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Demonstration gegen Rassismus:Zum Protestieren besser auf die Theresienwiese

Demo gegen Rassismus: Black Live Matters. Auf dem Königsplatz.

Ein wichtiges Zeichen, dass so viele Menschen in München gegen Rassismus demonstrieren - mit mehr Abstand zwischen den Demonstranten wäre in Corona-Zeiten noch besser.

(Foto: Florian Peljak)

Zweimal bereits sind die Münchner Behörden von zu großen Kundgebungen überrascht worden, bei denen Abstände nicht eingehalten wurden. Dabei gäbe es eine einfache Möglichkeit, das zu verhindern.

Kommentar von Isabel Bernstein

Zum zweiten Mal innerhalb eines Monats sind Stadt und Polizei in München überrascht worden. Überrascht davon, dass Polizeigewalt und Rassismus sowie die einschneidenden Maßnahmen gegen das Coronavirus Themen sind, die Tausende Menschen um- und auf die Straße treiben. Und beide Male kann man sich fragen: Warum diese Überraschung?

Dass am Samstag 25 000 Menschen dem Demo-Aufruf gegen Rassismus gefolgt sind, ist natürlich ein grandioses und wichtiges Zeichen, dass München - wieder einmal - für Toleranz und Weltoffenheit steht. Dennoch: Tausende Menschen eng beieinander stehen zu sehen, nach Wochen des persönlichen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Corona-Shutdowns, sind Bilder, die auch Angst machen können. Sollten Kreisverwaltungsreferat, Veranstalter und Polizei wirklich geglaubt haben, zur Kundgebung gegen Rassismus würden vergleichsweise wenige Personen kommen, war das zumindest blauäugig von ihnen. In den sozialen Medien kann man seit Tagen verfolgen, wie sehr das Thema die Menschen hierzulande emotionalisiert. Bereits vor einer Woche trafen sich 350 Münchner zu einer Spontan-Demo, und die Erfahrungen der vergangenen Jahre hätten den Behörden eigentlich eine Lehre sein müssen: Immer wenn es darum ging, Flagge zu zeigen gegen Menschenfeindlichkeit und Rassismus, standen Tausende auf den Straßen.

Auch die Corona-Einschränkungen sind solch ein emotionales Thema, auch hier konnte der Zustrom bei der Demonstration auf dem Marienplatz vor einem Monat nicht überraschen - zumal da von Rechten im Internet entsprechend Stimmung gemacht wurde. Diese Kundgebungen durften seitdem nur noch auf der Theresienwiese stattfinden.

Das sollte während der Corona-Pandemie auch mit anderen Versammlungen passieren, die das Potenzial haben, viele Menschen anzuziehen. Denn auf der Theresienwiese kann die Polizei ein ausreichend großes Areal absperren und dafür Sorge tragen, dass die Abstandsregeln eingehalten werden. Und kommen mehr Demonstranten als zulässig, können sie über den Bavariaring weitergeleitet werden.

Coronaleugner und Rassismusgegner sind wirklich nicht dasselbe. Nur: Das Virus macht da keinen Unterschied.

© SZ vom 08.06.2020/imei
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