DrogenpolitikGrüne fordern Drug-Checking-Modellprojekt

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Was steckt im Pulver? Um den Konsum sicherer zu machen, plädieren die Grünen für die Möglichkeit, Drogen auf Verunreinigungen prüfen zu lassen.
Was steckt im Pulver? Um den Konsum sicherer zu machen, plädieren die Grünen für die Möglichkeit, Drogen auf Verunreinigungen prüfen zu lassen. Christian Charisius/dpa

In Berlin können Konsumentinnen und Konsumenten Drogen seit zwei Jahren auf Verunreinigungen testen lassen. Die Grünen wollen das nun auch in München ermöglichen.

Von Linus Freymark

In München soll es nach Berliner Vorbild ein Modellprojekt für Drug Checking geben. Das zumindest fordern Grüne, Rosa Liste und Volt in einem gemeinsamen Antrag im Stadtrat. Die Stadt solle sich beim Freistaat für die rechtlichen Grundlagen einsetzen, der Modellversuch soll ein gemeinsames Projekt von Gesundheitsreferat, städtischen Fachstellen und Suchthilfe-Trägern werden.

Unter den Parteien gibt seit Längerem die Forderung nach Drug Checking in München. Aktueller Anlass für den Antrag ist ein SZ-Bericht, der die aktuelle Debatte in der Landeshauptstadt und das Drug-Checking-Projekt in Berlin beleuchtet hat. In der Hauptstadt können Konsumentinnen und Konsumenten ihre Drogen seit zwei Jahren kostenfrei auf Verunreinigungen oder Überdosierungen testen lassen. Erst kürzlich hat die Berliner Senatsverwaltung eine Zwischenbilanz gezogen und die Bedeutung von Drug Checking betont. Etwa die Hälfte aller Proben sei auffällig, hieß es.

Auch der Bundesdrogenbeauftragte Hendrik Streeck (CDU) hatte sich Ende August in einem Interview mit der Zeit für ein flächendeckendes Drug Checking in Deutschland ausgesprochen. „Drug Checking schützt Leben, weil dadurch weniger Drogen mit gefährlichen Beimischungen konsumiert werden“, so Streeck.

In München ist Drug Checking wie im restlichen Bayern bislang nicht möglich. Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU) begründet dies damit, dass das Angebot „keine hundertprozentige Sicherheit für Konsumierende“ garantiere. Stoffe, die Drogen für gewöhnlich untergemischt werden, könnten durch Drug Checking zwar erkannt werden. Das aber schließe „nicht aus, dass andere toxische Stoffe vorkommen, die gegebenenfalls nur mit einer zusätzlichen speziellen Analytik nachzuweisen wären.“ Gerlach setzt stattdessen auf Suchthilfe und Prävention, acht Millionen Euro hat der Freistaat in diesem Jahr in diese Bereiche investiert.

Für Grüne, Rosa Liste und Volt hingegen wäre Drug Checking ein integraler Bestandteil einer zielführenden Drogenpolitik. Es sei ein „erprobtes Instrument“, um Konsumenten vor unkalkulierbaren Risiken zu schützen, schreiben sie.

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SZ PlusVon Linus Freymark

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