Ermittlungen in MünchenPatrone in der Post: Unbekannter schickt Drohbrief  an Israelitische Kultusgemeinde

Lesezeit: 2 Min.

Die Israelitische Kultusgemeinde hat ihren Sitz am Sankt-Jakobs-Platz.
Die Israelitische Kultusgemeinde hat ihren Sitz am Sankt-Jakobs-Platz. Florian Peljak
  • Die Israelitische Kultusgemeinde München erhielt am Donnerstagmittag einen Drohbrief mit einer scharfen Patrone und antisemitischen Morddrohungen.
  • Die Generalstaatsanwaltschaft München ermittelt wegen Bedrohung, eine akute Gefährdung der Gemeinde wird derzeit ausgeschlossen.
  • Politiker aller Parteien verurteilten die Tat scharf, die IKG erhält jährlich über 100 Drohbriefe.
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Das jüdische Gemeindezentrum erhält einen Umschlag mit scharfer Munition und einem antisemitischen Schreiben. Die Generalstaatsanwaltschaft ermittelt, Politiker im Stadtrat zeigen sich entsetzt.

Von Joachim Mölter und Thomas Radlmaier

Der Umschlag erreichte die Israelitische Kultusgemeinde München (IKG) am Donnerstagmittag gegen 12.15 Uhr. Äußerlich sah das, was da per Post am Sankt-Jakobs-Platz ankam, aus wie ein normales Briefkuvert. Doch nachdem der hauseigene Sicherheitsdienst den Umschlag – wie jede Sendung an die IKG – überprüft hatte, stand fest: Der Inhalt ist alles andere als normal. Im Kuvert befand sich eine Patrone, dazu ein antisemitischer Drohbrief. Darin heißt es unter anderem: „Jeder Jude wird jetzt sterben.“

Es ist eine antisemitische Tat, die in der Stadt Entsetzen hervorgerufen und Behörden alarmiert hat. Die Staatsanwaltschaft München I begann am Donnerstag mit ersten Ermittlungen „wegen Bedrohung“, wie ein Sprecher sagte. Am Freitag übernahm Oberstaatsanwalt Andreas Franck von der Generalstaatsanwaltschaft München den Fall. Der Jurist ist der zentrale Antisemitismusbeauftragte der bayerischen Justiz.

Die Polizei teilte mit, dass es sich bei der im Brief gefundenen Munition um eine „Patrone für Kurzwaffen“ handle, also für eine Pistole oder einen Revolver – und diese sei scharf gewesen. Zu den genauen Hintergründen der Tat, etwa zu möglichen Hinweisen auf den Absender des Umschlags, äußerte sie sich die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen nicht. Eine akute Bedrohung gegen die IKG könne man derzeit aber ausschließen, so eine Sprecherin.

Yehoshua Chmiel ist Vizepräsident der IKG. Er sagt, dass die jüdische Gemeinde im Jahr mehr als 100 Drohbriefe erhalte. Das sei eine „Normalität, die nicht normal sein sollte“. Doch die Kombination aus einem Drohbrief und einer Patrone sei eine erneute Steigerung. „Wir nehmen das sehr ernst. Es ist eine Alarmsituation.“ Der Geschäftsführer der IKG, Steven Guttmann, postete am Donnerstagabend ein Bild von dem Umschlag auf Instagram und kommentierte: „Jüdische Lebenswelten. Dinge, an die ich mich nicht gewöhnen kann.“

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Die Zahl antisemitischer Delikte liegt seit dem Überfall der Terrorgruppe Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 auf einem Rekordhoch. 2023 waren es allein in Bayern 589 antisemitische Straftaten, im Jahr darauf 579. Für 2025 liegen noch keine aktuellen Zahlen vor. Die Leiterin der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus in Bayern (Rias Bayern), Annette Seidel-Arpacı, sieht in der Patrone und dem Brief an die IKG „eine unverhohlene Morddrohung an die jüdische Bevölkerung“ in München. Dies sei ein „weiterer Höhepunkt antisemitischer Radikalisierung“.

Auch Ludwig Spaenle, der Beauftragte der Staatsregierung gegen Antisemitismus, verurteilte die Tat scharf. Diese sei „übel und menschenverachtend“. Er hoffe, „dass der Staatsschutz die Täter ausfindig machen kann, die Jüdinnen und Juden eine Gefährdung an Leib und Leben androhen und so zutiefst verängstigen“.

Auch Münchner Politiker und Politikerinnen aller Parteien reagierten mit Entsetzen auf die Bedrohung und erklärten sich solidarisch mit Jüdinnen und Juden in München. Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) sagte: „Solche Mordaufrufe gegen Münchnerinnen und Münchner sind wirklich widerlich.“ Der neue Vorfall zeige leider einmal mehr, „warum der Polizei und der Landeshauptstadt München der Schutz der jüdischen Einrichtungen so wichtig ist“.

Mona Fuchs, Sprecherin der Fraktion Grüne/Rosa Liste/Volt, sagte: „Judenhass beginnt mit Worten. Wie er endet, wissen all jene, die aus der Geschichte gelernt haben.“ Manuel Pretzl, CSU/FW-Fraktionsvorsitzender, sprach von einer „erschreckenden und widerwärtigen Tat“. Antisemitischer Hass dürfe niemals hingenommen werden.

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