder

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Patagon Helados am Romanplatz:Crème de la Crème

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Quelle: Catherina Hess

Etwas versteckt am Romanplatz gelegen findet sich eine seltene Perle der Eismannskunst, eine argentinische nämlich. Sebastian Scovenna und Adrian Pisani kennen sich noch aus dem deutschen Handballverein in Argentinien. Mittlerweile sind beide ausgewandert und haben gemeinsam mit Scovennas Frau Fernanda das arg vermisste argentinische Eis nach Nymphenburg gebracht.

Argentinisches Eis, da klingelt hierzulande nichts - aber die zahlreichen italienischen Einwanderer hatten auch ihr Gelato mit in die neue Heimat gebracht, das fortan mit südamerikanischen Zutaten und Rezepten weiterentwickelt wurde. Die drei fanden in Deutschland also trotz der zahlreichen italienischen Eisdielen nicht den Geschmack, den sie suchten. "Eine argentinische Eisdiele kann zum Beispiel kaum aufmachen, ohne Dulce de Leche anzubieten", sagt Sebastian Scovenna. Milchkaramell, Alfajor ist einer beliebten argentinischen Süßigkeit nachempfunden. Jede Sorte wird ohne Farb-, Konservierungs- oder sonstige fragwürdige Stoffe hergestellt, und das für 1,50 Euro pro Kugel. Wahnsinnig cremig ist das Endresultat, Dulce de Leche, ein karamelliger Genuss, viele weitere unbekannte Sorten warten darauf probiert zu werden (Romanplatz 5, 11 bis 20 Uhr, Kugel 1,50 Euro).

Von Laura Kaufmann

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Bayerische Eismanufaktur:Kugelrunder Zwetschgendatschi

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Quelle: Catherina Hess

Ein Eis in der Waffel oder im Becher kannst du dir nirgendwo herunterladen, dachte sich Martin Schumann, als er seine Videothek schließen musste, weil die Leute nicht mehr zu ihm kamen, wenn sie einen Film sehen wollten, sondern einfach ihren PC anwarfen. Zusammen mit seinem Spezl Alexander Bartl übernahm der 40-Jährige 2015 einen Schreibwarenladen im Lehel, baute ihn komplett und sehr aufwendig um und machte eine Eisdiele draus.

Die Bayerische Eismanufaktur liegt passenderweise gegenüber der Trambahnhaltestelle Paradiesstraße, unweit der Himmelreichstraße, und zum Englischen Garten sind es nur ein paar Schritte. Schumann lernte damals noch schnell das Eismacherhandwerk, und er beherrscht es wirklich hervorragend. Sein Salzkaramelleis wird weithin gerühmt, ebenso wie die Pistazie. Ein Renner ist auch das Zwetschgendatschieis, das auch wirklich original nach Zwetschgendatschi schmeckt. Drinnen wie draußen kann man gut bei einem Espresso, Cappuccino oder auch einem Prosecco sitzen, so dass die perfekte Eisdielenstimmung aufkommt. Und demnächst sind Schumann und Bartl auch noch mit einem eigenen Eiswagen unterwegs (Oettingenstraße 42 a, täglich 11.30 bis 22 Uhr, die Kugel kostet 1,60 Euro).

Von Franz Kotteder

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Eismeisterei:Meisterliche Gurke

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Quelle: Catherina Hess

Seit einem Jahr führt die Eismeisterei ein unaufgeregtes Leben mitten im Herzen der Stadt, am Viktualienmarkt. Chef Patrick Schünemann kommt ursprünglich aus der Sportbranche, wollte sich neu orientieren und bildete sich in der Kunst des Eismachens fort. Vorerst übernahm er ein Café in Unterhaching und belieferte von dort aus einige Eisdielen der Stadt mit den Erzeugnissen seines zweiten Bildungswegs. Dann ergab sich die Gelegenheit, seiner Leidenschaft ganz zu folgen und eine der Eisdielen, die er belieferte, zu übernehmen. Wunderschön gelegen in der Heiliggeiststraße können seine Gäste jetzt Smoothies trinken und Bananasplit essen, auch auf der schon früh von der Sonne verwöhnten Terrasse. Zu späterer Stunde gilt das Heiliggeiststüberl direkt neben der Eisdiele als perfekte Ergänzung.

Die Kugel ist mit 1,70 Euro nicht geschenkt, dafür bis hin zum Bindemittel selbst hergestellt und frei von Konservierungsstoffen. Die Sorten sind recht klassisch, salziges Karamell gibt es mal oder auch ein Gurkeneis. Schokolade, Vanille und Konsorten sind immer da. An schönen Tagen ist die Eismeisterei zwischen Wittelsbacher und Reichenbachbrücke unterwegs und versorgt mit einem Kühlradl Isarsonnenbader (Heiliggeiststraße 1, bei schönem Wetter 11 bis 22 Uhr, Sonntag 12 bis 22 Uhr, Kugel 1,70 Euro).

