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CSU vor der Bundestagswahl:"Wir werden kämpfen und die Grünen stellen"

Pullach: BUNDESTAGSWAHL - KVR - Wahlparty Michael Kuffer

Michael Kuffer setzte sich bei der digitalen Abstimmung des Bezirksvorstands als erster durch (Archivbild).

(Foto: Johannes Simon)

Bei der Entscheidung der Münchner CSU über die Reihenfolge ihrer Bundestagskandidaten zeigt sich, wie sehr der Wettbewerb mit den Grünen die Partei auch hier unter Druck setzt.

Von Heiner Effern

In guten Zeiten hat so etwas Banales wie eine interne Reihung von Bundestagskandidaten in der CSU eher am Rande interessiert. Da sollte ein gestandener Bewerber das Direktmandat schon gewinnen. Und wenn es schief ging, was hauptsächlich im Münchner Norden möglich war, galt das als Betriebsunfall in einem starken SPD-Umfeld. Doch die guten Zeiten sind weit entfernt von der Union, und damit auch von der CSU.

Der Hauptgegner sind nach eigener Einschätzung nun die Grünen, und erste - noch unsichere - Prognosen zeigen vier Münchner Wahlkreise, die alle grün leuchten. Das zehrt am Selbstbewusstsein, und das dürfte auch dazu geführt haben, dass die Mitglieder des Bezirksvorstands am Montag ihr digitales Abstimmungstool rege nutzen konnten. Am Ende setzte sich Michael Kuffer (Süden) vor Stephan Pilsinger (Westen), Bernhard Loos (Norden) und Bernd Fabritius (tritt nicht als Direktkandidat an) durch.

Der Münchner Bezirksvize und designierte Chef des Verbands, Georg Eisenreich, stimmt seine Parteifreunde auf einen heißen Sommer ein. "In allen vier Wahlkreisen wird es eng. Aber wir werden kämpfen und die Grünen stellen." Ziel sei es, alle vier Wahlkreise zu gewinnen. Doch die vergangene Landtagswahl hat den Grünen gezeigt, wie schlagbar die CSU in München ist. Fünf von neun Direktmandaten gingen an die Umweltpartei. Das liegt der Gedanke für einen CSU-Kandidaten nicht fern, dass ein Netz für die Bundestagswahl im September nicht schlecht sein könnte. Auch wenn noch längst nicht gesagt ist, dass die Münchner ihre Kandidaten auf der Landesliste gut unterbringen können.

Insofern könnte es nicht schaden, dachte sich Kuffer, in München an der Spitze zu stehen. Da aber Loos aus dem ohnehin für die CSU schwierigen Norden den gleichen Gedanken hatte, kam es gleich zu einem ersten Duell. Kuffer siegte mit 16 zu 8 Stimmen. "Ich freue mich über das Vertrauen", sagte er, aber nun gehe es darum, die Herausforderung um den Kampf um das Direktmandat anzunehmen. "Das wird ein harter Kampf, keine Frage." Wie die Fronten verlaufen werden, weiß Kuffer schon. "Eine moderne konservative Politik gegen betonierte grüne Ideologie." Allerdings spielt in der Partie noch wer mit, bei dem er nicht sicher ist, wem er letztlich nützt: CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet. "Ich hoffe, er trifft nun die richtigen Entscheidungen", sagte Kuffer. Falls nicht, gelte es, "den negativen Trend der CDU wegzudrücken".

Beim internen Konkurrenten Loos ist ihm das relativ deutlich gelungen, doch der ließ sich nicht entmutigen und griff auch den vom engeren Führungszirkel ebenfalls gesetzten Pilsinger auf Nummer zwei an. Wieder vergeblich, doch diesmal verlor Loos dramatisch knapp mit 12 zu 13. Pilsinger wollte zwar die Bedeutung nicht zu hoch hängen, weil er nicht so recht glaubt, dass diese bei einem sehr schlechten CSU-Ergebnis noch viel rettet. "Das wäre ein Blick in die Glaskugel." Er habe für sich abgewogen, nicht auf Nummer eins zu gehen. "Was hätte das für ein Außenbild abgegeben, wenn da drei kandidiert hätten." Aber schlechter positioniert als 2017 wollte er eben auch nicht sein. Auch wenn er das Sicherheitsnetz Landesliste nicht für sehr zuverlässig hält, nehme man eben "alles mit, was geht".

"Einer muss gewinnen, das ist kollegial gelaufen", kommentierte Loos. Er sei "nicht in Panik", das Direktmandat sei machbar. Wenn in anderen Wahlkreisen die Lage in den Prognosen noch schwieriger sei als im Norden, drängten die Kandidaten eben auf der Liste nach vorne. Einen ganz anderen Weg für sich wählte der vierte erfolgreiche Direktkandidat der CSU aus dem Jahr 2017, Wolfgang Stefinger. Er verzichte auf einen Platz auf der Landesliste, hatte er am Freitag erklärt. "Die Erststimme ist die Personenstimme und für mich zählt das Votum der Bürgerinnen und Bürger." Er wolle mit seiner Haltung nicht nur mehr persönliche Freiheit bei den Entscheidungen im Bundestag erreichen, sondern ausdrücklich auch das Bemühen von Parteichef Markus Söder unterstützen, die Liste ausgeglichen mit Frauen und Männern zu besetzen. Er würde sich freuen, wenn statt ihm eine Frau auf der Liste platziert werde.

Im Kampf um die Bundestagsmandate ist die Münchner CSU zuletzt nicht mit großer Frauenförderung aufgefallen. 2017 kandidierten vier Männer, 2021 tritt das gleiche Quartett wieder an. Der Bezirksvorstand nominierte nun vier Frauen für Listenplätze. Auf Nummer eins wählten die Mitglieder Stadträtin Ulrike Grimm, die Vorsitzende der Münchner Frauenunion. Dahinter reihen sich Michelle Fall,Spitzenkandidatin der Jungen Union, die ehemalige Stadträtin Anja Burkhardt und die frühere Landtagskandidatin Tina Pickert ein.

© SZ vom 11.05.2021/syn
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