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Dok-Fest München:Die weite Welt im Wohnzimmer

The Art of Sin

Der Film "Art Of Sin" über das Coming-Out eines sudanesischen Künstlers.

(Foto: Dok-Fest München)

Wie schon vor einem Jahr geht das Münchner Dokumentarfilmfestival ausschließlich online über die Bühne. Die 131 Filme aus 43 Ländern sind mal anrührend, mal informativ, mal brisant.

Von Bernhard Blöchl

Corona-Edition, die zweite. Wer hätte das vor einem Jahr gedacht? Wie schon im Mai 2020 geht nun auch die neue Ausgabe des Münchner Dokumentarfilmfestivals als reine Online-Ausgabe über die Bühne. "Dok-Fest@Home", ein digitales Déjà-vu. Doch von Routine keine Spur. Bis in den März hinein hatten Daniel Sponsel und sein Team gehofft und gebangt, dass sich die geliebten Kinos irgendwie doch noch in diese 36. Ausgabe integrieren lassen würden.

Bis zuletzt hatte man an einer Hybridlösung gearbeitet, die sowohl Aufführungen im Kino, als auch Streaming für zuhause ermöglichen sollte. Aufgrund der Pandemie-Entwicklung und der Diskussion über die Notbremse stand dann aber fest: Die kuratierten 131 Dokumentarfilme aus 43 Ländern (Vorjahr: 121 Filme aus 42 Ländern) gibt es nur im Wohnzimmer zu sehen (auf Abruf und zur Wunschzeit, nur wenige Filme sind limitiert).

Großzügig angelegt von Mittwoch, 5., bis Sonntag, 23. Mai, bietet das Dok-Fest ein breites Spektrum an neuen Porträts und Langzeitbeobachtungen, an filmischen Essays und Reportagen, präsentiert in Reihen, die seit Jahren für Orientierung sorgen: "Dok international", "Dok deutsch", "Dok Education" und einige mehr. 90 Welt- oder Deutschlandpremieren sind dabei, darunter Ich habe in Moll geträumt, Ueli Meiers Künstlerporträt des Schweizer Autors Walter Rufer und seine Zeit in München. Die Eröffnung wird, wie 2020, aus dem leeren Deutschen Theater gestreamt. Gezeigt wird Daniel Sagers Journalismus-Studie Hinter den Schlagzeilen. Der Film begleitet SZ-Redakteure des Ressorts Investigative Recherche bei ihrer Arbeit, am Beispiel der sogenannten Ibiza-Affäre um den österreichischen Politiker Heinz-Christian Strache.

Von München und Wien geht es hinaus in die weite Welt, Produktionen kommen unter anderem aus Israel, Indien, China und Madagaskar. Gastland ist Kanada: In sieben Beiträgen geht es unter anderem um Gentrifizierung und Rassismus. Eine weitere Themenreihe widmet sich dem "Empowerment", also dem Kampf für Gleichberechtigung und Toleranz, gegen Korruption und Missbrauch (The Case You über sexuelle Gewalt beim Casting). Im Fokus stehen auch die Werke der tschechischen Regisseurin Helena Treštíková, der eine Hommage gewidmet ist, sowie Filme der Defa-Studios in der DDR.

Besucher können wählen zwischen Einzelticket und Festivalpass; die Dok-Fest-Partnerkinos werden wieder über einen Solidaritätsbeitrag an den Einnahmen beteiligt (jeder Besucher kann selbst entscheiden, ob er einen Euro extra gibt). Tägliche Filmgespräche (aus dem Silbersaal des Deutschen Theaters), ein neuer virtueller Begegnungsraum sowie die Preisverleihungen (erstmals auch für den besten Schnitt und serielles Erzählen) runden das Festival ab.

36. Dok-Fest München, Mi., 5., bis So., 23. Mai, Filmübersicht und Tickets unter dokfest-muenchen.de

© SZ vom 29.04.2021/van
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