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Konzert in München:Hasselhoff besingt die Freiheit vor freien Sitzen

David Hasselhoff Konzert München

David Hasselhoff in der Münchner Olympiahalle.

(Foto: Robert Haas)

In der Olympiahalle feiert David Hasselhoff den Fall der Berliner Mauer vor 30 Jahren. Die Stimmung stimmt, doch sein Kultstatus scheint zu schwinden.

Zwei Worte: dreißig Jahre. Thirty Years. David Hasselhoff sagt sie bei seinem Konzert in der Olympiahalle immer wieder. Schließlich gibt es genau das auf der aktuellen Tour zu feiern: 30 Jahre "Looking For Freedom", seinen berühmtesten Song und sein erfolgreichstes Album, das 1989 das meistverkaufte in Deutschland war. "Freedom! The Journey Continues" heißt darauf anspielend auch die aktuelle Tour, die das Wiederhören alter Hits verspricht, mit dem neuen Cover-Album "Open Your Eyes" aber noch einen weiteren Grund hat. Darauf überrascht der 67-Jährige mit Indiepop und Postpunk von Bands wie Modern English oder The Jesus And Mary Chain und breitet ansonsten mit Country, Swing oder Schlager eine musikalische Wundertüte aus.

Das gilt auch für das Konzert, das mit Ausschnitten aus den Hasselhoff-Serien "Knight Rider" und "Baywatch" sowie aus alten Musikvideos beginnt. Dann Nebel, ein Mann mit Lederjacke im Halbdunkel auf der Bühne. David Hasselhoff? Nein. Spot on, The Hoff fährt im Glitzerjackett mitten im Publikum auf einer Hebebühne hoch und singt "Here I Go Again" von Whitesnake. Eine gelungene Überraschung und ein programmatisch ausgewählter Song. Denn dass die Mauer vor 30 Jahren gefallen ist, David Hasselhoff aber immer noch auf der Bühne steht, das ist so etwas wie die Grundbotschaft des mehr als zweistündigen Reigens.

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Und überhaupt: Hat er nicht selbst damals mit seinem legendären Auftritt an der Mauer, wo er mit blinkender Lederjacke und Klavierschal "Looking For Freedom" sang, diese mit zum Einsturz gebracht? Nein, wir alle waren es. "We broke down the wall", sagt Hasselhoff zur Mitte des Konzerts, bei dem man auch im Publikum ein paar blinkende Lederjacken sieht. Und zum Teil auch rote Rettungsbojen, wie sie The Hoff als Rettungsschwimmer in "Baywatch" benutzt hat.

Was aber auch auffällt: Die Halle ist halb leer. Der Kultstatus scheint doch etwas geschwunden, was der Stimmung aber keinen Abbruch tut. Die ist von Anfang an gut, genauso wie die Stimme von The Hoff, der auf der Bühne von sechs Musikern und drei Sängerinnen begleitet wird. Gemeinsam spielen sie nach Whitesnake "Jump In My Car" und "Hot Shot City" als solide Rocknummern, zu denen Hasselhoff nun eine schwarze Lederjacke trägt. Musikalisch spannender wird es dann mit "Head On" von The Jesus And Mary Chain und "I Melt With You" von Modern English, die Hasselhoff überzeugend rüberbringt.

Der Rest ist ein wildes Potpourri mit Songs von Neil Diamond, Udo Jürgens, The Rat Pack oder David Bowie, und eigenen Stücken, bei denen das flotte "True Survivor" positiv auffällt. "Summer Go Away" singt er mit, Überraschung: Blümchen, die plötzlich mit gelbleuchtenden Strümpfen auf der Bühne steht. Weitere Einlagen: Hasselhoff zeigt seinen nackten Rücken, auf dem "Don't Hassel The Hoff" tätowiert ist, und bei "Do The Limbo Dance" lässt er ausgesuchte Fans unter einer Limbo-Stange durchtanzen. Und "Looking For Freedom"? Das gibt es, klar, als gefeierten Höhepunkt zum Schluss: mit Blink-Jacke, Klavierschal, Hebebühne und Videobildern vom historischen Berlin-Auftritt. "Thirty Years", sagt Hasselhoff dann noch einmal und singt kurz zum Playback von Peter Maffays "Du". Etwas kitschig, ja, aber The Hoff, der darf das.

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