Mit einer Drohne verbinden die Menschen im Moment kaum etwas Gutes, eher Krieg, Terror und Zerstörung. „Das Thema Drohnen ist derzeit nicht ausschließlich positiv besetzt“, weiß Münchens Kreisverwaltungsreferentin Hanna Sammüller. Auch aus diesem Grund will sie die Bewohnerinnen und Bewohner von Stadt und Landkreis beruhigen, dass keine Gefahr droht, wenn sie zeitnah rot-gelbe Flugobjekte am Himmel sehen sollten, im Gegenteil: Wenn die Feuerwehr-Drohnen durch die Luft schwirren, tun sie das zur Gefahrenabwehr und zur Rettung von Menschenleben.
Seit Dezember läuft ein Pilotprojekt der Münchner Feuerwehr, in dem sie ein ferngesteuertes Drohnensystem als Hilfsmittel für ihre Einsätze testet. Vom „größten automatisierten Drohnenbetrieb, der derzeit in Deutschland läuft“, spricht Sammüller. In den Feuerwachen 4 in Schwabing und 5 in Ramersdorf sind entsprechende Flugobjekte stationiert, die nach einer Alarmierung innerhalb von Sekunden aufsteigen und zum Einsatzort düsen. Von dort senden sie hochauflösende Aufnahmen sowohl in die Leitzentrale als auch in die anfahrenden Feuerwehrautos. So können sich die Einsatzkräfte schon unterwegs ein Bild von ihren Aufgaben machen.
Nun wird das Projekt auch auf den Landkreis ausgeweitet: Seit Donnerstag ist eine weitere Drohne auf dem Dach des Feuerwehrhauses in Heimstetten startklar. Bei einer Pressekonferenz in der Schwabinger Feuerwache sprach Landrat Christoph Göbel von einer „grenzüberschreitenden Zusammenarbeit“; im Ernstfall enden die Einsatzgebiete der Feuerwehren ja nicht an Gemeindegrenzen. Und dem Rettungszweckverband München gehören Stadt und Landkreis ohnehin gemeinsam an: Sammüller sitzt dem Verband vor, Göbel ist ihr Stellvertreter.
Nun machen sie also auch beim Drohnen-Projekt gemeinsame Sache. Nach den ersten Wochen und Monaten des Testens geht es jetzt um die Vernetzung der Leitstellen, damit diese gegebenenfalls gegenseitig auf Livestreams zurückgreifen können. In Heimstetten wird zudem erprobt, dass Daten und Informationen direkt bei der Erfassung in der Leitstelle über eine Verschlagwortung ins System übermittelt werden. Das wäre ein Schritt weniger als in München, wo der Einsatzsatzort nach einer Alarmierung derzeit noch manuell eingegeben werden muss.
Gesteuert werden die Fluggeräte momentan noch von Piloten aus Berlin, dort sitzt die Firma Skyflow, die diesen automatisierten Drohneneinsatz entwickelt hat. Seit Beginn des Projekts in München wurden die Drohnen bislang 29 Mal aktiviert, wie Kreisverwaltungsreferentin Sammüller berichtete: 18 Mal stiegen sie wegen eines Brandes auf, fünfmal wegen einer allgemeinen Lage-Erkundung, viermal wegen Verkehrsunfällen und je einmal für eine Personensuche und zur Unterstützung der Polizei.
Konkret ging es bei den Einsätzen beispielsweise um eine Vermisstensuche an der Isar, einen Brand an einem schwer zugänglichen und schwer einsehbaren Ort unterhalb der Brudermühlbrücke – oder auch um Dachstuhlbrände.
Anhand eines solchen präsentierte Projektleiter Christian Schnepf, der IT-Chef der Münchner Feuerwehr, Luftaufnahmen der Drohnenkameras, um zu demonstrieren, was auf den Bildern alles zu sehen ist und wie das der Einsatzplanung zugutekommt. Dabei kann der Bildschirm auch geteilt werden, um Aufnahmen der normalen Kamera und der integrierten Wärmebildkamera nebeneinanderzustellen.
Schnepf räumte aber ein, dass die Drohnen nicht immer hilfreich sein könnten: Bei einem Wohnungsbrand neulich in der Münchner Innenstadt, der zur Sperrung der Schwanthalerstraße führte, hätte die Drohne wegen des dichten Nebels keine brauchbaren Bilder liefern können und sei deshalb gar nicht erst eingesetzt worden. Skyflow-Geschäftsführer Daniel Hoppe wies am Donnerstag selbst noch einmal darauf hin, dass seine Drohnen bei bestimmten Wetterbedingungen an die Grenzen ihrer Fähigkeiten stoßen: Bei Gewitter, Starkregen, Nebel und auch Frost bleiben sie besser am Boden, um keinen Absturz zu riskieren.
Für jeden der drei Drohnenstandorte ist die Testphase mit sechs Monaten veranschlagt, danach werden die Erkenntnisse aus den Einsätzen ausgewertet und den kommunalpolitischen Gremien vorgelegt. Die müssen dann entscheiden, ob es bei einem einmaligen, zeitlich befristeten Projekt bleibt – oder ob das Drohnensystem auf Dauer angeschafft und in den Rettungsdienst integriert werden soll.
Die für das Pilotprojekt veranschlagten Kosten liegen in einem überschaubaren Rahmen. Der Münchner Projektleiter Schnepf spricht von einem „mittleren fünfstelligen Betrag“ für seine beiden Drohnen, der Kreisbrandrat Harald Stoiber von einem Kostenanteil in Höhe von etwa 24 000 Euro für den Landkreis.

