Das Dreimühlenviertel wirkt an diesem sonnigen und heißen Pfingstferien-Nachmittag wie ausgestorben. Nur im Café „Coffee Twins“ genießen ein paar Mittdreißiger ihren Latte und eine Cola auf äußerst niedrigen Hockern im Schatten. Die Schanigärten in der Dreimühlenstraße sind noch verwaist und auch auf den Baustellen herrscht Stillstand. Nur ein Verkehrsüberwacher zieht einsam und gemächlich seine Kreise. „Nehmen Sie das ja nicht als Realität“, sagt Susanne Berner auf dem Gehsteig vor ihrem Atelier ganz im Süden des kleinen Viertels. In den Ferien komme das Dreimühlenviertel endlich etwas zur Ruhe. Aber nur kurz, so die 77-jährige Illustratorin, während sie in die menschenleere Straße blickt: „Wir sind hier ein Testlabor.“
Umgestaltung des DreimühlenviertelsWie ein Großstadtidyll unter Druck gerät
Lesezeit: 5 Min.

Im Dreimühlenviertel sind die Fassaden der Gründerzeit-Wohnbauten fein herausgeputzt, am mit Bäumen gesäumten Roecklplatz gibt es Cafés. Für viele ist das idyllisch.
Robert HaasFür viele ist das Dreimühlenviertel nahe der Isar ein Sehnsuchtsort, doch nun wächst der Unmut. Baustellen an fast jeder Ecke, Parkplätze weichen Schanigärten und Fahrradstellplätzen. Manche Anwohner klagen gar: „Wir sind hier ein Testlabor.“
Von Martin Mühlfenzl
