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Filmpremiere "Leberkäsjunkie":Ein derbes Weibsbild im Eberhofer-Universum

Sebastian Bezzel und Eva Mattes bei der Filmpremiere des Eberhofer-Krimis Leberkäsjunkie im Mathäser Kino in München.

Sebastian Bezzel und Eva Mattes bei der Filmpremiere im Mathäser-Filmpalast

(Foto: Stephan Rumpf)

Die Premiere eines Eberhofer-Krimis kann man mit einem Ferienlager vergleichen: Jedes Jahr im August geht es wieder los und es passiert Altbekanntes. Aber diesmal kommt die Mooshammerin ins Spiel.

Es gibt genaue Vorschriften, wie viel Kohlenhydrate, Kalium und Cholesterin im Leberkäs enthalten sein darf, doch leider interessiert das keine Sau. Außer vielleicht das Schwein selbst, aber das ist eine andere Geschichte. Am allerwenigsten interessiert sich der Eberhofer Franz für solche Schweinereien, als niederbayerischer Dorfpolizist, notorischer Wirtshaushocker und Hardrock-Papa hat er wirklich andere Sorgen. Zentimeterdick lässt er sich die Leberkässcheiben beim Metzger seines Vertrauens herunterschneiden, am besten gleich zum Frühstück. Mittags, abends und als kleine Zwischenmahlzeit natürlich auch. Und weil seine Liebe zum Leberkäs so groß ist, verziert er ihn oft vor dem Verzehr noch mit Senfherzen.

Die Fans vom Franz wissen das, er macht das ja immer so. Überhaupt macht dieser Genuss-Gendarm immer mehr immer so - das ist wohl auch sein Erfolgsgeheimnis. Zu sehen ist das am Montagabend im Mathäser-Filmpalast, bei der Premiere des sechsten Eberhofer-Krimis, der eigentlich so ist wie immer und trotzdem so viele Zuschauer anzieht wie nie zuvor: Mehr als zweitausend Menschen verteilen sich in insgesamt fünf Kinosälen. Sie wollen sehen, wie der Franz an einer Brandleiche schnuppert, dabei an einen Schweinebraten denkt und zum "Leberkäsjunkie" wird. Wie ihm der Doktor (gespielt von Stefan Betz, der auch das Drehbuch geschrieben hat) sagt, dass sein Lieblingsessen "pures Gift" sei. Und wie ihm sein Kriminalerkumpel Rudi am Ende sogar noch vom Heilfasten vorschwärmt: "Meine Seele leuchtet von innen."

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Kulinarische Erleuchtung verspricht auch das Treiben auf dem roten Teppich im Kino, vor dem sich die Fotografen erst einmal stärken sollen (mit Leberkäs natürlich), bevor sie sich ihre Finger wundknipsen dürfen. Die Eberhofer-Premieren kann man ja mittlerweile mit einer Art Ferienlager vergleichen: Jedes Jahr im August geht es wieder von vorne los, jedes Jahr wollen noch mehr Teilnehmer dabei sein. In der Endabrechnung sieht das dann folgendermaßen aus: "Schweinskopf al dente" sahen 2016 knapp sechshunderttausend Menschen, zu "Grießnockerlaffäre" kamen 2017 mehr als achthunderttausend, während "Sauerkrautkoma" im vergangenen Jahr sogar die Millionenmarke erreichte. Damit diese Erfolgswelle nicht abreißt und das Ferienlager weiter wächst, bringt der Constantin-Filmverleih den neuen Film zum Bundesstart am 1. August auch außerhalb Bayerns in die Kinos.

Aber zurück auf den Teppich: Sebastian Bezzel (Franz) und Simon Schwarz (Rudi) sind die Stars der Reihe, ihre Seelen leuchten am hellsten, zumindest lässt das Geblitze um sie herum genau das vermuten. Aber sie sind nicht allein, vertraute Gesichter wie Lisa Maria Potthoff (die Franz' On-und-off-Freundin Susi spielt), Eisi Gulp (Papa) oder Enzi Fuchs (Oma) stehen natürlich ebenso im Scheinwerferlicht. Auch die Romanautorin und Eberhofer-Erfinderin Rita Falk, die Produzentin Kerstin Schmidbauer und der Regisseur Ed Herzog kennen das Prozedere seit Beginn der Reihe. Selbst für Filmhund Ludwig, der eigentlich Joker heißt, ist die Premiere mittlerweile business as usual, er setzt Jahr für Jahr einfach einen noch treueren Hundeblick auf.

Da die Zuschauer zwar immer wieder das Gleiche, aber dann doch nicht dasselbe sehen wollen, ist es mit ein paar Stars auf dem Teppich nicht getan. Hier kommt die Mooshammerin ins Spiel: Das derbe Weibsbild ist neu im Eberhofer-Universum, sie schreit gerne herum und nennt das Therapie, bei ihr im Haus findet sich auch die bereits erwähnte Brandleiche. Also zieht sie auf den Eberhofer-Hof, macht alle ganz verrückt und treibt Franz' Cholesterinspiegel in ungeahnte Höhen. Gespielt wird diese Femme furieuse von Eva Mattes, die mit sichtbar viel Spaß bei der Sache ist.

Im Interview zwei Stunden vor der Premiere erzählt sie von ihrer Freundschaft zu Sebastian Bezzel, der ja zwölf Jahre lang ihr Kommissarskollege im "Tatort" aus Konstanz war. Auch Ed Herzog hat sie bei dieser Arbeit kennengelernt. "Ich habe zu ihnen gesagt: Hey, kann ich da jetzt endlich auch mal mitspielen?" Als die Rolle der Liesl Mooshammer zu besetzen war, wusste der Regisseur auch gleich, wen er dafür haben wollte. Für Mattes, die in Tegernsee geboren ist, die meiste Zeit ihres Lebens aber in Hamburg und Berlin verbracht hat, ist diese Rolle auch eine Rückkehr zu ihren bayerischen Wurzeln. Angst, dabei schlecht auszusehen, hatte sie keine. Im Gegenteil: "Ich weiß doch, dass ich schön bin", sagt sie und lacht. "Außerdem ist Schönsein im Film viel anstrengender, als wenn man sich hässlich macht." Das findet sie selbst urkomisch und lacht noch mehr, während des Interviews, auf dem roten Teppich und beim Schlussapplaus natürlich auch. Und später auf der Premierenparty gönnt sie sich eine Leberkässemmel.

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