München war Anfang der Siebziger vieles: wohlhabend, selbstbewusst, gern auch ein bisschen überzeugt von sich selbst. Eine kulinarische Weltstadt aber war es nicht. Haute Cuisine, kompromisslos beim Produkt und präzise im Handwerk – das musste man dieser Stadt erst einmal zumuten. Genau das taten Fritz Eichbauer und Eckart Witzigmann.
Eichbauer, der Gründer des Tantris, wollte die Stadt kulinarisch auf ein anderes Niveau heben. Dafür ließ er an der Johann-Fichte-Straße diesen bis heute erstaunlichen Bau errichten, orange, rot, samtig, futuristisch und theatralisch zugleich. Witzigmann füllte ihn von 1971 an mit einer Küche, wie man sie in Deutschland damals kaum kannte: französisch geschult, klar in der Form, frei von allem, was nur Dekoration war.
Am 4. Juli ist Witzigmann 85 Jahre alt geworden, und das Tantris DNA feiert ihn mit einem Menü, das seine Klassiker an ihren Ursprungsort zurückholt. Benjamin Chmura und Chef-Pâtissière Emma Betti haben es entworfen, Witzigmann hat die Gänge mit ausgewählt.
Persönlich wird er dafür nicht noch einmal groß auftreten. Er sei im Ruhestand und wolle diesen auch genießen, sagt Witzigmann, und das passt zu einem, bei dem die große Bühne nie Selbstzweck war. Entscheidend für ihn war nur eines: das, was auf den Tellern landet.

Das sind im Tantris nun Rote-Bete-Gelee mit Crème fraîche und Kaviar, bretonischer Hummer mit Artischocken und Bohnen, Rotbarbe mit Kalamartatar, Rehnüsschen „Belle Alliance“ und zum Schluss Erdbeer-Rosette und Rhabarber-Soufflé. Fünf Gänge, 220 Euro, mittags und abends auf Vorbestellung im Tantris DNA zu haben.
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Dass sich Fine Dining auch die Alte Brennerei in Pullach auf die Fahnen schreibt, dürfte sich längst herumgesprochen haben. Mittlerweile hat das Gourmetrestaurant aber auch „Fine Lunching“ für die ganze Familie für sich entdeckt. Zumindest neuerdings immer am Samstagmittag von 12 bis 15 Uhr. Auf der Karte stehen Gerichte wie Ceviche vom Zander (18 Euro), Kalbstatar (21 Euro) oder auch Cordon bleu mit Kartoffel-Gurkensalat und Preiselbeeren (27 Euro). Und auch am Freitagmittag wartet das Lokal mit etwas Besonderem auf: einer Spanferkelsemmel mit Bratensoße zum Dippen direkt aus dem Küchenfenster (9,50 Euro).

Nach Fine Dining und Fine Lunching darf Fine Drinking nicht fehlen. Zum Beispiel im Werksviertel, in der Fitzroy-Bar (geöffnet sonntags bis donnerstags bis 1 Uhr nachts, freitags und samstags bis 2 Uhr), also dort, wo München plötzlich sehr gern nach oben schaut. Die Bar liegt im 14. Stock, die Rooftop Terrace noch eine Etage höher. Es gibt Live-Musik, DJs, Blick über die Stadt und, was in diesem Sommer fast wie eine eigene Attraktion klingt, eine klimatisierte Bar, in der Meron Engelberg und sein Team eine neue Barkarte aufgelegt haben. Die Drinks tragen Namen wie „Crazy Coala“ (17 Euro) und „Wild Wombat“ (14 Euro), was man mögen muss, aber immerhin konsequent zum australisch angehauchten Selbstbild des Hauses passt. Interessanter als die Namen ist das, was dahintersteckt: hausgemachte Sirupe, aromatisierte Spirituosen, eigene Mischungen. Der „Crazy Coala“ arbeitet mit Rum, Overproof Rum, Eukalyptussirup, Limette und Mango-Ginger-Beer. Der alkoholfreie „Wild Wombat“ setzt auf Rhabarber, Limette, Grenadine und Beeren.
Womit man auch schon wieder im Tantris landet. Nicht nur wegen fein ausgesuchter Produkte und Witzigmann. Sondern auch, weil dort gerade Noris F. Conrad mit dem Michelin Sommelier Award 2026 ausgezeichnet wurde. Wein, so sagt er, bedeute im Tantris für ihn „Verantwortung gegenüber der Geschichte dieses Hauses“ und zugleich „Dialog zwischen Klassik und heute“. Deshalb begleitet er auch das Witzigmann-Menü mit speziellen Weinen, die „diese klassische Küche heute lebendig wirken lassen“. Schöner kann man es wahrscheinlich nicht beschreiben, um was es derzeit im Tantris geht: Mit Witzigmann die Vergangenheit feiern und beweisen, dass diese nicht museal wirken muss – weil sie immer wieder neu eingeschenkt wird.

