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München:Die Löwen dürfen wieder heim

Unfreundliche Grüße nach Abu Dhabi: Auf den Sitzschalen im Grünwalder Stadion klebt unter anderem das durchgestrichene Konterfei von Investor Hasan Ismaik.

(Foto: Alessandra Schellnegger)
  • Stadt und Behörden stimmen zu: Der TSV 1860 München wird künftig wieder im Grünwalder Stadion spielen.
  • Diskutiert wird, ob die Kapazität auf 15 000 Zuschauer erweitert werden kann - einer nötigen Sanierung der Westtribüne müsste der Stadtrat noch zustimmen.
  • Bis die Löwen umziehen können, müssen sie jedoch noch mit dem FC Bayern über eine Beendigung des Mietverhältnisses verhandeln - und mit dem Cateringunternehmen.

Von Heiner Effern und Markus Schäflein

Der TSV 1860 München will wieder im Stadion an der Grünwalder Straße spielen - dem stimmen nun auch die Stadt und die Behörden offiziell zu. "Wir haben einen Teil der Probleme gelöst, in Teilen wie dem Sicherheitskonzept wird noch nachgebessert, doch der Rückkehr steht nichts mehr entgegen", sagte Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD).

Zuvor hatte das Referat für Bildung und Sport dem Stadtrat das Konzept für den Spielbetrieb der Löwen in der Regionalliga vorgelegt. Bis zu 12 500 Zuschauer sind im Grünwalder Stadion, das der Stadt gehört, zugelassen. Um drum herum an Spieltagen stundenlange Staus zu vermeiden, musste der TSV 1860 auch ein Verkehrskonzept vorlegen. Kernstück ist die Idee, dass jede Eintrittskarte künftig als Ticket im gesamten MVV-Gebiet gelten soll. Die Verhandlungen darüber stünden kurz vor dem Abschluss, heißt es in der Vorlage.

Die geplante Löwen-Rückkehr erntete im Stadtrat keinen Widerspruch, die Zustimmung schwankte zwischen verhalten (CSU) bis euphorisch (SPD). "Es ist unser Wunsch, dass die erste Mannschaft des TSV 1860 wieder in dem Stadion spielt, das so viele Münchner lieben", sagte Verena Dietl, SPD-Fraktions-Vize und 1860-Verwaltungsrätin. Sie stellte in Aussicht, dass sich die Kapazität auf 15 000 Zuschauer erweitern ließe, wenngleich nicht mehr für diese Saison. Allerdings muss der Stadtrat der dafür nötigen Sanierung der Westtribüne noch zustimmen. Dafür sind Lärmgutachten einzuholen, die womöglich Probleme bereiten könnten. Keinesfalls will die Stadt riskieren, dass die baurechtliche Zulassung des Stadions in Gefahr gerät.

Doch bis die Löwen im Grünwalder Stadion spielen können, sind noch andere Hürden zu meistern. Vor allem von den Löwen selbst. Derzeit verhandelt 1860-Geschäftsführer Markus Fauser mit dem Arena-Vermieter FC Bayern über eine Beendigung des Mietverhältnisses - angesichts der Laufzeit bis 2025 dürfte normalerweise eine saftige Abschlagszahlung fällig werden.

Und noch schwieriger werden die Gespräche mit dem Cateringunternehmen Arena One verlaufen. Auch mit Arena One laufen die Verträge weiter, zudem steht eine Summe von etwa einer Million Euro für Verköstigung aus der vergangenen Saison aus, die der TSV 1860 noch nicht überwiesen hat. Und zu alledem ist die Arena derzeit nur ein kleiner Teil jener Baustelle, auf der Fauser beschäftigt ist. Noch immer ist nicht endgültig gesichert, ob er die Insolvenz abwenden kann angesichts hoher offener Altlasten, die Investor Hasan Ismaik offenbar nicht tragen möchte.

Sollte das gelingen, müssten die Löwen vor dem ersten Heimspiel Ende Juli noch eine Informationsveranstaltung für die Anwohner abhalten. "Das ist mir wichtig, da werden bohrende Fragen kommen. Im Gegensatz zu der Zeit vor 30 Jahren wohnen da nicht mehr lauter Blaue, sondern der Durchschnitt unserer Stadt", sagte Reiter. Vor allem wird es dabei um Lärm, Verkehr und die Sicherheit gehen. "Ich bin zuversichtlich, dass den Verantwortlichen und der Anhängerschaft bewusst ist, wie sensibel diese Themen sind", sagte Reiter.

Zugeparkte Gehwege werde es nur einmal geben, man werde rigoros abschleppen. Die Zuschauer müssten vor allem öffentlich anreisen. Ausschreitungen werde die Stadt keinesfalls dulden. "Wenn es da im 14-Tages-Rhythmus Randale gäbe, was ich nicht hoffe und nicht erwarte, dann werden wir das Vertragsverhältnis wieder beenden. Die Verträge werden wir so gestalten, dass wir das auch können", sagte Reiter.

Im Moment erhält das Sicherheitskonzept noch den letzten Schliff. Die Polizei hatte den Wunsch geäußert, die gegnerischen Fangruppen effektiver zu trennen. "Das werden wir baulich im Stadion in der Kürze nicht schaffen, das müssen wir über Personal regeln", sagte Reiter. Der Rückfall der Löwen in die vierte Liga bereitet im Großraum München nicht nur ihm manche Herausforderung, sondern auch den Bürgermeistern in den Kommunen der Gegner, wie Reiter erfahren hat. "Die haben ein Stadion für vielleicht 1500 Zuschauer, und da reisen dann vielleicht 8000 Löwen-Fans ohne Karten an." Eine Verlegung dieser Spiele nach München werde er aber nicht zustimmen. "Man muss sicherstellen, dass wir nicht zu einem Regelbetrieb kommen, wo die Gegner ihre Heimrechte abschenken und jede Woche ein Spiel im Grünwalder Stadion stattfindet."

© SZ vom 29.06.2017
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