Strahlende Sonne, seit Tagen keine größere Wolke am Himmel: München strahlt im Sommerblau. Zumindest tagsüber. Wenn die Sonne sich senkt, legte sich dagegen in den vergangenen Tagen ein Schleier über die Stadt. Wo dieser herrührt?
Christian Plaß-Dülmer kennt den Grund: „Wir beobachten seit einigen Tagen eine Zunahme an organischem Aerosol in der bodennahen Schicht“, sagt der Experte vom Meteorologischen Observatorium Hohenpeißenberg des Deutschen Wetterdienstes (DWD).
Ein Aerosol ist ein Gemisch aus Gas und darin fein verteilten Teilchen. Welche Teilchen durch die Atmosphäre wirbeln und die Sicht trüben, ist aber nicht so leicht zu bestimmen. Die Wetterkundler können es mit detektivischer Kombinierarbeit nur herleiten.
Eine Spur: Die Gesamtmenge an Aerosol in der Atmosphäre ist aktuell nicht ungewöhnlich hoch, sie steigt vorwiegend in Bodennähe. Das spricht dafür, dass die Teilchen, die die Sicht trüben, nicht von allzu weit herkommen.
Die Experten vermuten als wahrscheinlichste Quelle außergewöhnlich hohe Emissionen der Vegetation, die dadurch entstehen, dass die Temperaturen nach den vielen Regentagen so hochgeschossen sind – „dazu möglicherweise Beiträge aus den regionalen Waldfeuern in Spanien und Frankreich, eventuell auch aus denen in Kanada“, so ihre Einschätzung.

Im Juni hatten die schweren Waldbrände in Kanada schon einmal zu einem milchigen Schleier geführt. Saharastaub, wie er im April 2022 in großen Mengen nach Süddeutschland geweht worden war, wurde als Ursache dagegen für die ersten Dunst-Tage ausgeschlossen: Die optischen Eigenschaften des Aerosols und die Luftströmungen passten nicht dazu. Am Mittwoch änderte sich das. Der Anteil des Staubs wurde „dominanter“, so die Aerosolspäher vom Hohenpeißenberg.
Die Hochdrucklage verstärkte den Dunst, weil sie dafür sorgte, dass das Aerosol sich in den unteren Luftschichten sammelte. Durch die relativ hohe Luftfeuchte dürfte es zudem noch aufgequollen sein.
Sorgen muss sich wegen des Schleiers niemand. „Neben dem Aerosol sehen wir keinen besonderen Anstieg von Kohlendioxid oder Stickoxiden“, so die DWD-Detektive, lediglich beim Kohlendioxid sei ein „moderater Anstieg“ zu verzeichnen.

