Dorothy DaybarAuf ein Rendezvous mit Dorothy Parker

Lesezeit: 2 Min.

Die meisten Gäste werden in der Dorothy Daybar eng nebeneinander am großen Tresen platziert.
Die meisten Gäste werden in der Dorothy Daybar eng nebeneinander am großen Tresen platziert. Robert Haas

In der Dorothy Daybar fühlt man sich zurückversetzt in die Zwanzigerjahre in New York. Tagsüber bekommt man hier Kaffee und Kuchen, kommen sollte man aber abends für die Drinks.

Von Sarah Maderer

Der Lieblingsdrink der US-amerikanischen Schriftstellerin und Literaturkritikerin Dorothy Parker soll der Martini gewesen sein – ein Cocktail so trocken wie ihr Humor. Nach klassischem Rezept besteht er hauptsächlich aus Gin. Womöglich hat das die Münchner Bartenderin Lydia Raaf-Dahaldian dazu inspiriert, ihre eigene Gin-Marke „Dorothy Gin“ nach Parker zu benennen.

Jener Gin war vor Jahren der Beginn der Zusammenarbeit zwischen Raaf-Dahaldian und Randolph Kunis, dem Betreiber des Spirituosengeschäfts Tara Spirits am Rindermarkt. Ende vergangenen Jahres haben die zwei auch eine gemeinsame Bar am Petersplatz eröffnet, die sie konsequenterweise Dorothy Daybar getauft haben. Wie schon der Name verrät, hat die Bar bereits tagsüber geöffnet und ist gerade zu dieser Zeit ein echter Zufluchtsort im Herzen der trubeligen Innenstadt, oder, wie Raaf-Dahaldian findet, ein Ort „zum Runterkommen und Weltschmerz-Entfliehen“.

Dunkle Beerentöne verleihen dem kleinen Gastraum Tiefe und Eleganz. Unter den zwei prächtigen Decken-Lüstern im Art-Déco-Stil fühlt man sich wie Dorothy Parker im New York der Zwanzigerjahre. Die meisten Gäste werden eng nebeneinander am großen Tresen platziert. Ein paar wenige finden aber in der Sitznische am Fenster Platz mit Blick auf die Peterskirche oder lehnen entlang der Wand an schmalen Polstern, wie man sie aus der U-Bahn kennt.

Am Tag kann man hier auch einfach bei einer Tasse Kaffee verweilen, der im hübschen Vintage-Geschirr serviert wird. Dazu gibt es selbst gebackene Kuchen, kleine Barsnacks und wechselnde Tagesgerichte. Die Expertise der Dorothy Daybar liegt aber klar auf den Cocktails. Raaf-Dahaldian hat das Mixen unter anderem in der Bar Zum Wolf und der Bar Gabányi gelernt. Für ihre erste eigene Bar hat sie zusammen mit Kunis einen beachtlichen Katalog aus hochwertigen Spirituosen und komplexen Eigenkreationen zusammengestellt.

Der „Dirty Dorothy“ ist eine hinreißende Interpretation des Martini Cocktails mit im Whisky-Fass gereiften „Dorothy Gin“, Wermut und Miso.
Der „Dirty Dorothy“ ist eine hinreißende Interpretation des Martini Cocktails mit im Whisky-Fass gereiften „Dorothy Gin“, Wermut und Miso. Robert Haas
Betreiberin und Bartenderin Lydia Raaf-Dahaldian und ihr Geschäftspartner Randolph Kunis.
Betreiberin und Bartenderin Lydia Raaf-Dahaldian und ihr Geschäftspartner Randolph Kunis. Robert Haas

Der „Dirty Dorothy“ (17 Euro) etwa ist eine hinreißende Interpretation des Martini Cocktails mit im Whisky-Fass gereiften „Dorothy Gin“, Wermut und Miso. Garniert wird der Drink mit einem Spieß mit einer Olive, einer Kaper und – Vorsicht! – einer sehr feurigen Chilischote. Wer es lieber süß mag, sollte den „Peggy Gou Milkpunch“ (17 Euro) mit Whisky, Amaretto und Pastis probieren. Der enthält Noten von Kaffee und Karamell und wird mit Orangenjoghurt geklärt.

Besonders gelungen sind auch die Cocktails, die wenig oder gar keinen Alkohol enthalten, etwa der „Maria Stuart“ (15 Euro) aus Tomate, Ingwer, Koriander und weißer Bete. Oder aber man lässt sich individuell beraten, denn das Bar-Team nimmt sich für jeden Gast Zeit und ist in seinem Handwerk so kreativ wie kompetent. Hier würde vermutlich selbst Dorothy Parker mal etwas anderes probieren als den immer gleichen Martini.

Dorothy Daybar, Petersplatz 10, 80331 München, Öffnungszeiten: Donnerstag bis Samstag sowie Montag 12 bis 24 Uhr, Sonntag 16 bis 24 Uhr, keine Reservierungen.

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