Wissenschaft in MünchenCSU fordert Absage von Nahost-Veranstaltung an der LMU

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Erneut in der Kritik: die Ludwig-Maximilians-Universität – hier der Blick aus dem Hauptgebäude auf den Geschwister-Scholl-Platz.
Erneut in der Kritik: die Ludwig-Maximilians-Universität – hier der Blick aus dem Hauptgebäude auf den Geschwister-Scholl-Platz. (Foto: Alessandra Schellnegger)
  • Die CSU-Landtagsfraktion fordert die LMU auf, eine geplante Nahost-Veranstaltung am 28. November mit palästinensischen Wissenschaftlern abzusetzen.
  • Die Politiker befürchten eine einseitige Stoßrichtung und kritisieren Äußerungen der Referenten über ein israelisches „Gefängnisregime“ und „genozidale Kriegsmaschinerie“.
  • Die LMU prüft bereits intensiv alle rechtlichen, wissenschaftlichen und politischen Aspekte der Veranstaltung und will zeitnah über die Ergebnisse informieren.
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Ende November will das Uni-Institut für den Nahen und Mittleren Osten mit palästinensischen Wissenschaftlern diskutieren. Die CSU-Landtagsfraktion befürchtet eine „einseitige Stoßrichtung“ und ein Forum für Antisemitismus.

Die CSU im Bayerischen Landtag fordert die Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) auf, eine Veranstaltung zum Nahost-Konflikt zumindest vorübergehend abzusetzen. Das Programm und die Redner müssten umfassend geprüft werden, bis zum Abschluss dieser Prüfung solle die Veranstaltung nicht an der Münchner Uni stattfinden, heißt es in einer Pressemitteilung, die die Fraktion am Sonntag verschickt hat. Die Politiker schließen sich damit einer Forderung jüdischer Hochschullehrer an.

Das LMU-Institut für den Nahen und Mittleren Osten plant demnach für den 28. November eine mehrstündige Veranstaltung unter dem Titel „The Targeting of the Palestinian Academia“. Dabei sollen Wissenschaftler der palästinensischen Universitäten Birzeit (nahe Ramallah) und Al Quds (Jerusalem) zu Wort kommen.

„Nicht nur die Themen einiger Vorträge, auch Äußerungen der eingeladenen Gäste lassen an der einseitigen Stoßrichtung der Veranstaltung keine Zweifel“, sagte CSU-Fraktionschef Klaus Holetschek. „Wenn Referenten von einem israelischen ‚Gefängnisregime‘ fabulieren, ‚unnachgiebige Gewalt‘ beklagen und dem Staat Israel eine ‚genozidale Kriegsmaschinerie‘ vorwerfen, ist eine sachliche wissenschaftliche Auseinandersetzung nicht ansatzweise in Sicht.“

Ludwig Spaenle, Antisemitismus-Beauftragter der Staatsregierung und Münchner Abgeordneter, ergänzte: „Weltweit versuchen antisemitische und extremistische Gruppen, Universitäten für ihre Zwecke zu missbrauchen. In Bayern müssen wir uns dieser Polarisierung mit aller Macht entgegenstellen.“

Die LMU will „alle rechtlichen, wissenschaftlichen und politischen Aspekte“ prüfen

Eine Sprecherin der LMU erklärte auf Anfrage, die Hochschulleitung habe Kenntnis von der Kritik an der Veranstaltung. „Die Prüfung läuft bereits intensiv und umfasst alle rechtlichen, wissenschaftlichen und politischen Aspekte“, erläuterte sie. Die Ergebnisse der Prüfung werde man „zeitnah“ mitteilen.

Die Suchmaschine Google zeigte am Sonntagnachmittag als einen Treffer einen Veranstaltungshinweis auf der LMU-Homepage an. Allerdings führte der Link auf eine leere Seite. Auch im Veranstaltungskalender des Nahost-Instituts der LMU gab es keinen Eintrag für den 28. November. Ob der Terminhinweis als Reaktion auf die Kritik aus dem Internet genommen wurde oder die Veranstaltung gar schon abgesagt ist, blieb zunächst offen. Sie habe dazu keine Informationen, sagte die Uni-Sprecherin.

Die CSU-Landtagsabgeordneten hatten die Argumentation aufgegriffen, mit der sich zuvor das Netzwerk jüdischer Hochschullehrender in einem offenen Brief unter anderem an die Hochschule gewandt hatte. Sie beklagen in dem Schreiben unter anderem eine angeblich fehlende wissenschaftliche Balance der geplanten Veranstaltung.

Die renommierte LMU war bereits in der Vergangenheit mehrmals in die Schlagzeilen geraten, weil vor ihrem Hauptgebäude über viele Wochen ein pro-palästinensisches Protestcamp abgehalten worden war. Aktivistinnen und Aktivisten hatten damit ihren Protest gegen das Vorgehen der israelischen Regierung im Gazastreifen zum Ausdruck gebracht.

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