Süddeutsche Zeitung

Konzert in der Olympiahalle:"Danke, Dieter!"

Nach 16 Jahren singt Pop-Senior Dieter Bohlen in der Olympiahalle wieder seine Hits von "Modern Talking" bis DSDS. Und sinniert darüber, wie viele Kinder wohl zu Modern-Talking-Songs gezeugt wurden.

Punkt 20 Uhr steht der Hohepriester der deutschen Plastik-Pop-Industrie mit seiner achtköpfigen Band auf der Bühne. "Hallo, ihr Schnuckelhasen" zur Begrüßung, dann "You Can Win If You Want". Die Stimmung in der Olympiahalle ist sofort da. 16 Jahre ist es her, dass Bohlen das letzte Mal in Deutschland auf der Bühne stand, damals noch mit Thomas Anders. Seine aktuelle Mega-Tour dreht sich jetzt allerdings ausschließlich um ihn und seine Nummer-Eins-Hits, von denen Bohlen doch so einige hat. Gut zwei Stunden arbeitet sich der Pop-Senior durch die Hits von Modern Talking, Blue System und seine Songs für ehemalige DSDS-Champions.

Garniert wird das Ganze mit Geschichtchen aus dem Leben eines Showbiz-Messias. Da kann das Publikum Kraft für den nächsten Ohrwurm sammeln - nach 35 Jahren Treue muss man auch mal im Sitzen verschnaufen -, und außerdem darf Bohlen über die Mysterien seines Lebens sinnieren. Wie viele Kinder wohl zu Modern-Talking-Songs gezeugt wurden und was der Unterschied zwischen Handy und Festnetz-Telefon ist, das sind Fragen, die Bohlen umtreiben. Als Doktor Bohlen verschreibt er der Olympiahalle eine Kollektivmassage, die er als heißen Entspannungstipp für die Weihnachtsfeiertage ausgibt.

Warum Rod Stewart eigentlich nie für "Midnight Lady" zur Verfügung stand, erzählt Bohlen schließlich auch noch und dass Chris Norman es dann gemacht hat, weil "der auch so eine rauchige Stimme hat". Bohlen hat die nicht, und gerade bei solchen Balladen wird das besonders deutlich. Aber dass er singen kann, hat Bohlen ja eh nie behauptet, also braucht ihm auch niemand einen Vorwurf zu machen. Und wenn es brenzlig wird, kann sich Bohlen sowieso auf seine starke Band verlassen, die das Gröbste geschickt überdeckt. Von seinem neuen Instagram-Account berichtet Bohlen gleich mehrmals und über eine Million Follower sind Grund genug, mit einem Song zu danken. Bei "Wir sind alle Meganer" singt die ganze Halle mit - am Ende sind alle im Recall. "Danke, Dieter!", schallt es gen Bühne.

Wer jetzt nach eineinhalb Stunden Familienparty mit Pool-Spielzeug und riesigem Trampolinbett verstohlen auf die Uhr blickt, weiß nicht, dass Bohlen noch lange nicht genug hat. Und spätestens wenn bei "Atlantic is Calling" die Pyro aus der Bühne züngelt, brennt die Hütte. Dann folgen sie, die ganz großen Modern-Talking-Hits. Zuerst "Cheri, Cheri Lady", sowohl in der Capital Bra-Version als auch im Originalfalsett, dann "Brother Louie". "Your My Heart, Your My Soul" gibt es als Zugabe, und bevor Bohlen zum Abschluss seine DSDS-Siegerhymne "We Have A Dream" intoniert, wird er noch einmal philosophisch: "Glaubt an euch". Denn bei ihm und seinen Songs habe es ja auch nicht sofort geklappt. Hallelujah!

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SZ vom 09.12.2019/baso
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