Von Laura Kaufmann

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Cremagelato da Giacomo:Eis mit Torte

Eis, Eisdiele Cremagelato da Giacomo, Albert-Roßhaupter-Straße 96

Quelle: Florian Peljak

Jedes Stadtviertel hat wohl seine original Münchner italienische Eisdiele - sei es das Sarcletti in Neuhausen, das Portofino in Pasing oder das Venezia in Schwabing. In Sendling handelt es sich dabei ganz bestimmt um Cremagelato da Giacomo, wobei hier nicht mehr so arg viel münchnerisch ist, dafür aber umso mehr italienisch. Das liegt nicht nur daran, dass die Albert-Roßhaupter-Straße nicht gerade ein Münchner Prachtboulevard ist wie "die Leo" oder gar "die Maxi", sondern eher einer leicht verhauten italienischen Vorstadtstraße gleicht, zwischen dem Elektromarkt am einen und dem Einkaufszentrum am anderen Ende.

Es liegt auch daran, dass hinter dem äußerst ausladenden Eistresen mit einer großen Fülle sahnig-cremiger italienischer Sorten Tiramisu bis Fiore di sale praktisch immer eine italienische Muttersprachlerin oder ein italienischer Muttersprachler steht und der Inhaber den stolzen Namen Giacomo Apadula trägt. Hinzu kommt die Innenausstattung, die an ein sorglos kunterbuntes Möbellager erinnert und ein klein wenig darüber hinwegtäuscht, dass es hier auch mörderisch gute Torten, mit Eis oder ohne, und einen hervorragenden Espresso gibt (Albert-Roßhaupter-Straße 96, täglich 10-21.30 Uhr, Kugel 1,40 Euro).

Von Franz Kotteder

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Steckerleisdiele:Stamperl am Stiel

Andreas Linke in Münchens 1. Steckerleisdiele Eiskoid in der Sommerstraße 38 in Giesing

Quelle: Florian Peljak

Seltsam, dass Steckerleis so aus der Mode gekommen ist. Aber jetzt soll es mit Hilfe von Früchten und / oder Schnaps eine Renaissance erleben. So haben sich das Felix Riederer von Paar, dessen Eltern die berühmte Poltinger Lammzucht betreiben, und Andreas Linke vorgestellt. Die beiden haben sich in Berlin kennengelernt, Riederer von Paar hat dort das Startup "Schleckdruff" mit gefrorenen Cocktails am Stiel gegründet, und der Ingolstädter Andreas Linke hat sich mit ihm angefreundet. Gemeinsam wollen sie nun Bayern erobern, mit dem Label "Eiskoid" und dem Slogan: "Do schleckst di nieder!" Seit vier Wochen verkauft Linke jetzt "Prost am Stiel" und "Frucht am Stiel" in Münchens erster Pop-up-Steckerleisdiele - als Untermieter in einem Getränkemarkt an der Sommerstraße.

Es gibt dort Erdbeere, Birne, Mango und Kirsche, aber auch Willi-, Marille- und Pfeffi-Eis; demnächst soll die Geschmacksrichtung Goaßnmass dazukommen. Die mit Alkohol haben den Gegenwert von "etwa zwei Stamperl", wie Linke sagt. Und bald kann man "Eiskoid" auch an der Isar erstehen - dort ist Linke dann mit dem Eisradl unterwegs (Sommerstraße 38, werktags 10 bis 19 Uhr, samstags 10 bis 18 Uhr, Kugel zwischen 2,20 und drei Euro).

Von Franz Kotteder

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Artefredda:Bio, vegan, normal

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Quelle: Robert Haas

In Giesing beheimatet, bemüht sich das Artefredda um einen Spagat: allen Anwohnern gerecht zu werden. Nicht jeder hier steht auf veganes, mit Stevia gesüßtes Bio-Eis, weshalb es ganz "normales" hausgemachtes Eis zu einem günstigeren Preis von 1,40 Euro die Kugel gibt. Aber eben auch die Sorten aus Bio-Obst, die für 1,80 über die Theke an der Tegernseer Landstraße gehen. Ausgefallenere saisonale Kugeln wie Holunder-Zitrone kosten 1,60 Euro.

In der Hochsaison, die jetzt langsam losgeht, hat Max Solberg bis zu 25 Sorten zur Auswahl. Da darf sich der Kunde auch kurz Zeit nehmen, um sich zu orientieren. Das umfangreiche Sortiment hat sich in den vergangenen Jahren bewährt; das Artefredda ist zu einer festen Größe auf der "Tela" geworden. Vegan ist vieles, jedes Fruchteis und viele andere Sorten sind mit Stevia gesüßt, womit die Kugel keine so fiese Zuckerbombe ist. Kaffee, Mandel und Waldfrucht bietet Solberg gerade mit Stevia an. Aber auch in dem anderen Eis, sagt der Chef, sei nur so viel Zucker, wie es für den Geschmack nötig sei. "Es ist für jeden etwas dabei", verspricht Solberg. Löffel und Becher sind im Artefredda übrigens aus Maisstärke. (Tegernseer Landstraße 38, 12 bis19 Uhr, Sonntag 10 bis 19 Uhr; Kugel ab 1,40 Euro).

Von Laura Kaufmann

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