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Rundgänge:Reisen durch Zeit und Raum

So eng, wie die Auswanderer im 19. Jahrhundert auf Segelschiffen in die Neue Welt reisten und schon während der Überfahrt oft Krankheiten und Seuchen zum Opfer fielen, dürfen sich die Menschen des 21. Jahrhunderts in Corona-Zeiten nicht kommen.

(Foto: Deutsches Museum)

Das Deutsche Museum bietet jede Menge Möglichkeiten, die Sammlungen des Hauses digital zu durchstreifen - und in virtuellen Rundgängen zur Schifffahrt oder Luftfahrt von fernen Welten zu träumen.

Auch wenn man das Deutsche Museum angesichts der Corona-Krise dieser Tage nur virtuell betreten kann, stellt sich doch dasselbe Gefühl ein, wie wenn man physisch ins Foyer eintritt: Überforderung. Denn das Online-Angebot des Museums ist fast so umfangreich wie die Sammlung des Hauses selbst. Allerdings sind die Inhalte nicht zentral von einer Website zu-gänglich. Man muss sich ein bisschen durchklicken. Aber hat man sich orientiert, liefert das Angebot Material für mehr als einen Nachmittag auf dem Sofa.

Von der Startseite der Website gelangt man über die Rubrik "Filme" zum YouTube-Kanal des Museums. Hierüber kommt man auch vom Sofa aus in den Genuss der wohl aufregendsten Attraktionen des Museums: die Vorführungen. Die Videos der Experimente mit flüssigem Stickstoff oder der Hochspannungsanlage sind eine spannende und zugleich lehrreiche Alternative zur zigsten Serienepisode auf Netflix. Außerdem liefert der Kanal einen kleinen Einblick in die aktuelle Ausstellung "Kosmos Kaffee". Mit einer Art Drohnenflug über die Ausstellung kann man sich einen Überblick verschaffen. Man kann aber auch Experten zuschauen, die im "Science Café" Cappuccino zubereiten. Wer sich dann, frisch inspiriert, auch zu Hause als Barista ausprobieren will, findet in den Podcasts des Museums den idealen Begleiter. Sie finden sich unter der Rubrik "Wissen zum Hören" und bieten die Möglichkeit, nebenbei etwas über Doppelpedalharfen oder Glasfaserkleider zu lernen.

Über den Reiter "Sammlungen" findet sich ein Link zu "Once Upon a Try", ein Online-Projekt von Google Arts and Culture. In Zusammenarbeit mit mehr als 100 Institutionen aus 30 Ländern werden dort die Fortschritte der Technologie gezeigt. Auch das Deutsche Museum ist mit 20 Geschichten vertreten, die entweder Einblick in alte Sonderausstellungen geben, wie etwa "energie.wenden", oder wurden wie "Hel-den des Alltags: legendäre Innovationen deutscher Erfinder" eigens für das Projekt erstellt.

Ein unter dem Reiter "Sammlungen" aufgeführter Link führt aber auch zur Digitalen Sammlung des Museums. Im Digitalen Katalog kann die Sammlung eingesehen werden, von Ferngläsern über Graphomaten bis zu Kameras. Wer sich von den gut 100 000 Exponaten erschlagen fühlt, dem sei die Rubrik "Stöbern und Entdecken" ans Herz gelegt, hinter der sich thematisch zusammengefasste Objektsammlungen verbergen. "Die 50er Jahre" etwa entführen auf eine Zeitreise, "Die Geschichte der Astronomie" gar in ferne Galaxien. Über den Bereich "Bibliothek" bekommt man Zugang zur größten Museumsbibliothek Deutschlands. Lange Nachmittage in Quarantäne bieten die Gelegenheit, naturwissenschaftlichen Lektürerückstand aufzuholen. Und wann bekommt man schon die Gelegenheit, im 1515 erschienenen "Almagestum" von Claudius Ptolemaeus, zumindest virtuell, zu blättern?

Wem das noch zu weit von einem echten Besuch entfernt ist, der sollte sich mittels des virtuellen Rundgangs auf einen Streifzug begeben, wenngleich der etwas schwer zu finden ist. Am besten füttert man eine Suchmaschine mit "virtueller Rundgang Deutsches Museum". Wenn man allerdings noch nie im echten Museum war, fällt auch hier die Orientierung recht schwer. Die teilweise etwas zu empfindliche Steuerung macht die Navigation durch die Räume nicht einfacher. Einen guten Einstieg bieten daher die drei interaktiven Audiotouren zu Schifffahrt, Luftfahrt und Raumfahrt. "Eine Reise durch Welt, Raum und Zeit" lautet deren Motto. So geleitet der Audioguide "Schifffahrt" einen vorbei an persischen Zaruks oder Kolumbus' Notizen. Im Untergeschoss blickt man sogar in ein "Auswanderer-Deck". Während der Auswanderungswelle im 19. Jahrhundert von Europa nach Amerika gelangten die meisten Menschen im Bauch von Segelschiffen an ihr Ziel. Und wie sie können wir dieser Tage nur von der großen, weiten Welt träumen.

www.deutsches-museum.de

© SZ vom 26.03.2020
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