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Demonstration in München:"Ihr seid systemrelevant, weil ihr Lebensfreude produziert"

Auf der Theresienwiese ist die Demo der Marktleute und Schausteller gestartet, auf dem Odeonsplatz fand dann die Kundgebung statt.

(Foto: Robert Haas)

Bayerische Schausteller fordern Lockerungen der Corona-Beschränkungen für ihre Branche. Ihr Korso durch die Innenstadt verursachte zuvor massive Staus.

Von Ana Maria Michel

Keine Volksfeste, kein Oktoberfest, und ob es in diesem Jahr Weihnachtsmärkte geben wird, ist ebenfalls fraglich. Die Situation der bayerischen Schausteller und Marktkaufleute ist in der Corona-Krise prekär. Mit einer Kundgebung auf dem Odeonsplatz wollten sie am Donnerstagnachmittag auf ihre Situation aufmerksam machen. Viele von ihnen wurden quasi in die Branche hineingeboren. Sie sei extra für die Kundgebung aus Dortmund angereist, erzählt eine Teilnehmerin, deren Urgroßmutter bereits als Schaustellerin tätig war. Ihre Zukunft hänge nun davon ab, dass sie mit ihren Fahrgeschäften bald wieder auf Volksfeste dürfe, sagt sie. Wie die meisten der insgesamt 400 Teilnehmer hat auch sie ein weißes T-Shirt an. Die Schausteller und Marktkaufleute wollen zeigen, dass sie zusammenhalten.

Darum geht es auch auf der Bühne vor der Feldherrnhalle. Nicht nur Politiker wie Wiesn-Stadträtin Anja Berger (Grüne) oder der Landtagsabgeordnete Albert Duin (FDP), der, wie er sagt, endlich wieder Party machen will, sprechen den Schaustellern Mut zu. Auch die 103-jährige Gertrud Sperlich, die aus einer Zirkusfamilie kommt, sagt, dass die Schausteller und Marktkaufleute es schaffen könnten, wenn sie zusammenhielten.

Aus Sicht vieler Betroffener braucht es jedoch etwas mehr als Zusammenhalt, um nach der Corona-Krise noch da zu sein. "1,50 Meter vor dem Abgrund" steht auf einem Lebkuchenherz. Sie fordern Lockerungen, um "das Kulturgut Volksfeste, Märkte und Dulten" zu erhalten. Sie wollen gleichgestellt werden mit dem Einzelhandel, der Gastronomie oder Freizeitparks. Auf dem Odeonsplatz verspricht Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler), sich für sie einzusetzen. "Ihr seid systemrelevant, weil ihr Lebensfreude produziert", ruft er. Man dürfe dem Virus nicht das gesellschaftliche Leben opfern. Aiwanger will zur "gesellschaftlichen Normalität" zurückkehren, dazu gehören für ihn auch Weihnachtsmärkte. Er werde alles in seiner Macht stehende tun, damit sie in diesem Jahr stattfinden können.

Wenzel Bradac, der Präsident des Bayerischen Landesverbands der Marktkaufleute und Schausteller, will bald wieder zwei Worte in Bayern hören: "Ozapft is". Dass Großveranstaltungen bis Ende Oktober verboten wurden, sieht er als "existenzvernichtende Entscheidung". Maßnahmen wie der in München geplante "Sommer in der Stadt" ersetzten nicht die abgesagten Volksfeste. Er fordert deshalb neben weiteren Lockerungen einen Rettungsschirm.

Vor der Kundgebung waren die Schausteller und Marktkaufleute mit rund 200 Fahrzeugen von der Theresienwiese zum Odeonsplatz gezogen. Der Korso durch die Innenstadt verursachte massive Staus. Bei der Polizei gingen viele Beschwerden ein, auch weil die Teilnehmer der Kolonne hupend durch die Straßen fuhren, was die Polizei jedoch als "veranstaltungskonform" bezeichnete. Bereits am Vormittag hatten einige Schausteller für Aufmerksamkeit gesorgt, die mit ihren Lastwagen hupend zur Theresienwiese fuhren, wo vor dem Korso eine Fahrzeugschau stattfand. Die Polizei war mit dem Ablauf der Demonstration dennoch zufrieden; auch im Hinblick auf die Corona-Auflagen habe es keine Probleme gegeben.

© SZ.de/amm/imei
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