Die Welt, namentlich die Menschheit, zeigt sich derzeit nicht gerade von ihrer besten Seite. Krieg und Krisen, wohin man schaut. Ist es da ein Wunder, wenn der Mensch sich nach etwas Heiterem, Spielerischem sehnt, etwas, das auf Kollaboration statt auf Konfrontation setzt? Jedenfalls ist es bemerkenswert, dass dieser Tage nicht nur das partizipative und farbenfrohe Gute-Laune-Projekt „Flux“ der Londoner Künstlerin Morag Myerscough bei der Pinakothek der Moderne mit dem „Baumhaus“ im Wintergarten erweitert wird.
Auch bei der diesjährigen Munich Creative Business Week, kurz MCBW, die am 4. Mai beginnt, geht es um reichlich Partizipation und „Good Vibes“. Unter dem Motto „Playground of Possibilities“ lädt die nunmehr 15. MCBW ein, die Welt des Gestaltens neu zu entdecken. Spielerisch, gemeinsam, offen für Fachleute und Laien, Connaisseure und Flaneure. Die Formate sind entsprechend vielfältig: Da gibt es Konferenzen, Podiumsdiskussionen und Meisterklassen, um sich auszutauschen und zu debattieren.
Aber ebenso laden Design-Läden zu speziellen Präsentationen ein, es gibt Ausstellungskooperationen mit Museen und Galerien, in Zusammenarbeit mit Studierenden entstehen interaktive und immersive Installationen im öffentlichen Raum und an vielen Orten in der Stadt geben Pop-up-Räume Einblicke in die verschiedensten Designansätze, die unser Leben mitgestalten.
Besonders passionierte Design-Fans haben sich ihre Veranstaltungen sicher längst rausgepickt. Aber auch wer zu Zeiten der MCBW planlos durch München bummelt, dem dürften einige von deren Installationen im öffentlichen Raum auffallen. Und die sind jederzeit und für alle zugänglich. So bespielt das Architekturkollektiv Studio Carraldo die Südwiese der Alten Pinakothek mit zwei interaktiven Pavillons, Studio adpa lässt den Rindermarkt zum Kunstwerk werden und Container der Hochschulen laden zu interaktiven Ausstellungen am Viktualienmarkt und Königsplatz ein.
Im vergangenen Jahr stach die silbrig glänzende und begehbare Metallkapsel auf sechs Rädern auf dem Königsplatz vor den Propyläen besonders ins Auge. Das innen völlig verspiegelte Ding war ein Ausstellungsraum für Glasobjekte tschechischer Designer. Eine so fulminant präsentierte Glas-Show hat man selten gesehen.

In diesem Jahr sind auf dem Königsplatz Studierende der Design-Fakultät der TU Nürnberg zugange. Sie bespielen ihn mit einem Raum „voller Licht, Bewegung und Miteinander“, wie es in der Ankündigung heißt. In „Light Up“, so ist der begehbare Raum benannt, wird es leuchtende Origami-Elementen geben, die auf Bewegung reagieren, kooperative Spielformen oder systemische Perspektivwechsel, in denen pflanzliche Materialien und Sensoren Ungewohntes hörbar machen.
Auf der Wiese vor der Alten Pinakothek, seit Jahren ein Hotspot der MCBW im öffentlichen Raum, wo immer wieder tolle Objekte zum Mitmachen auftauchen, präsentiert in diesem Jahr das Architekturkollektiv Studio Carraldo zwei interaktive Pavillons: „Cappella del Suono“ und „Delulu“. Beide Installationen verstehen sich als Experimentierflächen. Sie werden bis 17. Mai an Ort und Stelle stehen.
In der „Cappella del Suono“ werden unterschiedlich lange Klangstäbe ein akustisches Gefüge bilden und ein sich stetig wandelndes Spiel aus Licht und Schatten formen. Die durchlässige Architektur des Pavillons bezieht optisch den umgebenden Raum mit ein und reagiert zugleich auf die Menschen darin. Das dürfte ein hübsches audio-visuelles Erlebnis werden.

Delulu, der zweite Pavillon, übersetzt das Motto der MCBW „Playground of Possibilities“ in ein begehbares Labyrinth, das zur „lustvollen Orientierungslosigkeit“ einladen soll. Der Name Delulu ist abgeleitet von „delusional“ und beschreibt eine spielerische Form der Realitätsflucht in einer komplexen, von Krisen geprägten Welt. Wenn das mal nicht sehr aktuell ist.
MCBW, 4.–10. Mai 2026, verschiedene Veranstaltungsorte

