bedeckt München 22°

Friedhöfe in München:Lebensgefährlicher Durst

Damit Eichhörnchen bei Trockenheit gefahrlos an Wasser kommen, brauchen sie flache Wasserstellen wie diese.

(Foto: Eichhörnchen Schutz e.V./oh)

Ein Projekt der Friedhofsverwaltung soll Eichhörnchen vor dem Ertrinken bewahren. Es bräuchte nur wenig, um das Leben der Tiere zu retten.

Von Kilian Beck, Giesing

Schon eine Gießkanne könne zur "Todesfalle" werden, erklärt Lothar Nogai, Vorsitzender des Vereins "Eichhörnchen Schutz". Gerade im Sommer, wenn Tiere auf der Suche nach Wasser seien, würden sie große Risiken eingehen, sagt der Tierschützer. Am Rand einer Regentonne könnten Eichhörnchen sich, so Nogai, mit den Hinterpfoten festhalten und nach dem Wasser strecken. Steht es zu tief, fallen sie hinein. "Dann brauchen sie Hilfe - ansonsten ertrinken sie."

An trockenen Tagen führt die Suche nach Wasser Eichhörnchen und andere Kleintiere oft auf Münchens städtische Friedhöfe. "Letztes Jahr hat uns der Eichhörnchenschutzverein darauf aufmerksam gemacht, dass Wasserstellen gefährlich sein können", sagt Michael Feicht. Der Verwaltungsangestellte der städtischen Friedhöfe leitet seitdem ein Projekt zur Überprüfung aller 600 Brunnen und Wasserstellen auf 29 Friedhöfen. Er beginnt damit auf dem Ostfriedhof.

Bei manchen Brunnen braucht es eigentlich nur einen Stock, an dem sich Tiere wieder nach oben hangeln können. In den Wasserstellen, die aufgestellt werden, solange es nachts noch friert, sei das seit Jahren so, schildert der Friedhofsangestellte. "Wir erleben es aber immer wieder, dass Leute diese beim Wasser holen entfernen", sagt er. Hinweisschilder, dass es sich dabei um lebensrettende Leiterchen handelt, würden oft ignoriert, erzählt Feicht. Daher brauche es fest installierte Lösungen, wie beispielsweise Lochbleche, Maschendraht oder verschraubte Holzlatten. "Eine besondere Ausstiegshilfe haben wir hier", sagt Feicht mit Blick auf die Kaskaden, dem Pilotprojekt. Vom Brunnenrand führt eine kleine Holzrampe ins Wasser. "Die ist für die Entenküken, die noch nicht fliegen können", sagt Feicht. Immer wieder komme es vor, dass Küken ihrer Mutter hinterher in den Brunnen hüpften, aber nicht hinausfliegen könnten. Über die Rampe können sie seit letztem Jahr wieder hinaufwatscheln.

Im nächsten Frühling wolle man, so Feicht, mit dem Aufbau der Ausstiegshilfen beginnen. "Ich bin froh, dass die Friedhöfe etwas tun", sagt Lothar Nogai. Allen die einen Garten oder einen Balkon haben, rät er, ihre Regentonnen und Wasserstellen mit Ausstiegshilfen zu versehen. "Da reicht schon ein Ast, damit ein Hörnchen wieder raufklettern kann", sagt er. Ebenfalls wünscht er sich mehr flache Wasserstellen, an denen sich Tiere an trockenen Tagen laben könnten. "Dann fallen sie gar nicht erst ins Wasser", sagt Lothar Nogai. Gießkannen sollten leer sein, wenn sie draußen stehen oder am besten hingelegt werden, um besonders Jungtiere vor dem Ertrinken darin zu schützen. Der Verein kümmert sich um Eichhörnchen in Not, wer eines findet, kann sich unter Telefon 0176/55 37 68 64 melden.

© SZ vom 16.09.2020

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite