Die Münchnerinnen und Münchner sowie Touristen sollen künftig viermal im Jahr bis Mitternacht an fixen Terminen einkaufen dürfen. Das Kreisverwaltungsreferat schlägt dafür den Freitag nach Christi Himmelfahrt, den Freitag vor Beginn des Oktoberfests, den Black Friday im November und den dritten Adventssamstag vor. Neben diesen Shopping-Nächten für alle Geschäfte soll jeder Laden viermal individuell bis Mitternacht Kunden empfangen dürfen. Dazu sollen Souvenirhändler in der Altstadt von 1. April bis 15. Oktober an Sonn- und Feiertagen von 11 bis 19 Uhr ihre Geschäfte und Stände öffnen können. Im Olympiapark und rund um das Fußballstadion in Fröttmaning sind die gleichen Regeln vorgesehen.
Der Kreisverwaltungsausschuss wird am Dienstag über diesen Vorschlag von Referentin Hanna Sammüller (Grüne) abstimmen. Sie reagiert mit der Vorlage auf ein neues Landesgesetz, das seit 1. August 2025 Lockerungen im Ladenschluss zulässt. Ihr Kreisverwaltungsreferat (KVR) hätte auf dieser Grundlage das allgemeine Nacht-Shopping sogar für acht Abende freigeben können. Die Hälfte sei für ihr Haus jedoch ein „tragfähiger Kompromiss“, schreibt sie in der Vorlage.
Souvenirhändler sollen an Sonntagen künftig Essen und Trinken zum sofortigen Verzehr, Schnittblumen, Zeitungen, Zeitschriften, Devotionalien und Andenken anbieten können. In München dürften aber im Gegensatz zu anderen Tourismusregionen keine Badesachen und Sportartikel verkauft werden. Das sei nicht typisch für die Attraktionen der Stadt, heißt es in der Vorlage.
Der Stadtrat wird diesem Vorschlag des KVR aller Voraussicht nach folgen. Dieser Trend zeichnete sich in den Sitzungen der drei großen Fraktionen am Montag ab. Das vom Kreisverwaltungsreferat ausgearbeitete Konzept versuche Interessen von Händlerinnen und Händlern sowie die der Gewerkschaften und Kirchen „miteinander in Einklang zu bringen“, sagte zum Beispiel Stadtrat Christian Smolka von den Grünen.
Ähnlich sieht es die SPD. „Ich gehe davon aus, dass wir uns am Ende auf den vom KVR vorgeschlagenen Kompromiss verständigen, möchte aber der Entscheidung der Fraktion nicht vorgreifen“, sagte die Vorsitzende Anne Hübner. Der CSU wiederum geht die Vorlage „nicht weit genug“, sagte Fraktionschef Manuel Pretzl. Die Stadt solle alle Möglichkeiten des neuen Gesetzes ausnutzen. „Wir sehen für diese zögerliche Umsetzung keinen Grund, da die Geschäfte ohnehin selbst entscheiden können, ob sie alle Tage ausnutzen möchten.“
Der heftigste Widerstand im Stadtrat dürfte von der Linken zu erwarten sein. „Verlängerte Ladenöffnungszeiten gehen vor allem zulasten der vielen Frauen die im Einzelhandel beschäftigt sind“, sagte Fraktionschef Stefan Jagel. „Auf ein solches ‚Weihnachtsgeschenk‘ können die Beschäftigten gut verzichten.“
Die Gewerkschaft Verdi übt heftige Kritik an der Regelung
Auch die Gewerkschaft Verdi übte scharfe Kritik. „Welche Zugeständnisse hier für die Arbeitnehmerseite vorzufinden sein sollen, erschließt sich uns nicht im Ansatz“, erklärte Gewerkschaftssekretär Dominik Datz schriftlich. Die geplante Liberalisierung der Öffnungszeiten sei „ein weiterer Schlag ins Gesicht der Beschäftigten“. Sie bedeute mehr Arbeit für einen nur geringen zu erwartenden Gewinn. „Eine wohlgemeinte Unterstützung von wenigen inhabergeführten ,Souvenir-Standln’ rechtfertigt nicht, dass Tausende ... Beschäftigte hierfür massive Einschnitte in Privatleben und Gesundheit erfahren müssen.“
Bei den Händlern sind die Reaktionen gemischt. Nicht wenige wollten alle acht möglichen Einkaufsnächte bis 24 Uhr nutzen, die der Freistaat mit dem neuen Gesetz möglich macht. Dazu wollten die Geschäftsbetreiber erreichen, dass Souvenirläden nicht nur in der Altstadt und an den großen Stadien, sondern in der gesamten Stadt sonntags öffnen dürfen. Es überwiegt hier aber die Erleichterung, dass die lange geforderte Sonntagsöffnung nun kommen soll.
So beschreibt es Wolfgang Fischer, Geschäftsführer des Vereins City-Partner, der die Interessen des Handels vertritt. „Wir hatten an einem Adventssonntag in der Fußgängerzone 80 000 Passanten. So viele haben andere Städte an einem Samstag nicht“, sagt er. Die neue Regelung sei eine sehr große Verbesserung für Gäste und Souvenirhändler, sagt er. In der Fußgängerzone seien jedoch nicht wenige Händler enttäuscht, dass nur vier der acht möglichen pauschalen Einkaufsnächte zugelassen werden sollen. Dafür sieht Fischer in den vorgeschlagenen vier individuellen Verkaufsabenden pro Laden einen Fortschritt für den Handel.

