Vandalismus-Vorwurf gegen Deutsches Museum„Eigentlich auf gutem Wege – wäre da nicht die Diskussion um den Ehrensaal“

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Soll der Ehrensaal genau so wieder eingebaut werden? Darüber ist ein heftiger Streit entbrannt.
Soll der Ehrensaal genau so wieder eingebaut werden? Darüber ist ein heftiger Streit entbrannt. (Foto: Christian Illing)
  • Dem Deutschen Museum wurde vorgeworfen, seinen Ehrensaal im Rahmen der Generalsanierung „zerstört“ zu haben, weshalb sich der Bayerische Landtag mit dem Thema befasste.
  • Der Landesdenkmalrat, der die scharfe Kritik geäußert hatte, soll laut des CSU-Politikers Robert Brannekämper künftig „deutlich früher und stärker in die Planungen bei den weiteren Bauabschnitten der Sanierung eingebunden werden“.
  • Alle Fraktionen erwarten im ersten Quartal 2026 einen umfassenden Bericht zum Sanierungsstand und zur Lösung des Ehrensaal-Konflikts.
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Das Deutsche Museum war scharf angegriffen worden, es habe den Saal im Rahmen der Generalsanierung „zerstört“. Nun hat sich der Bayerische Landtag mit der Causa beschäftigt.

Von Martina Scherf

Der Vorwurf war gravierend: Von „Vandalismus“ hatten Vertreter des Landesdenkmalrats gesprochen, weil das Deutsche Museum seinen Ehrensaal „zerstört“ habe. Dieser für Veranstaltungen genutzte Saal musste im Zuge der seit zehn Jahren andauernden Generalsanierung genauso wie alle anderen Gebäudeteile technisch und statisch erneuert werden. Doch um die Ausgestaltung oder Wiederherstellung des historischen Raums war ein Streit entbrannt, der zuletzt sogar die Staatsregierung erreichte. Auf Antrag der AfD befasste sich am Mittwoch nun auch der Wissenschaftsausschuss im Bayerischen Landtag mit dem Thema. Und fand überraschend schnell zu einem Konsens.

Der AfD-Abgeordnete Ulrich Singer, selbst Mitglied des Landesdenkmalrats, bezog sich in seinem Antrag auf den Beschluss dieses beratenden Gremiums zum Ehrensaal. Die Abgeordneten hätten ein berechtigtes Interesse zu erfahren, „in welchem Umfang denkmalpflegerische Standards verletzt wurden und wie mit den öffentlichen Fördermitteln umgegangen wird“. Aufgrund der enormen Investition des Freistaats in die Generalüberholung des Museums fordere seine Fraktion zudem einen umfassenden Bericht über Kosten und Stand der Sanierung.

Robert Brannekämper (CSU), der zuvor das Museum scharf angegriffen hatte, war nun sichtlich um Befriedung bemüht. Als stellvertretender Ausschussvorsitzender und zugleich Vorsitzender des Landesdenkmalrats hatte er in der Sitzung eine Doppelrolle. Er betonte die Bedeutung des Museums als „Flaggschiff der Wissens- und Technikvermittlung von internationalem Rang“.

Bei der Baustellenbesichtigung zu Beginn der Legislaturperiode hätten sich die beteiligten Abgeordneten ein Bild von der laufenden Sanierung machen können. Die 776 Millionen Euro Gesamtkosten – je 330 Millionen Euro von Bund und Land, der Rest von Spendern und aus Eigenmitteln des Museums – seien eine Investition in die Zukunft.

Bisher wird nur das Ausstellungsgebäude saniert. Der Rest des Ensembles – Bibliotheksgebäude, Zwischenhöfe und Kongresssaal – ist bislang nicht durchgeplant und finanziert. Er gehe davon aus, so Brannekämper, dass ähnlich wie bei der Museumsinsel in Berlin die Kosten für die gesamte Sanierung des Deutschen Museums die Milliarde weit übersteigen werden. Das laufende Projekt sei „im Plan und im Budget und eigentlich auf gutem Wege – wäre da nicht die Diskussion um den Ehrensaal“.

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Dieser sei nie bloß ein Saal gewesen, sondern „ein gefasster Raum der Anerkennung von Lebensleistungen und wissenschaftlicher Exzellenz“. Es handele sich hier um „Gedenkarchitektur“. Niemand bestreite den Anspruch auf Modernisierung des Museums. Aber „mit überzogenen technischen Standards und einer finanziellen Drohkulisse wurde der Ehrensaal vermutlich zur Manövriermasse im Kostenplan“. Das Landesdenkmalamt und die städtische Denkmalbehörde, die die Genehmigung zum Abriss im Jahr 2024 erteilt hatten, hätten da „klein beigegeben“.

Der Landesdenkmalrat hat die Aufgabe, die Staatsregierung zu beraten. Er hat – anders als das Denkmalamt – keine Entscheidungsbefugnis. Aber er wird gehört. Vor der Sitzung hatte Wissenschaftsminister Markus Blume (CSU) die Verantwortlichen zu einer einvernehmlichen Lösung ermahnt. Er sei dem Minister dankbar, so Brannekämper, für die Zusage, „dass der Denkmalrat in Zukunft deutlich früher und stärker in die Planungen bei den weiteren Bauabschnitten der Sanierung eingebunden werden soll“. Man sei bereits mit den Vertretern des Museums im Gespräch und werde im ersten Quartal 2026 einen Lösungsansatz vorschlagen, „der versucht, beiden Seiten gerecht zu werden“.

Sabine Weigand von Bündnis 90/Grüne, die ebenfalls Mitglied im Landesdenkmalrat ist, sagte, ihr sei bei der Sitzung des Gremiums zum Ehrensaal „die Tonalität“ einzelner Kollegen aufgestoßen, die die Museumsvertreter persönlich angegriffen hätten. Man könne immer über eine Sache streiten, „aber da wurden die Regeln der Höflichkeit verletzt, ich habe mich geschämt“. Sie habe sich außerdem gewundert, dass seitdem in dem Gremium gar nicht mehr über den Ehrensaal diskutiert worden sei.

Alle Fraktionen waren schließlich einig, dass man im ersten Quartal 2026 einen umfassenden Bericht des Wissenschaftsministeriums zum Stand der Sanierung und zu den Ergebnissen in der Causa Ehrensaal erwarte.

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