Protest in MünchenMehrere Tausend demonstrieren gegen Ökostrom-Sparpaket

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Demonstranten vor dem Siegestor in München.
Demonstranten vor dem Siegestor in München. Foto: Felix Hörhager/dpa

Der lahmende Netzausbau verursacht hohe Kosten. Kritiker halten die Pläne von Wirtschaftsministerin Reiche für das falsche Rezept, um gegenzusteuern – und protestieren in der Innenstadt.

Mehrere Tausend Menschen haben in München gegen die von Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche (CDU) geplanten Kürzungen der Ökostrom-Zuschüsse demonstriert. Die Demonstranten auf zahlreichen Transparenten und die Redner warfen Reiche vor, den Erfolg der Energiewende zu gefährden und fossile Energien zu bevorteilen.

Zu der Demonstration aufgerufen hatten unter anderem der Bund Naturschutz und die Umweltorganisation Greenpeace. Nach Schätzung der Umweltorganisation versammelten sich 12 000 Menschen bei der Kundgebung und dem anschließenden Demonstrationszug,  die Münchner Polizei sprach von 7000 Teilnehmern.

Der BN-Landesvorsitzende Martin Geilhufe bezeichnete Reiches Netzpaket in München als „Teil eines konzertierten Generalangriffs auf Natur, Umwelt und Klima“. Die Bundesregierung dürfe den Ausbau von Wind- und Sonnenenergie nicht abwürgen. Drei parallele Kundgebungen gab es in Berlin, Köln und Hamburg, Greenpeace schätzte die Gesamtteilnehmerzahl in den vier Städten auf 80 000.

2025 waren die Kosten des sogenannten Engpassmanagements laut Bundesnetzagentur um vier Prozent auf knapp 3,1 Milliarden Euro gestiegen. Ursache sind Leitungsengpässe, da an sonnigen oder sehr windigen Tagen häufig mehr Ökostrom produziert als genutzt werden kann. Stattdessen werden dann in Süddeutschland häufig Gas- oder Kohlekraftwerke angeschaltet, die besonders teuren Strom produzieren. Gleichzeitig erhalten Betreiber von Ökostrom-Anlagen finanzielle Entschädigung für „abgeregelten“ Strom.

Ministerin Reiche will in Netzgebieten mit besonders hohem Anteil nicht genutzten Ökostroms künftig für neue Wind- oder Photovoltaikparks keine Entschädigung mehr zahlen.

Katharina Schulze, die Vorsitzende der Grünen-Fraktion im Bayerischen Landtag, sagte in ihrer Rede auf der Demonstration: „Erneuerbare Energien sind Freiheitsenergien.“ Sie seien günstig und würden das Land unabhängig machen. Kritik äußerte sie am bayerischen Ministerpräsidenten: „Markus Söder liebt es, über Mini-AKWs zu sprechen – um davon abzulenken, dass es auf 92 Prozent aller staatlichen Gebäude in Bayern immer noch keine Solaranlagen gibt“, so Schulze.

In Bayern seien seit Anfang 2025 gerade einmal 19 Windräder in Betrieb genommen worden und in Nordrhein-Westfalen im gleichen Zeitraum 324, so Schulze: „Bayern will immer spitze sein – bei der Windkraft sind wir ganz weit hinten.“

Auf der Bühne am Siegestor sprach auch Harald Lesch, Professor für Astrophysik an der Ludwig-Maximilians-Universität, der in der vergangenen Woche von der Stadt München als Ehrenbürger ausgezeichnet wurde. Er kritisierte die Pläne als ein „Zurück in die Steinzeit“ und rief der Menge zu: „So eine Demo wie heute bleibt nicht ungehört. Das müssten wir eigentlich viel öfter machen.“

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