Süddeutsche Zeitung

Kundgebung in München:Demo gegen rechts: Veranstalter rechnen mit mehr als 30 000 Menschen

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Am Sonntag rufen 230 Organisationen zum Protest gegen Rechtsextremismus auf. Vom Siegestor wollen die Demonstranten zum Haus der Burschenschaft Danubia ziehen. Musikalische Unterstützung kommt aus Berlin.

Von Martin Bernstein und Stephan Handel

Voraussichtlich Tausende Menschen, darunter auch Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter, werden an der großen Demo gegen rechts am Sonntagnachmittag teilnehmen. "Ich geh hin - Ihr auch?", schreibt Reiter auf seinem Facebook-Account über dem Logo der Demonstration. Auf die Bühne gehen wird Reiter allerdings nicht, die Veranstalter wollen Demo und Kundgebung explizit als Auftritt der Münchner Zivilgesellschaft verstanden wissen, weshalb auch keine politischen Parteien zur Demo aufrufen.

Die Zahl der aufrufenden Organisationen ist mittlerweile auf 230 gestiegen. Die Polizei erwartet 25 000 Teilnehmer, die Organisatoren rechnen mit deutlich mehr als 30 000. Die Demonstration beginnt am Sonntag um 14 Uhr am Siegestor. Der Aufbau von Bühne und Lautsprecher-Anlage soll um 10 Uhr starten, je nachdem, wie dieser voranschreitet und wie stark der Teilnehmer-Zustrom ist, wird die Polizei im Laufe des Vormittags die Leopoldstraße absperren und den Verkehr über die umliegenden Straßen ableiten.

Für die Auftaktkundgebung ist eine Stunde angesetzt. Danach setzt sich der Zug in Bewegung und marschiert zunächst über die Leopoldstraße in nördlicher Richtung, also stadtauswärts, biegt an der Münchner Freiheit in die Ungererstraße ein und zieht dann nach links in die Potsdamer Straße. Hier steht das Haus der Burschenschaft Danubia, deren Aktivitas vom bayerischen Verfassungsschutz als rechtsextremistisch eingeschätzt wird. Die Veranstalter hatten zunächst darüber nachgedacht, hier für eine Zwischenkundgebung anzuhalten, ließen mittlerweile aber davon ab. Die Polizei wird das Haus der Burschenschaft mit Gittersperren und durch Beamte schützen und kündigt an, Gesetzesverstöße konsequent zu verfolgen und zu ahnden - auch wenn sie nicht mit Ausschreitungen rechnet. Insgesamt werden mehr als 400 Polizisten im Einsatz sein.

Wo die Potsdamer in die Rheinstraße übergeht, trifft der Zug wieder auf die Leopoldstraße und folgt dieser nun wieder stadteinwärts, bis er erneut am Siegestor angekommen ist. Dort gibt es noch eine Abschlusskundgebung. Wie lange Kundgebungen und Demonstration insgesamt dauern, lässt sich nicht sagen, weil niemand weiß, wie schnell die Teilnehmer marschieren und wie sehr sich das Tempo vor dem Danuben-Haus verlangsamen wird.

Neben den Sprechern werden auch verschiedene Musikgruppen die Bühne entern - unter anderem die Berliner Crossover-Band Kafvka und die Rapperin Ebow mit dem DJ Mindsight.

"In diesen Zeiten ist es egal, ob wir überall einer Meinung sind", sagt Mitorganisator Luc Ouali, "ob man Aktivistin, Busfahrer oder Priester ist, es geht um den größten Schulterschluss gegen rechts." Auslöser für den Aufruf war eine Veröffentlichung des Recherchenetzwerks Correctiv am vergangenen Freitag, in dem von einem Treffen von Rechtsextremisten in einem Hotel bei Potsdam berichtet wurde. Dort soll unter anderem beraten worden sein, wie Menschen mit Migrationshintergrund ins Ausland deportiert werden könnten - auch solche mit deutschem Pass.

Zum Auftakt und Abschluss sollen insgesamt sieben Reden gehalten werden. Dabei wird es um Themen wie Flucht und Migration inklusive Deportation, rechtem Terror, rechter Mainstream-Politik, Zivilcourage und AfD-Verbot gehen.

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