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Demonstration:München setzt ein starkes Zeichen gegen rechts

Dem Aufruf des Bündnisses "München ist bunt" sind rund 1500 Münchner gefolgt.

(Foto: Robert Haas)
  • 1500 Demonstranten setzen auf dem Sankt-Jakobs-Platz ein Zeichen gegen rechts.
  • Ursprünglich war die Kundgebung als Gegendemonstration zu einer Pegida-Veranstaltung geplant - diese wurde jedoch kurzfristig abgesagt.
  • Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde zeigte sich beeindruckt vom "Aufschrei der Gesellschaft", der klarmache, dass München sein jüdisches Leben schütze.

Mit dem Entzünden der Schabbatkerzen und einem Gebet in der Synagoge haben die Mitglieder der Israelitischen Kultusgemeinde am Freitagabend den Beginn des Schabbat gefeiert - so wie es seit dem Mittelalter zum jüdischen Leben in München gehört. Und so, wie es in den vergangenen Jahrzehnten wieder selbstverständlicher Teil des städtischen Lebens geworden ist.

Außergewöhnlich war, wie voll der Sankt-Jakobs-Platz an diesem Freitag war: Mehr als 1500 Menschen waren laut offizieller Zählung der Polizei einem Aufruf des Bündnisses "München ist bunt" gefolgt, um deutlich zu machen, dass Judenhass keinen Platz hat in der Stadt. Der ursprüngliche Anlass hatte sich da schon erledigt: Heinz Meyer, der Chef der Münchner Pegida, hatte vor den Toren der Hauptsynagoge zum Beginn des Schabbat eine Kundgebung mit dem Titel "Beschneidung von Säuglingen und Kindern verbieten" geplant.

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Der Termin war offenbar bewusst gewählt: am jüdischen Feiertag vor dem Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz durch die Rote Armee vor 75 Jahren. Doch der von den deutschen Sicherheitsbehörden als rechtsextremer Gefährder eingestufte Meyer gab seine Pläne offenbar unter dem Eindruck des sich ankündigenden Widerstands der Münchner Zivilgesellschaft auf.

Dass dennoch so viele Münchner zur Gegendemonstration gekommen seien, zeige, dass es nicht nur darum gehe, gegen Pegida zu demonstrieren, sagte Micky Wenngatz, die Vorsitzende des Vereins "München ist bunt". Es gehe darum, "in Schulterschluss zu gehen gegen alle, die meinen, den Antisemitismus wieder nach vorne treiben zu müssen, die meinen, gegen Menschen hetzen zu müssen, und die meinen, Menschen diskriminieren, einsperren und töten zu müssen".

"Ich hätte gerne, dass jeder von Ihnen mal hier rauf kommt und sieht, was es heißt: München ist bunt", sagte Charlotte Knobloch von der Rednerbühne aus. Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde war bewegt angesichts der vielen Menschen auf dem Jakobsplatz. "Ich sehe, was ich mir immer gewünscht habe: den Aufschrei der Gesellschaft. Mit Ihrer Anwesenheit heute machen sie eines ganz klar: Judenhass hat in unserer Stadt keinen Platz. München ist bunt. Und München schätzt und schützt sein jüdisches Leben, seine jüdische Gemeinschaft und seine jüdischen Menschen."

Gleichwohl kritisierte Knobloch, dass die Gesetze nicht ausreichten, um eine antisemitische Kundgebung in der Nähe der Synagoge zu verbieten. "Wenn die Gruppe sich nicht zur Absage durchgerungen hätte, dann würde genau jetzt in unmittelbarer Hörweite von hier übelster Judenhass verbreitet werden." Den Worten zur Bekämpfung von Judenhass hätten Taten und damit ein Verbot folgen müssen.

© SZ vom 25.01.2020/lfr
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