München:Die Vielfalt der Migrationsgeschichte

Migrationstage

Adriano Coppola, hier mit Ehefrau Luciana, ist als 21-Jähriger per Autostopp nach München gekommen Auch er erzählt über sein Leben.

(Foto: Privat)

Diskussionen, Ausstellungen und Musik: Stadtarchiv und Initiativen widmen Einwanderern eigene Tage

Von Christina Seipel

Adriano Coppola war 21 Jahre alt, als er sich im August 1981 von Neapel aus per Anhalter zum ersten Mal auf den Weg nach Deutschland machte. Mit einem Tanklaster ist er auf der letzten Etappe von Verona nach München gekommen. Hier wollte der Student der Agrarwissenschaft in den Semesterferien jobben. "Das erste, was ich gesehen habe, war die Fürstenrieder Straße", erinnert sich der 61-Jährige mit einem zufriedenen Lächeln. Damals konnte er nicht ahnen, dass ihn der Zufall 40 Jahre später wieder nach Laim führen würde. Derzeit lebt der Vater eines Sohnes an der Agnes-Bernauer-Straße, einen Steinwurf von der Fürstenrieder Straße entfernt.

Er ist nur einer von vielen Migranten, die heute im Stadtbezirk wohnen. Unter dem Motto "Vielfalt in Laim" widmet ihnen das Stadtarchiv in Kooperation mit dem Laimer Bezirksausschuss sowie weiteren Münchner Institutionen und Vereinen die Migrationstage. Die unterschiedlichen Veranstaltungen, die an mehreren Orten in Laim stattfinden, zeigen die vielfältigen Aspekte der Migration auf.

Für 14 Uhr laden das Stadtarchiv und "Laim_up" am Samstag, 16. Oktober, zum Austausch mit Migranten in den Kulturladen der Bürgerinitiative an die Guido-Schneble-Straße 24. Daniela Di Benedetto, Concetta D'Arcangelo und Theodoros Gavras erzählen, wie sie nach München gekommen sind. "Es ist ein Experiment", sagt Petra Stockdreher von Laim_up. Sollte es genügend Interesse geben, überlege man, das Format fortzusetzen.

Bis zum 27. November sind im Laim_up-Laden zu den üblichen Öffnungszeiten außerdem zwei Ausstellungen zu sehen: "Migriert, migriert, sonst sind wir verloren" von Tunay Önder und "um ... denken" von Sophie Johanna Kaiser, die sich in ihrer Arbeit mit den Gedichten der Lyrikerin Rose Ausländer auseinandersetzt. Vom 4. November an zeigt Laim_up zudem jede Woche einen Film zum Thema. Zu sehen ist unter anderem das preisgekrönte Road-Movie "Drei Gesichter" des iranischen Regisseurs Jafar Panahi ("Taxi Teheran"). Am Montag, 18. Oktober, 19.30 Uhr, diskutieren dann Bürgermeisterin Verena Dietl, Daniela Di Benedetto, Grazia Prontera und Theodoros Gavras zum Thema "Teilen ist Teilhabe: Politische Partizipation in der Migration" im Interim. Dort endet die Reihe am Freitag, 26. November, mit einem Konzert aus afghanischer Volks- und Popmusik.

Adriano Coppola zog es bereits ein Jahr nach Ende seines Sommerjobs wieder zurück nach München. Schnell gewöhnte er sich ein. Er lernte Deutsch, arbeitete als Putzkraft, Lagerist, Kurierfahrer, Imbiss-Betreiber, Gas-Wasser-Installateur und Hausmeister - und heiratete eine Italienerin. Gemeinsam mit Ehefrau Luciana wird er am Samstag im Laim_up-Laden musizieren und "wahrscheinlich auch etwas über mein Leben erzählen". Mit traditioneller Volksmusik nimmt das Duo "folk core" die Zuschauer mit auf "eine Reise nach Italien". Ihre Lieder handeln von Migration, italienischen Bräuchen und der Sehnsucht nach Heimat. Diese packt dann und wann auch Adriano Coppola. Mindestens dreimal im Jahr kehrt er in sein Geburtsland zurück, "um italienische Luft zu schnuppern" (Infos unter www.muenchen.de).

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