Der noch amtierende Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) hat seine vom FC Bayern für seine Tätigkeit im Verwaltungsbeirat erhaltene Vergütung gespendet. Jeweils 45 000 Euro gingen an die beiden Projekte „Mini-München“ und „Bunt kickt gut“. Damit hat Reiter sein Versprechen gehalten, das er im März im Zuge der Affäre um seine Ämter bei dem Fußballverein gegeben hatte.
Für seine Tätigkeit hatte er seit Ende 2021 insgesamt 90 000 Euro bekommen. Allerdings hatte er den Nebenjob nicht vom Stadtrat genehmigen lassen; dazu wäre er verpflichtet gewesen. Auch mit seiner Tätigkeit im Aufsichtsrat, in den er wenige Wochen vor der Kommunalwahl aufrückte, hatte er das Gremium nicht befasst. Die Vorgänge waren kurz vor der Wahl öffentlich geworden. Mittlerweile hat Reiter beide Ämter niedergelegt.
In einem gemeinsamen Beitrag auf der Plattform Instagram bedankten sich die Spielstadt „Mini-München“ und der Verein „Bunt kickt gut“ nun bei Reiter: Mit der erhaltenen Spende brächten die beiden Projekte noch mehr Kinder in Bewegung, schrieben sie. Reiters Anliegen, „herausragende Projekte zu fördern, die für Zusammenhalt, Integration und Demokratie stehen, fühlen wir uns verpflichtet“.
Unterdessen ist Reiter in dieser Woche weiterhin krankgeschrieben. Einige Tage nach der verlorenen Stichwahl am 22. März hatte er mitteilen lassen, dass er an einer „doch ernsthafteren Erkrankung am Herz-Kreislauf-System“ leide, die ihn „neben medikamentöser Behandlung zu längerfristiger Ruhe und Erholung“ zwinge.
Die Übergabe zwischen den Büros des amtierenden und des neu gewählten Oberbürgermeisters im Rathaus ist indes bereits in vollem Gange. Am 30. April endet die aktuelle Amtszeit. Einen Tag davor, am 29. April, wird der bisherige Stadtrat zu seiner letzten Vollversammlung zusammenkommen; ob Reiter an ihr teilnehmen wird, ist laut einer Sprecherin noch unklar.
Nach der Stichwahl war Reiters Instagram-Account deaktiviert worden. Er hatte diesen Kanal davor rege genutzt, um politische Entscheidungen zu verkünden. Anfang dieser Woche war das Konto wieder sichtbar, in der Beschreibung hieß es jedoch: „Dieser Account ist stillgelegt.“ Beiträge konnten nicht mehr eingesehen werden.
Dass der Account plötzlich wieder auftauchte, hängt laut einer Sprecherin Reiters damit zusammen, dass das Stadtarchiv die dort veröffentlichten Inhalte archiviert. Die sozialen Medien seien für Politiker „mittlerweile eine der bevorzugten Möglichkeiten, mit der Bevölkerung zu kommunizieren“, sagte der Leiter des Stadtarchivs, Daniel Baumann, der SZ. Wenn eines Tages die Geschichte von Reiters Amtszeit aufgearbeitet werde, so wie es zurzeit in einem Forschungsprojekt über die Ära Kronawitter geschehe, stelle ein solcher Account dafür einen wichtigen Baustein dar.
Bei Instagram war Reiter ungefähr seit 2018/19 aktiv. Archiviert wird nun auch seine Facebook-Seite, die er bereits seit seinem ersten Wahlkampf 2012 betrieb. Seit 2016 hat das Stadtarchiv ein digitales Archiv für diese Inhalte in Betrieb. Der Langzeiterhalt – also für die nächsten Hundert oder gar Tausend Jahre – werde dann noch eine größere Herausforderung darstellen, sagte Baumann. So müsse man Video- und Audioformate künftig immer in dann gültige Formate überführen.
Während an der Stadtspitze der Übergang vom alten auf den neuen Oberbürgermeister schon vorangetrieben wird, steht die Suche nach einer künftigen Stadtregierung noch fast am Anfang. Die Fraktion Grüne/Rosa Liste als stärkste Kraft spricht derzeit mit der SPD und Volt über die Fortsetzung des bisherigen Bündnisses. Allerdings geht es dabei noch nicht um Koalitionsverhandlungen, sondern um sogenannte Sondierungsgespräche.
Diese sollen klären, ob die drei Fraktionen eine Basis für eine gemeinsame Stadtregierung sehen. Sie begannen bereits am 2. April, doch auch nach der Osterpause scheint es zäh zu laufen. Ursprünglich hatte man mit einem Ergebnis Anfang dieser Woche gerechnet, doch am Dienstagnachmittag gab es nach Informationen der SZ noch keine Einigung. Die Gespräche sollen wohl in den kommenden Tagen fortgesetzt werden.

