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Eggarten-Gelände:So soll das neue "Modellquartier" aussehen

Siedlung Eggarten

Extralob der Juroren gab's für den möglichst großzügigen Erhalt des Baumbestandes im Siegerentwurf. Simulation: Studio Wessendorf/Loidl Landschaftsarchitekten

Bis zu 2000 Wohnungen sollen auf dem Eggarten-Gelände entstehen. Der Siegerentwurf des Architektenwettbewerbs vermittelt erste Eindrücke, was die Bewohner hier erwarten wird.

Von Sebastian Krass, Lerchenau

Den Slogan vom "Modellquartier für genossenschaftlichen Wohnungsbau, Mobilität, Energie und Klimaschutz" tragen die Investoren für die Bebauung des Eggarten-Geländes schon seit geraumer Zeit vor sich her. Nun kann man sich ein etwas konkreteres Bild davon machen, wie das zwischen der Güterzugstrecke Nordring und dem Lerchenauer See gelegene Quartier mit seinen bis zu 2000 Wohnungen für etwa 5000 Bewohnerinnen und Bewohner einmal aussehen soll - und wozu die Bauherren, die Büschl Unternehmensgruppe und CA Immo, gemeinsam mit der Genossenschaftlichen Immobilienagentur (Gima) sich verpflichten.

Am Mittwochabend haben sie mit einer Vertreterin der Stadt das Ergebnis des städtebaulichen und landschaftsplanerischen Wettbewerbs vorgestellt. Gewonnen hat das Studio Wessendorf und Atelier Loidl Landschaftsarchitekten aus Berlin. Ihr Entwurf soll zur Grundlage für den Bebauungsplan werden - ein Überblick über verschiedene Aspekte des geplanten Quartiers.

Siedlung Eggarten

Die Bauarbeiten sollen im Jahr 2023 beginnen und die ersten Häuser 2025 bezogen werden. Studio Wessendorf/Loidl Landschaftsarchitekten

Wohnen und Arbeiten: Bis zu 1000 Genossenschaftswohnungen sollen im Eggarten entstehen, darauf haben sich die Büschl-Gruppe und CA Immo mit der Gima, einer Dachorganisation der Münchner Genossenschaften, geeinigt. Die Genossenschaften verpflichten sich für den geförderten und preisgedämpften Wohnungsbau zu 40 bis 60 Jahren Bindungsfrist statt der vorgeschriebenen 25 bis 40 Jahre. Man muss sich aber keine Sorgen machen um die privaten Investoren. Die Büschl-Gruppe und CA Immo werden mit den frei finanzierten Wohnungen immer noch gutes Geld verdienen. Ralf Büschl kündigte an, die Hälfte der auf ihn entfallenden Wohnungen im Bestand zu behalten und zu vermieten. Ein wichtiger Aspekt im Quartier soll sein, dass die Erdgeschosszonen mit Geschäften, Gastronomie und Büros belegt werden und somit auch tagsüber Leben im Viertel ist. Der Siegerentwurf lasse es "glaubwürdig" erscheinen, dass das Konzept funktioniert, so das Preisgericht. In manch anderem Neubauquartier stehen Erdgeschossflächen leer, weil die Bewirtschaftung sich nicht lohnt. Das soll im Eggarten nicht passieren.

Verkehr: Das Quartier soll im Inneren so autoarm wie möglich werden. Deshalb sind keine festen Parkplätze im Straßenraum eingeplant. Stattdessen sollen die etwa 1300 Parkplätze in drei teils ober- und teils unterirdischen Quartiersgaragen entstehen. "So wird jedes Auto gleich am Eingang zum Quartier abgefangen", sagt Gima-Vorstand Christian Stupka. Er erzählte auf der Pressekonferenz, wie Bauherr Ralf Büschl ihn skeptisch gefragt habe, wie die Leute abends mit Kindern die 300 Metern von der Garage bis zur Wohnung kommen. Stupkas Antwort: "Vielleicht steigt man in die autonome Bimmelbahn, die wird es doch in sieben Jahren geben." Stupka sprach auch davon, dass der Verkehrsraum komplett als "shared space" organisiert werden könne, also ohne Trennung in Fußweg, Radweg und Straße. Ob das möglich sei, müsse man prüfen, wandte Sabine Steger vom Planungsreferat ein.

