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Wirtschaft:Der Ikea der Sportgeschäfte

Decathlon am Stachus schließt. Stachus Passagen

Der Decathlon-Store in den Stachus-Passagen mit wenigen hundert Quadratmetern Verkaufsfläche wird nun von der zehn Mal größeren Filiale im Elisenhof abgelöst.

(Foto: Florian Peljak)

Decathlon eröffnet bald eine neue Filiale im Elisenhof. Binnen weniger Jahre hat es das Unternehmen auf 20 000 Quadratmeter Verkaufsfläche in München geschafft. Die Konkurrenz gibt sich dennoch gelassen.

Von Christian Rost

Das Unternehmen wird als Aldi oder Ikea des Sports bezeichnet und hat sich von Frankreich aus in Europa ausgebreitet: Decathlon mit einem Angebot von Sportkleidung, die so günstig, aber offenbar auch so attraktiv ist, dass sie kiloweise aus den Läden fortgetragen wird. Und Equipment für alle erdenklichen Aktivitäten in Sport und Freizeit vorhält, das offenbar trotz der erstaunlichen Preise taugt. Nun drängt das Unternehmen, das Hersteller und Händler zugleich ist, mit Macht in den Münchner Raum. Ein optimales Gebiet sei das für die Expansion, sagt der Manager für Süddeutschland, Stefan Kaiser. Bald gibt es drei große Filialen von Decathlon in der Stadt, und im Frühjahr wird eine weitere in Unterföhring eröffnet mit 7000 Quadratmetern Verkaufsfläche.

Die Berge, die Seen, überhaupt die tolle Umgebung und die hohe Kaufkraft in der Region - das sei ein interessanter Markt, sagt Kaiser. Am 3. Dezember wird Decathlon seine neue Filiale im Elisenhof am Hauptbahnhof einweihen und damit den Sportartikelmarkt in München weiter aufrollen. Platzhirsche in diesem Segment wie Sport Schuster sehen die Konkurrenz trotz des Expansionsdrangs gelassen: "Nicht alles, was Räder hat, ist von Gott gegeben", sagt Geschäftsführer Flori Schuster über den neuen Akteur in seinem Stammgebiet.

In den Nachbarländern Frankreich und Italien stehen seit Jahrzehnten Decathlon-Hallen in eher abgelegenen Gewerbegebieten, um auf großen Verkaufsflächen das Equipment für Camping, Tennis, Ski und alle anderen Sport- und Freizeitarten unter die Masse zu bringen. Da gibt es schicke Rucksäcke und Strandtücher für wenige Euro, und Zelte wurden in der Pandemie-Zeit während des Camping-Booms für einen Bruchteil dessen auf den Markt geworfen, was etablierte Sport- und Freizeitartikelhändler als Preise aufriefen.

Als Sportartikelhändler "am Autobahnkreuz" wurde das französische Unternehmen lange in Deutschland abgetan, weil die Läden eher abgelegen standen. Wie die Hallen von Ikea. "Der Vergleich mit Ikea gefällt mir ganz gut", sagt Expansionsstratege Kaiser. Denn auch Decathlon wolle "die Menschen begeistern" und "den Markt aufrollen", so wie einst der Möbelriese aus Schweden. "Wir verändern das Segment." Nun aber nicht mehr nur vom Autobahnkreuz aus.

Neuerdings drängt die Firma in die Innenstädte. Seit fünf Jahren richtet Decathlon auch vergleichsweise kleine Läden in Zentrumsnähe ein. So den Store in den Stachus-Passagen mit wenigen hundert Quadratmetern Verkaufsfläche. Dieses Geschäft wird nun von dem zehnmal größeren Geschäft im Elisenhof abgelöst. Damit kommt Decathlon in München nun schon binnen weniger Jahre auf mehr als 20 000 Quadratmeter Verkaufsfläche: An der Schwanthalerhöhe gibt es bereits einen Laden, im Mona in Moosach, im Umland in Erding und bald auch in Unterföhring. Im Frühjahr folgen Eröffnungen in Rosenheim und Augsburg.

Wolfgang Fischer vom Münchner Stadtmarketingverein City-Partner beobachtet, dass "der Kuchen im Sportartikelhandel" durch Decathlon "kleiner wird". Er ist sich aber sicher, dass die etablierten Münchner Händler wie Sport Scheck und Schuster sich behaupten werden. Wer hochwertige Ausrüstung brauche, werde sich weiter an den Markengeschäften orientieren, meint Fischer. Das sagt natürlich auch Flori Schuster vom gleichnamigen Sporthaus. Es habe früher schon Versuche gegeben, zum Beispiel Inlineskater an Tankstellen zu verkaufen. "So etwas hat uns nicht umgebracht, weil die Leute mit dieser Ausrüstung nicht glücklich geworden sind." Es gebe eben Aldi, und es gebe Dallmayr und Käfer - dasselbe gelte für den Sportartikelhandel, sagt Schuster selbstbewusst.

Zu Sport Schuster gehört seit einigen Jahren auch Sport Münzinger, das traditionsreiche Geschäft am Marienplatz, das sich zuletzt auf Fußballfanartikel spezialisiert hat. Es wird abgewickelt und geschlossen. Die Pandemie ist ein Grund für den Niedergang, ein anderer aber nicht etwa die Konkurrenz von globalen Billigheimern, sondern der Wettbewerber um die Ecke: Der FC Bayern hat in gut 100 Metern Entfernung seinen Fan-Store eingerichtet. Flori Schuster nimmt es sportlich: Egal ob Schuster, Scheck, Decathlon oder die Bayern - gewinnen solle der, der die Emotionen der Kunden am besten bediene.

© SZ vom 25.11.2020/wean/van
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