Fünf Zauber-Shows in der OlympiahalleSo wollen die Ehrlich Brothers die Münchner verzaubern

Lesezeit: 3 Min.

Sprung in die vierte Dimension: Mit einem Luftkissenboot hoben die Ehrlich Brothers bei ihrem jüngsten Besuch in München ab, verschwanden und tauchten am anderen Ende der Halle wieder auf.
Sprung in die vierte Dimension: Mit einem Luftkissenboot hoben die Ehrlich Brothers bei ihrem jüngsten Besuch in München ab, verschwanden und tauchten am anderen Ende der Halle wieder auf. Robert Haas

Vor der Weltrekord-Show in Frankfurt kommen Deutschlands erfolgreichste Zauberer in die Olympiahalle. Die Ehrlich-Brüder können nicht nur groß tricksen, sondern haben auch ein Herz für die Kleinen.

Von Michael Zirnstein

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Natürlich können auch die Ehrlich Brothers nicht wirklich zaubern, aber sie können kleine Wunder vollbringen. Das ist jetzt wissenschaftlich erwiesen. Die Idee des Projekts „Magic Moves“, oder besser: die Hoffnung war, zehn Kindern, die an Hemiparese leiden, zu einem besseren Leben zu verhelfen. Diese Kinder, deren Körper halbseitig gelähmt sind, wünschten sich nur, Pizza mit Messer und Gabel essen, sich einen Zopf flechten oder die Schuhe binden zu können. Dabei freilich hilft, solange Harry Potter nicht wirklich lebt, kein Zauber. Aber Mediziner der LMU München hatten die Vermutung, dass die Kinder die vielseitige Beschäftigung in einem Zauber-Camp weiterbringen könnte.

Und dabei würde es wohl durchaus helfen, dass die meisten Kinder die Ehrlich Brothers lieben. Die zählen zu den raren Generationen-verbindenden Show-Stars des Landes. Angeblich sind die Brüder Chris (44 Jahre alt, Kakadu-Frisur) und Andreas (48, Igel-Schnitt) aus Herford in den vergangenen zehn Jahren 1200 Mal aufgetreten und haben 4,5 Millionen Tickets verkauft – in der Regel sind die Hallen gut mit Zauber-Nachwuchs gefüllt. Das liegt am vielen „Piff, paff, puff!“, daran, dass sie Süßigkeiten an Fallschirmen herabsegeln lassen, aber auch an den Albernheiten der beiden Kindsköpfe, die bisweilen nicht nur wie Schmetterlinge abheben, sondern sich auch gegenseitig auf den Arm nehmen.

Das wird auch in München so sein, wo sie fünfmal die Olympiahalle ausverkaufen werden. Gerade sind sie auf der Verlängerung ihrer „Diamonds“-Best-of-Tour zurück.  Bevor sie im Dezember ihre neue Tour „Wonderworld – Aufbruch ins Unmögliche“ starten, wollen sie am 13. Juni im Frankfurter Fußballstadion fünf Weltrekorde brechen. „Hammer!“, würde Chris mit Fistelstimme Stimme dazu sagen. Jedenfalls wollen sie sich in einer Nummer, an der sie sieben Jahre lang tüftelten, von einem „KI Monster“, einem riesigen Roboter, durchbohren lassen.

Ob Kinder da nicht besser wegschauen? Jedenfalls waren die Ehrlichs die richtigen Gastgeber für „Magic Moves“. Zwei Wochen lang luden sie die zehn Kinder auf Burg Rabenstein in Franken ein. Da machte man Sport (das dem Hogwarts-Spiel Quidditch nachempfundene Quadball), heckte Streiche aus und übte Tricks für Auftritte ein. „In der Zauberkunst ist das Wichtigste die Präsentation“, sagte Chris einmal, als er am Tisch mit den Kindern die richtige Karte in einem Set „erschnüffelte“, „aber da ist der eigentliche Trick längst gelaufen“.

Die Ehrlich Brothers biegen Stahlschienen wie Gummi – oder lassen Gummi wie Stahl aussehen.
Die Ehrlich Brothers biegen Stahlschienen wie Gummi – oder lassen Gummi wie Stahl aussehen. Ralph Larmann

Der Trick ist fürs Gehirn, die Geschichte dazu geht ins Herz – das haben Magier weltweit von David Copperfield gelernt. Jenem Großillusionisten-Kollegen, der ihren Erzählungen nach übrigens schon am Anfang ihrer Karriere anrief, um ihnen zwei Tricks „für einen hohen sechsstelligen Betrag“ abzukaufen. Auf Anraten ihres Vaters behielten sie sie, lassen also immer noch selbst einen ganzen Orangenbaum aus einer Frucht in den Himmel wachsen und lassen es in der Halle schneien.

Inzwischen sind sie selbst in den USA eine Riesennummer. 15 Termine hatten sie 2025 in Amerika, sogar in Las Vegas wie einst ihre Vorbilder Siegfried und Roy. Wobei sie sich ein wenig verkleinern mussten, sie reisten mit sechs statt wie hierzulande 40 Trucks, spielten eher in Theatern. Aber sie kamen groß an: Man empfing sie mit „Amerika Loves You“-Plakaten und in US-Talkshows. Das deutsche Fernsehen hat sie begleitet. Drei Folgen lang kann man sie auf ihrer „Road to Las Vegas“ begleiten (in der ZDF-Mediathek).

Die Meistermagier sind ja vor allem auch Medien-Zauberer, lassen von „Das Supertalent“ über „1, 2 oder 3“ bis „Schlag den Star“ (ihre gewonnenen 100 000 Euro spendeten sie an ihre Stiftung, die „Magic Moves“ unterstützt) nichts aus.  So eine Präsenz haben sonst nur „Siegfried & Joy“, die Zauberflöten, die fröhlichen Dilettanten mit ihrem goldenen Verschwindibus-Tuch, die über die Social-Media-Kanäle Millionen Fans in aller Welt und auch das Herz von David Copperfield erobert haben (mit ihrer Show „Las Vegas in München gastieren sie von 19. bis 21. September im Circus Krone).

Sie nehmen sich auf den Arm und heben gelegentlich ab: Chris (links) und Andreas Ehrlich.
Sie nehmen sich auf den Arm und heben gelegentlich ab: Chris (links) und Andreas Ehrlich. Ralph Larmann

So unterschiedlich die Ansätze von Siegfried & Joy und Chris & Andreas sind, so ähnlich ist ihr Ziel: den Menschen im Alltag ein Lächeln ins Gesicht zaubern – tricksen mit Herz. Bei den zehn Kindern hat es gewirkt, wie man zuerst in mehreren Folgen auf dem Sender Kika sah und jetzt auch in der ZDF-Reihe „37º“ in der Folge „Mut durch Magie“. Darin resümiert die betreuende Oberärztin der Kinderneurologie Michaela Bonfert, dass die Kinder nun „viel mehr Alltagsaktivitäten beidhändig“ und „müheloser“ ausführen könnten. Das Ergebnis übersteigt sogar die Hoffnungen der Ärzte: „Dass jedes Kind so über sich hinausgewachsen ist, hätten wir uns niemals vorstellen können.“

Ehrlich Brothers, Olympiahalle München, 27. Februar bis 1. März, Freitag 20 Uhr, Samstag 14 und 19 Uhr, Sonntag 11 und 16.30 Uhr

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