Klimaschutz: Die Energie, die im Quartier verbraucht wird, soll auch im Quartier erzeugt werden, so der Anspruch der Stadt an das Projekt. Man habe versucht, die Häuser so anzuordnen, dass sie jeweils möglichst viel Sonne abbekommen und somit über Photovoltaik Strom erzeugen können, erklärt Architekt Wessendorf. Die Energiebilanz sei überzeugend, urteilte das Preisgericht. In den Bereichen Klimaökologie und Immissionsschutz müsse der Entwurf aber noch überarbeitet werden.

Städtebau und Architektur: Das Preisgericht unter Leitung von Markus Allmann lobt "die einfache städtebauliche Struktur" mit "sich verzahnenden Blöcken". In der Auslobung war ein Hektar großer zentraler Park gefordert. Das haben die siegreichen Architekten ignoriert, sie haben die große Grünfläche stattdessen an den Rand entlang der Bahnlinie verlegt und im Zentrum kleinteilige Quartiersplätze vorgesehen. Für die Bebauung sehen sie drei Hochpunkte mit zwölf Geschossen und etwa 40 Metern vor. Noch offen ist die Frage, ob es für die einzelnen Baufelder jeweils Architektenwettbewerbe geben wird. Ja, findet Sabine Steger von der Stadt. Nein, findet Investor Büschl, das koste viel Zeit. Er würde einen Gestaltungsbeirat bevorzugen, der jeweils einen Architektenentwurf pro Baufeld prüft und optimiert. Wer sich durchsetzt oder ob es eine Kompromisslösung gibt, ist noch Verhandlungssache.

Was vom Eggarten bleibt: Lob erfuhr der Siegerentwurf auch für seinen Umgang mit dem Bestand der Kleingartenkolonie. Beim Erhalt des Baumbestandes habe die Arbeit von Wessendorf und Loidl den zweitbesten Wert im Wettbewerb gehabt, sagte Sabine Steger. "58 Prozent bleiben erhalten." Außerdem ist vorgesehen, drei Gebäude zu erhalten. Eines könnte zum Schulkiosk werden. Eines soll Teil eines Biergartens werden, den sich Nachbarn des Eggartens in der Bürgerbeteiligung gewünscht hätten, so Rüdiger Kühnle von CA Immo. "Und in einem Haus könnten Gästeapartments für das genossenschaftliche Wohnprojekt entstehen."

Zeitplan: Falls das Bebauungsplanverfahren zügig über die Bühne geht, könnten, so die Hoffnung von Investor Büschl, die Bauarbeiten im Jahr 2023 beginnen und die ersten Häuser 2025 bezogen werden. Der letzte Bauabschnitt könnte dann 2027 fertig werden.

Alle Wettbewerbsarbeiten sind bis 9. August im "Isar-Forum" auf der Museumsinsel ausgestellt, täglich 12 bis 20 Uhr. Zudem gibt es moderierte Themenabende: "Grünräume, Artenvielfalt, Energieeffizienz" am 29. Juli, "Miteinander, Nachbarschaft, kurze Wege - so wird ein Wohngebiet zum lebendigen Quartier" am 30. Juli und "Neue Mobilität, weniger Verkehr, kurze Wege - die Stadt nach dem Auto" am 5. August. Beginn jeweils um 19 Uhr. Anmeldung unter www.eggarten-siedlung.de

© SZ vom 24.07.2020/vewo
Siedlung Eggarten

Jury-Entscheidung
:So soll das neue Quartier Eggarten bebaut werden

Der Siegerentwurf für das 21 Hektar große Areal in der Lerchenau steht fest. 2000 Wohnungen könnten entstehen - es wäre es das größte genossenschaftliche Projekt seit dem Zweiten Weltkrieg.

Von Sebastian Krass

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