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Moosach - Dachau:In der Seilbahn dem Stau entschweben

In La Paz, Bolivien, überwinden Seilbahnen der Firma Doppelmayr aus Innsbruck Täler und Höhen.

(Foto: oh)
  • In Dachau wird konkret über den Bau einer Seilbahn nachgedacht.
  • In Frage kommt eine Verbindung vom Dachauer Bahnhof zur U-Bahnlinie 3 nach Moosach mit Halt in Karlsfeld.
  • Für dieses Ziel soll nun eine konkrete Linienführung mit Haltestellen erarbeitet werden.

Dem Stau, den ausfallenden S-Bahnen und verspäteten Bussen einfach entschweben - das ist die Vision einer Seilbahn für den öffentlichen Nahverkehr. In Dachau nehmen Stadträte diese alternative Transportform ernst. Sie hatten das Verkehrsplanungsbüro PTV Group beauftragt, mögliche Trassen und die potenzielle Nachfrage zu prüfen. Am Ende blieb eine Trasse übrig, die den Stadträten im Umwelt- und Verkehrsausschuss lohnenswert erschien: eine Verbindung vom Dachauer Bahnhof zur U-Bahnlinie 3 nach Moosach mit Halt in Karlsfeld. Für dieses Ziel soll die PTV Group eine konkrete Linienführung mit Haltestellen erarbeiten. Mitgeprüft werden soll eine Verbindung zur KZ-Gedenkstätte.

Auftrieb gab dem Thema ein Vorstoß des Münchner Oberbürgermeisters Dieter Reiter (SPD), der zusammen mit der damaligen bayerischen Verkehrsministerin Ilse Aigner (CSU) und der Schörghuber Unternehmensgruppe eine kleinere Trasse am Frankfurter Ring vorstellte. Der Münchner Stadtrat war zu diesem Zeitpunkt noch nicht eingebunden - in Dachau gab es bereits den Stadtratsbeschluss zur Prüfung. Wie es nun aussieht, hat Dachau weiter die Nase vorn, zumindest in der Planung. Fünf mögliche Trassen hatten die Planer geprüft. Eine zur U2 nach Feldmoching, eine zur U3 Moosach - an beiden Stationen hält auch die S-Bahnlinie 1. Eine weitere Trasse Richtung Oberschleißheim zur S-Bahnlinie 1 mit möglicher Verlängerung bis nach Ismaning zur S8 sowie eine Verbindung nach Fürstenfeldbruck und schließlich eine kurze Strecke von der Breitenau zum Dachauer Bahnhof.

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Eine nur geringe Auslastung bescheinigte Rimbert Schürmann von der PTV Group bei seinem Vortrag in der Dachauer Ausschusssitzung einer Verbindung nach Fürstenfeldbruck. Schon höher bewertete der Verkehrsfachmann die Nachfrage an einer Tangentialverbindung zwischen den S-Bahnlinien 2 und 1, also zwischen Dachau und Oberschleißheim. Allerdings sollen die Bundesstraße 471 sowie die Ringautobahn weiter ausgebaut werden. Jedoch wird das noch viele Jahre dauern. Potenzial für eine Weiterführung der Seilbahn von Oberschleißheim zur S 8 nach Ismaning sehen die Planer kaum.

Offensichtlich gut und auch gerne angenommen wird die Busverbindung nach Feldmoching. Denn für eine Seilbahn Richtung Feldmoching und Forschungs- und Innovationszentrum FIZ beim Autobauer BMW sahen die Verkehrsplaner am wenigsten Bedarf. Allerdings, so räumte Schürmann auf Nachfrage ein, hatte das Büro nicht den Ausbau des FIZ mitberechnet. Im Münchner Norden sollen Tausende neue Arbeitsplätze entstehen. Trotzdem, so sein Ergebnis, werde grundsätzlich die U 3 lieber als Einstieg ins Münchner U-Bahn-Netz genutzt als die U 2.

Auch nach Moosach besteht eine Busverbindung. Allerdings würde nicht einmal eine Taktverdichtung der Buslinie 710 auf alle drei Minuten soviel nachgefragt werden, wie eine Seilbahnverbindung. Hingegen würden Fahrgäste Richtung Feldmoching den Bus 172 noch stärker nutzen, wenn er öfter führe. Etwa 1300 Menschen würden laut Analyse eine Seilbahnverbindung nach Moosach nutzen - im Vergleich zu 200 nach Feldmoching. Es wären noch viel mehr an Tagen, an denen der Bus 710 Verspätung hat - weil er etwa im Stau steht. Sämtliche Berechnungen basierten übrigens, wie Schürmann lächelnd anmerkte, auf der Annahme, dass die S-Bahn pünktlich fährt und der Zehn-Minuten-Takt im Berufsverkehr eingehalten wird - was nahezu täglich nicht der Fall ist.

Die Dachauer Stadträte folgten klar der Empfehlung Schürmanns und entschieden, die Trasse nach Moosach weiterzuverfolgen. Die PTV Group soll nun also darstellen, wie die Linie geführt werden könnte, wo sie über öffentlichen Grund, wo vielleicht über Privatgrund führen müsste und wo Haltestellen sinnvoll sind. Zudem wurde beschlossen eine Verbindung zur KZ-Gedenkstätte Dachau zu prüfen, Schürmann sieht darin großes Potenzial.

Einfach wird das Projekt nicht. Es fehlen Vorgaben für Bau und Genehmigung, unklar ist, wer der Betreiber sein soll. Für Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) ist klar: "Die Seilbahn muss in den Nahverkehr integriert sein." Er hofft, dass urbane Seilbahntrassen irgendwann nach dem Prinzip von Hochspannungsleitungen genehmigt werden. Noch ist der Prozess zu neu, um schon rechtlich geregelt zu sein.

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