Museumsinsel:Dem Deutschen Museum fehlen moderne Ausstellungskonzepte

Lesezeit: 2 min

Museumsinsel: 19 neue Ausstellungen bietet das sanierte Haus.

19 neue Ausstellungen bietet das sanierte Haus.

(Foto: Robert Haas)

Dass sich das Deutsche Museum in neuem Gewand präsentiert, ist nach all den Problemen beim Umbau eine gute Nachricht. Doch ob sich so junge Menschen für Technik begeistern lassen, ist fraglich.

Kommentar von Martina Scherf

Die erste Halbzeit ist geschafft. Nach fast sieben Jahren Bauzeit präsentiert sich ein Teil des Deutschen Museums in neuem Gewand. Das ist eine gute Nachricht, denn zwischenzeitlich sah es so aus, als käme das ganze Projekt ins Schleudern. Die Baukosten explodierten, die Architekten gingen pleite, und ständig taten sich neue Löcher auf - im Beton genauso wie im Haushalt. Bis zuletzt zitterten alle Beteiligten, ob der mehrfach verschobene Eröffnungstermin zu halten sei. Doch jetzt sind 19 Ausstellungen entstaubt, überarbeitet und mit neuen Ideen belebt worden, von der Atomphysik bis zur Landwirtschaft. Sie wirken luftiger, übersichtlicher, der Muff der Nachkriegszeit ist verschwunden. Zu historischen Maschinen wie dem ersten Dieselmotor und Rauminstallationen wie Justus von Liebigs Chemielabor kam Neues hinzu: ein sprechender Roboter oder ein Blick ins Innere des Auges.

Aber eines ist nicht zu übersehen: Die Sanierung des fast 100 Jahre alten Baus hat so viel Geld verschlungen, dass für moderne Ausstellungskonzepte wenig übrig blieb. Und so stehen jetzt wieder sehr viele Vitrinen in den Sälen, mit winzigen Texttäfelchen, auf denen sich nicht mehr als Zahlen, Daten, Fakten finden. Für Ingenieure mag das genügen, für alle anderen nicht. Wer hier wirklich etwas lernen will, ist genauso wie früher auf Moderatoren angewiesen, die erklären, was sich nicht von selbst erschließt. Ob die Digital Natives von diesem "modernsten Deutschen Museum aller Zeiten" fasziniert sein werden? Jene, die man für Naturwissenschaft und Technik begeistern will, damit sie die Welt von morgen gestalten? Nach dem ersten Eindruck ist das zu bezweifeln.

Und was ist mit dem Versprechen, man werde sich als Technikmuseum auch gesellschaftlichen Fragen öffnen? Es ist allenfalls punktuell eingelöst. Ja, vieles lässt sich per App oder mit Leih-Tablets ergänzen - Filme, Musik, Interviews, Biografien. Da könnte man etwas über die schillernde Persönlichkeit eines Robert Koch erzählen, dessen Brutschrank zum Bakterienzüchten in einer Vitrine steht. Oder über Otto Hahn, dessen Kernspaltungstisch das Museum besitzt und von dem Albert Einstein sagte, er sei einer der wenigen Wissenschaftler gewesen, die aufrecht blieben in der Nazi-Zeit. Oder über Marie Curie, die zweifache Nobelpreisträgerin, die im Ersten Weltkrieg Frauen an Röntgengeräten ausbildete.

Man muss das Ganze wohl als "work in progress" sehen. Darauf hoffen, dass an vielen Stellen noch nachgearbeitet wird. Das wird ohnehin nötig sein, denn anders als ein Kunstmuseum muss ein Technikmuseum auf neue Entwicklungen reagieren. Jetzt beginnt die zweite Halbzeit. Und die könnte auch eine Zeit zum Lernen und zum Austausch mit den Besuchern werden.

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