Bahn-Tankstellen in München:Einmal volltanken für 3200 Euro

  • Die Deutsche Bahn betreibt bundesweit 195 Diesel-Tankstellen für Schienenfahrzeuge.
  • 50 davon sind nur über Gleise zugänglich, drei davon betreibt die Bahn in München: im Bahnbetriebswerk an der Landsberger Straße, in Pasing und im Münchner Norden.
  • Auch Konkurrenten der Bahn wie die BOB oder der Alex nutzen die Tanstelle für ihre Züge.

Von Marco Völklein

Auf den ersten Blick wirkt die Tankstelle auch nicht viel anders als eine für Autos. Es gibt zwei Zapfpistolen, Anzeigen, die zeigen, wie viel Sprit entnommen wurde. Und am Boden haben Arbeiter ein Auffangbecken betoniert, sollte doch mal ein Schlauch platzen oder ein Tank überlaufen. Nur ist alles hier, im Bahnbetriebswerk an der Landsberger Straße, ein bisschen größer als an einer normalen Tanke. Und es gibt keine Straßenzufahrt, über die man an die Zapfsäule rangieren könnte. Diese Tankstelle erreichen die Kunden ausschließlich per Schienenstrang.

Wenn der Sprit mit der Rangierlok kommt

Bundesweit betreibt die Deutsche Bahn 195 Diesel-Tankstellen für Schienenfahrzeuge, drei davon in München. Eine in Pasing, eine im Münchner Norden - und diese an der Landsberger Straße. Das Besondere: Die Tankstelle ist nur auf dem Schienenweg zu erreichen. Für Manfred Oberbauer, den Chef-Dieseleinkäufer der Bahn, heißt das, dass auch die Anlieferung per Schiene erfolgt. Und so hat an diesem Morgen eine Rangierlok einen mit knapp 70 000 Liter Diesel gefüllten Kesselwagen auf ein Abstellgleis geschoben, direkt neben die Zapfsäulen.

Während drüben gerade ein Lokführer der Bayerischen Oberlandbahn (BOB) seinen Zug betankt, hat DB-Mitarbeiter Manfred Wandelt einen dicken Schlauch an den Kesselwagen angestöpselt. Im Hintergrund bollert bereits eine Pumpe und speist den Treibstoff in einen der fünf großen Lagertanks, die ebenfalls zu der Lok-Tankstelle gehören.

Immense Logistik für eine Tankfüllung

Jeweils acht bis zehn Tage Vorlauf benötigt Oberbauer, um einen Kesselwagen mit Diesel zu einer Lok-Tankstelle zu bringen. Die Wagen müssen bei einem Dienstleister geordert und zu einer Raffinerie transportiert, dort gefüllt und anschließend zur Tankstelle gekarrt werden. "Dahinter steckt eine immense Logistik", sagt Oberbauer. Und die braucht Zeit.

Schneller und meist auch billiger geht es auf der Straße. Deshalb schicken Oberbauer und sein Team zu den bundesweit 145 Lok-Tankstellen, die über einen Straßenanschluss verfügen, den Dieselnachschub meist per Tanklastwagen. "Als Eisenbahner blutet mir dabei das Herz", räumt Oberbauer ein. Als Betriebswirt aber setzt er auf den Lkw. Nur bei den bundesweit 50 Lok-Tankstellen, die ausschließlich über einen Gleisanschluss verfügen, muss er zwangsläufig den Nachschub per Schiene anliefern.

Einmal volltanken, bitte - mit 3200 Litern

Zu den Kunden der Lok-Tankstellen zählen nicht nur die diversen Tochterfirmen der Deutschen Bahn, etwa DB Regio Bayern, die Südostbayernbahn oder die Gütertransport-Tochter DB Schenker. Vielmehr fahren auch die zahlreichen Konkurrenten des Konzerns, die BOB oder der Alex, an Oberbauers Tankstellen vor. Die Disponenten planen die Tankstopps in die Umläufe der Fahrzeuge ein. Wenn dann zum Beispiel ein Lokführer mit einer Lok der Baureihe 218 vorfährt, kann es sein, dass er dort bis zu 3200 Liter Diesel zapft. So viel passt nämlich in die Tanks.

Noch etwas ist anders als an einer Kfz-Tankstelle: Eine große Preisanzeige an der Zufahrt sucht man vergebens. "Das würde auch keinen Sinn haben", sagt Oberbauer. Denn zum einen gibt es keine Konkurrenz-Tankstelle, die Bahn hat das Monopol in ihrem Netz. Und zum anderen legen Oberbauer und seine Leute den Preis erst im Nachhinein fest.

Dabei greifen sie zum Monatsende auf eine Marktnotierung eines Brancheninstituts zurück und bilden einen Monatsdurchschnittspreis. Auf diesen Wert schlagen sie noch 5,6 Cent je Liter für die Handling-Kosten drauf. Dieser Satz ist von der Bundesnetzagentur genehmigt, sagt Oberbauer. Im April zahlten die Kunden so in München einen Nettopreis (also ohne Mehrwertsteuer) von 99,9 Cent je Liter. Einmal volltanken machte bei einer Lok der Baureihe 218 somit 3200 Euro.

Dieselloks - bald ein Relikt der Vergangenheit?

490 Millionen Liter Diesel schlug Oberbauers Team so im vergangenen Jahr um, dazu kamen 30 Millionen Liter Heizöl für die Betriebsgebäude der Bahn und zehn Tonnen Schmierstoffe. Auch Sand, den die Fahrzeuge zum Bremsen benötigen, lässt Oberbauer beschaffen und an die Ladestationen in der ganzen Republik verteilen.

Der Absatz beim Diesel für Lokomotiven geht übrigens seit Jahren zurück, sagt Oberbauer. 2010 wurden bundesweit noch 513 Millionen Liter getankt. Der Grund für den Rückgang: Viele Betreiber steigen von Lok-bespannten Zügen auf Triebwagen mit geringerem Verbrauch um. Und: Je mehr Strecken elektrifiziert werden, desto weniger Dieselloks sind unterwegs.

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