DJ Rad.Lez im Münchner DNA ClubZehn Tracks für Venezuela

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Rad.Lez (oft „Nacho" genannt) ist ein in München ansässiger venezolanisch-spanischer DJ, Musikproduzent und Eventorganisator .
Rad.Lez (oft „Nacho" genannt) ist ein in München ansässiger venezolanisch-spanischer DJ, Musikproduzent und Eventorganisator . Kristoffer Schwetje - ks.artist

Als Jugendlicher flüchtete DJ Rad.Lez aus Venezuela. Warum er heute aus der Münchner Techno-Szene nicht mehr wegzudenken ist.

Von Sandra Langmann

Als Jugendlicher flüchtete DJ Rad.Lez mit seiner Familie aus Venezuela. Heute ist er vor allem aus der Münchner Techno-Szene nicht mehr wegzudenken und spielt „All Night Long“. José Ignacio Rada Lezama ist mehr als nur angekommen. Er macht in München genau das, was er liebt: Musik – wirklich rund um die Uhr. Als DJ Rad.Lez, als Kollektiv- und Labelgründer und Eventmanager. Dabei sah sein Start ganz anders aus. Als Jugendlicher floh er mit seiner Familie aus Venezuela nach Spanien und startete zuerst als Hotelmanager seine Karriere. Nun spielt er im DNA Club am 7. Februar sein zweites „All Night Long“.

Wenn Nacho – wie José vor allem genannt wird – an Venezuela denkt, dann geht da vieles durcheinander: Gesichter, Lachen, Gitarrenmusik, aber auch ein Pistolenlauf, der ihm als 15-Jähriger in den Mund gesteckt wird. Vielleicht sind es die Gegensätze und Emotionen, die starke Verbindung seiner Familie zum Land und die Sehnsucht, die Nacho in einer Novemberwoche im Vorjahr zehn Tracks produzieren lassen, die er nach venezolanischen Besonderheiten benennt. Nach dem Blitz „Catatumbo“, ein weltweit einzigartiges Wetterleuchten über dem Maracaibo-See; oder dem tropischen Hochgebirgs-Ökosystem „Paramo“. Tracks, die versöhnlich wirken.

Wie Nacho beschreibt, kommt er aus einer „klassischen Latino-Familie“. Er wird in eine Patchwork-Familie mit vier Geschwistern hineingeboren. Da ist ständig etwas los, mit vielen kreativen Köpfen, sein Papa spielt Gitarre, es wird viel getanzt. Und die Strukturen in der Familie sind ganz klar: Seine Mutter ist Direktorin eines Krankenhauses in Venezuela, sein Vater Hoteldirektor, einen solch bodenständigen Beruf wünschen sie sich auch für ihren Sohn. Das Beste für ihre Kinder wollend, die wachsende Bedrohung und Kriminalität im Land bringen die Familie dazu, nach Spanien zu gehen.

Nacho ist damals 15, sehr gut in der Schule, schließt dann die Universität ab und zieht 2013 für ein Praktikum nach München. In der Hotellerie arbeitet er sich mit 27 Jahren zum Hotelmanager hoch. „Und dann hatte ich eigentlich alles, was sich meine Eltern für mich wünschten: Geld, Erfolg, ein Auto.“ Doch es fühlt sich nicht wie sein Leben an. Eine Nacht im Club Harry Klein verändert dann alles. „Ich habe dort Boris Brejcha gesehen und dachte mir: Genau das will ich.“ Daraufhin geht er zur damaligen DJ-Schule VibrA, probiert viel aus und wird an den Palais Club vermittelt, wo er seinen ersten offiziellen Gig spielt.

Weiter geht’s mittwochs im Pimpernel, und mit jedem Gig wird es schwieriger – nachts legt Rad.Lez auf, morgens steht Nacho an der Rezeption. Er kündigt, und einen Monat später kommt Corona. In dieser Zeit bringt er sich das Produzieren bei und gründet gemeinsam mit Freunden das Kollektiv Team Turbo. „Das braucht es gerade in der Underground-Szene. Das macht es leichter, Partys und Bookings zu organisieren und an Bekanntheit zu gewinnen.“ Gemeinsam sind sie auf der Suche nach neuen Locations, organisieren die allererste Party im DNA Club, legen im Lieberscholli zum 1. Mai los. Nebenbei arbeitet Nacho am Empfang einer Arztpraxis, bis er 2023 vom Auflegen leben kann. Zum Kollektiv kam das Label Turbo hinzu und auch im Berliner Club Ritter Butzke ist er so gerne gesehen, dass er dieses Jahr an seinem Geburtstag auflegt.

Mit seinem Stil aus leichterem Psy-Techno, mit nicht zu schnellen BPM oder zu düsteren Elementen, sondern vielen Melodien, die er mit verschiedenen Genres mixt, hat er seinen eigenen Sound kreiert. „Als Produzent soll man sich schon sehr klar abgrenzen, um seinen Signature-Sound zu haben. Aber ich möchte meine Kreativität einfach rauslassen.“

Auch bei den zehn Tracks mit den venezolanischen Titeln schränkt er sich nicht ein, um den Menschen seine Seite von Venezuela zu zeigen. Die schöne, nicht die politische. Nacho hat die Sounds produziert, noch bevor Anfang Januar Trump Maduro von seinen Truppen festnehmen lässt. „Für meine Eltern gibt es nun eine Zukunft für das Land.“ Und auch Nacho hofft darauf, vielleicht doch irgendwann ein paar Ecken Venezuelas neu zu entdecken.

Doch erstmal stehen weitere Gigs für ihn an, so geht es mit Wanda Wild, JessRay und Violinistin Larissa All Night Long durchs DNA.

Rad.Lez, 7. Februar, 23 Uhr, DNA Club, Atelierstraße 14, München, Side-Quest | All Night Long | Rad.Lez & Friends

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