Ausstellung in der Flugwerft Schleißheim:Wie der Wetterbericht entsteht

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Die Wetterstation Hohenpeißenberg, die vom Deutschen Wetterdienst (DWD) betrieben wird. (Foto: Lino Mirgeler/dpa)

2000 Messstationen, 15 Satelliten und selbst Schiffe und Flugzeuge liefern dem Deutschen Wetterdienst Daten für seine Vorhersagen. Eine Ausstellung in der Flugwerft Schleißheim zeigt, wie genau die Meteorologen arbeiten - und ab wann ihre Prognosen ungenauer werden.

Von Martina Scherf

Wie wird morgen das Wetter? Kaum eine Frage wird öfter gestellt. Und seit mehr als 70 Jahren beantwortet sie der Deutsche Wetterdienst (DWD). Er berät Luft- und Seefahrt, Katastrophenschutz, Bundeswehr, Bundesregierung und handelt dabei, was wenig bekannt ist, in hoheitlichem Auftrag. Natürlich bekommen auch die Fernsehsender ihre Wettervorhersagen vom DWD. Eine Wanderausstellung zum Jubiläum der Behörde macht jetzt in der Flugwerft Schleißheim des Deutschen Museums Halt. Sie zeigt, wie die Meteorologen zu ihren Daten kommen - und dass sie längst nicht mehr nur das Wetter vorhersagen, sondern auch höchst komplexe Klimamodelle entwickeln.

An sieben Stationen, analog und digital, gibt die Ausstellung detaillierte Einblicke in die Arbeit und Aufgaben der international agierenden Behörde. Ein riesiges Netz an Messstationen liefert immer genauere Daten nach Offenbach in die Zentrale des DWD. Dort werden sie von einem Supercomputer verarbeitet - zusammen mit weltweiten Daten von anderen Diensten. Aus Millionen von Messpunkten entstehen dann die aktuellen Wetterbilder. Deshalb, so sagte DWD-Präsidentin Sarah Jones bei der Eröffnung, sei die Wettervorhersage heute für eine Woche im Voraus besser als eine Vorhersage im Jahr 1970 für einen Tag. Noch immer aber gilt: Ab circa acht Tagen werden die Prognosen ungenauer, zu viele Faktoren können dann die lokalen Bedingungen beeinflussen.

Der DWD unterhält Niederlassung in zahlreichen deutschen Städten, auch in München. 2000 automatisierte Messstationen sind außerdem im ganzen Land verteilt. 15 Satelliten blicken aus dem Weltraum auf die Wetterphänomene auf der Erde. Auch Schiffe und Flugzeuge liefern Daten an den DWD. Zudem betreibt die Behörde ein Netz von Radarstationen - wer einmal zufällig an einem dieser Türme mit einer kugelförmigen Antenne obendrauf vorbeifährt, weiß jetzt: Dort wird das Wetter beobachtet.

Blick in die Sonderausstellung mit dem Wettersatellit Meteosat Second Generation, der über dem Äquator in rund 36 000 Kilometer Höhe stationiert ist. (Foto: Deutsches Museum)
Ein Mitarbeiter der Flugwerft putzt den Wettersatelliten Meteosat Third Generation für die Ausstellung heraus. (Foto: Robert Haas)

Zu all dem werden zweimal täglich an elf verschiedenen Orten in Deutschland von der Bundeswehr Wetterballone in den Himmel geschickt, die bis zu einer Höhe von 35 Kilometer steigen. Der Ballon ist dabei nur der Auftriebskörper, er trägt eine kleine Radiosonde nach oben. In unterschiedlichen Höhen werden Luftdruck, Temperatur, Feuchtigkeit, Windgeschwindigkeit und Windrichtung gemessen und an den DWD gefunkt. Nach etwa 90 Minuten platzt der Ballon und die Sonde kehrt mit einem kleinen Fallschirm zum Boden zurück, erklärte DWD-Sprecherin Gertrud Nöth bei der Eröffnung.

In der Flugwerft wird ein Flugdrache aufgehängt, der schon im Jahr 1910 Messinstrumente zur Wetterbeobachtung bis in 9000 Meter Höhe transportierte. (Foto: Robert Haas)

So ähnlich ging das auch schon vor mehr als 100 Jahren. Der Leiter der Flugwerft und Kurator der modernen Luftfahrt im Deutschen Museum, Robert Kluge, ließ extra zur Wetterausstellung einen historischen Flugdrachen aufhängen. Der stammt aus dem Jahr 1910, wurde damals mit einer Winde hochgezogen und erreichte eine Höhe von 9000 Metern. Er trug einige Instrumente mit sich, denn schon damals wollten die Menschen genauer wissen: Wie wird das Wetter?

Noch älter ist das Schiffsbuch des Handelsschiffes George, das 1884 bis 1885 von Cardiff nach Singapur fuhr. Schiffe zeichneten damals alle vier Stunden ihre Wetterbeobachtungen per Hand auf.

Das meteorologische Schiffsjournal der Bark "George" von 1884/85. (Foto: Robert Haas)

Zu den ältesten Observatorien gehört jenes auf dem Hohenpeißenberg. Seit 1781 wird dort das Wetter aufgezeichnet - anfangs noch in Schönschrift mit Tinte und Feder in einem großen Buch, das jetzt in einer Vitrine liegt. Heute messen moderne Computer die chemische Zusammensetzung der Atmosphäre, was auch Rückschlüsse auf den menschlichen Einfluss auf den Klimawandel zulässt. "Das Klima verändert sich rasant. Für uns ist es daher auch wichtig, Menschen mit Hintergrundinformationen für die Themen Wetter und Klima zu sensibilisieren", sagte DWD-Präsidentin Sarah Jones.

Am Ende kann man sein Wetterwissen in einem Quiz testen. Die Geodaten des DWD sind weitgehend öffentlich verfügbar, auch private meteorologische Dienste können sie nutzen. Und wer wissen will, wie morgen das Wetter wird, kann sich die App des DWD herunterladen und bekommt eine Vielzahl von Funktionen wie Blitzradar oder Regenvorhersage aufs Handy.

Die Ausstellung "Zwischen Natur & Gesellschaft" ist bis 23. Februar 2025 in der Flugwerft Schleißheim zu sehen. Ein- bis zweimal im Monat bietet der DWD am Freitagnachmittag eine Führung mit Vortrag zu Wetter- und Klimathemen an. Die Termine werden auf der Homepage der Flugwerft veröffentlicht. Geöffnet ist täglich von 9 bis 17 Uhr - bei jedem Wetter.

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