Auszeichnung:Fünf neue Ehrenbürger für München

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Auszeichnung: Bald neue Ehrenbürgerin der Stadt München? Doris Dörrie.

Bald neue Ehrenbürgerin der Stadt München? Doris Dörrie.

(Foto: Jens Kalaene/dpa)

Neben der Filmregisseurin Doris Dörrie und dem NS-Zeitzeugen Ernst Grube soll auch die Vorsitzende der Münchner Tafel, Hannelore Kiethe, geehrt werden. Bislang erhielten nur wenige Frauen die Auszeichnung.

Von Ulrike Steinbacher

Was haben Charlotte Knobloch, Philipp Lahm und Franz Herzog von Bayern gemeinsam? Genau: Sie alle gehören zum kleinen, feinen Kreis der Münchner Ehrenbürger. An diesem Mittwoch entscheidet der Stadtrat in nichtöffentlicher Sitzung über die Vergabe der Auszeichnung an fünf weitere Menschen, die sich besonders um das Wohl der Stadt verdient gemacht haben. Vorgeschlagen hat der Ältestenrat des Stadtrats Hannelore Kiethe, die Mitgründerin und Vorsitzende der Münchner Tafel, die Filmregisseurin Doris Dörrie, den NS-Verfolgten und Zeitzeugen Ernst Grube und die beiden CSU-Kommunalpolitiker Walter Zöller und Hans Podiuk.

Auszeichnung: Hannelore Kiethe - hier mit Axel Schweiger, Leiter der Ausgabestelle Pasing, auf der Vorschlagsliste.

Hannelore Kiethe - hier mit Axel Schweiger, Leiter der Ausgabestelle Pasing, auf der Vorschlagsliste.

(Foto: Catherina Hess)

Hannelore Kiethe, 78, kann die neue Würde neben dem bayerischen Verdienstorden einreihen, der ihr vergangenes Jahr verliehen wurde. Seit 1994 ist sie im Einsatz für die Versorgung von Menschen, die auf kostenlose Lebensmittel angewiesen sind. Die Münchner Tafel betreibt inzwischen 28 Ausgabestellen in der Stadt, die beiden neuesten in Pasing und dem Hasenbergl. Etwa 700 freiwillige Helfer versorgen jede Woche rund 22 000 Tafelgäste.

Auch Doris Dörrie hat ein Regal voller Auszeichnungen. Münchnerin ist sie seit 1975. Da kam sie zum Studieren in die Stadt, an eben die Hochschule für Fernsehen und Film, an die sie 22 Jahre später als Professorin für Angewandte Dramaturgie und Stoffentwicklung berufen wurde. In ihrer Studentenzeit schrieb sie nebenbei Filmkritiken für die Süddeutsche Zeitung. Berühmt wurde Doris Dörrie mit den Komödien "Männer" und "Ich und er". Heute gilt die 67-Jährige als Deutschlands erfolgreichste Filmemacherin.

Auszeichnung: Auch der Zeitzeuge Ernst Grube soll ausgezeichnet werden.

Auch der Zeitzeuge Ernst Grube soll ausgezeichnet werden.

(Foto: Toni Heigl)

Ernst Grube hat die Erinnerung an die NS-Zeit zu seinem Lebensthema gemacht. Der Holocaust-Überlebende will, "dass die Jugendlichen wissen, was damals passiert ist". Bis heute spricht der 89-Jährige mit Schulklassen und Jugendgruppen über die Gräuel der Nazi-Herrschaft. Grube war Anfang 1945 mit Mutter und Geschwistern nach Theresienstadt deportiert worden. Er ist Präsident der Lagergemeinschaft Dachau, Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung Bayerische Gedenkstätten und gehört dem politischen Beirat des NS-Dokumentationszentrums München an.

Bisher sind nur sieben Frauen unter den 61 Ehrenbürgern

Walter Zöller, 82, vertrat 48 Jahre lang, von 1972 bis 2020, die CSU im Münchner Stadtrat. Der geschickte Stratege wurde "schwarzer Riese" und "heimlicher OB" genannt, weil es ihm Ende der Achtzigerjahre gelang, Mehrheiten jenseits der SPD zu organisieren.

Auszeichnung: Ehrenbürger sollen außerdem Walter Zöller...

Ehrenbürger sollen außerdem Walter Zöller...

(Foto: Robert Haas)
Auszeichnung: ... und Hans Podiuk werden. Beide Politiker sind von der CSU.

... und Hans Podiuk werden. Beide Politiker sind von der CSU.

(Foto: Stephan Rumpf)

Hans Podiuk, 76, zog eine Wahlperiode später als Zöller in den Stadtrat ein, gehörte ihm aber ebenfalls bis 2020 an. Von 1995 bis 2006 war er Fraktionsvorsitzender der CSU.

Bestätigt der Stadtrat am Mittwoch die fünf Kandidaten, dann dürfen sie künftig kostenlos Tram und U-Bahn fahren und den Saal im Alten Rathaus nutzen. Andere Rechte und Pflichten sind mit der Ehrenbürger-Würde nicht verbunden. Aber für die Frauenquote würde das Quintett etwas tun: Bisher sind unter den 61 Würdenträgern, von denen 13 noch leben, nur sieben Frauen. FDP-Politikerin Hildegard Hamm-Brücher machte 1995 den Anfang, zuletzt kam im März die ehemalige SPD-Bürgermeisterin Christine Strobl dazu.

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