Es ist ein Ortswechsel in prominentester Münchner Lage: Das Straßenfest zum Christopher-Street-Day (CSD) zieht vom Marienplatz in die Ludwigstraße. Statt wie bisher vor dem Neuen Rathaus und in den umliegenden Straßen sollen die Bühne, Infostände und gastronomische Angebote dieses Jahr zwischen Odeonsplatz und Siegestor stehen. Dort also, wo regelmäßig Großveranstaltungen wie die Silvestermeile, die Auto-Show IAA Mobility oder das Zamanand-Festival stattfinden. Die Route der CSD-Parade mit in jedem Jahr Hunderttausenden Besuchern ist davon nicht betroffen. Mit der Parade wird jedes Jahr für die Rechte von queeren Menschen, also lesbischen, schwulen und bisexuellen sowie von trans Individuen, demonstriert.
Der CSD-Trägerverein hat die Umzugspläne bisher nicht öffentlich kommuniziert, wohl aber die Standbetreiber in einer Info-Mail Anfang Februar über den Schritt informiert. Die E-Mail, aus der zuerst die Abendzeitung zitierte, liegt der SZ vor. Als Hauptgrund für den Umzug werden die „seit Jahren immer weiter anziehenden Sicherheitsauflagen“ genannt. Was das Straßenfest angehe, bezögen sich diese in erster Linie auf das Vorbeugen von Überfüllungen auf dem Marienplatz. In den vergangenen Jahren wurde das Straßenfest daher auch unter anderem auf den Odeonsplatz und Rindermarkt ausgeweitet.
Nun kosten Sicherheitsmaßnahmen wie Personal, Zäune oder Einlassbeschränkungen einerseits Geld – und machten den Marienplatz andererseits unattraktiv. Im vergangenen Jahr „war der Marienplatz am Samstag bestenfalls kurzfristig zu zwei Dritteln gefüllt“, heißt es in der E-Mail. Am Folgetag, der 2025 erstaunlich heiß ausfiel, sei der Platz zeitweise fast leer gewesen, zum Leidwesen der auftretenden Künstler. „Unter solchen Bedingungen ergibt es leider keinen Sinn mehr, den Marienplatz zu bespielen.“
Auf Anfrage bestätigt der Trägerverein des Münchner CSD die Umzugspläne für das Straßenfest. Weil man über dessen genaue Ausgestaltung allerdings nach wie vor mit dem städtischen Kreisverwaltungsreferat (KVR) verhandele, könne man derzeit dazu auch nicht mehr sagen. Dem Vernehmen nach ist aber der Standortwechsel in trockenen Tüchern.
Die Umzugspläne kursieren in der queeren Community schon seit spätestens Ende Januar – zumindest unter den Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren und deren Vereine für einen Infostand auf dem Straßenfest infrage kommen. Öffentlich diskutiert wurde über die Pläne auch schon bei einer anlässlich der bevorstehenden Kommunalwahl veranstalteten Podiumsdiskussion Anfang Februar im „New York“, einem queeren Club in der Nähe des Münchner Hauptbahnhofs.
Statt nur an den beiden Wochenendtagen soll das Straßenfest künftig von Freitag bis Sonntag stattfinden
Hört man sich unter den Ehrenamtlichen um, ist der Tenor meist derselbe: Aus symbolischer Sicht sei das kein guter Schritt, denn der CSD sei nun mal politisch, also gehöre er beziehungsweise das dazugehörige Straßenfest auch vors Rathaus. Allerdings sei bei der Vorstellung der Pläne in einem internen Vernetzungstreffen von queeren Vereinen Ende Januar auch kein großer Streit aufgekommen, berichtet eine Teilnehmende.
Man wisse nun einmal auch um die finanziellen Nöte, in denen CSD-Vereine derzeit seien. Während die Kosten für Veranstaltungen und deren Sicherheit steigen, zogen sich im vergangenen Jahr einige große Spender zurück. In den vergangenen beiden Jahren unterstützte die Stadt das CSD-Kulturprogramm finanziell.
Umzug, raus aus der Innenstadt – das klingt nach Verlust, und politisch werden die Pläne auch so gedeutet. Manuel Pretzl, Fraktionsvorsitzender der CSU im Münchner Stadtrat, hat am Donnerstag eine offizielle Anfrage an Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) gerichtet, um der Sache nachzugehen.
Allerdings steckt in der Änderung auch eine gute Nachricht, zumindest für alle CSD-Besucher: Denn anstatt wie bisher nur an den beiden Wochenendtagen wird das Fest dieses Jahr voraussichtlich an drei Tagen stattfinden, von Freitag bis Sonntag. In anderen Städten, etwa in Hamburg und Köln, hat sich der Freitag schon längst als Vorab-Partyabend etabliert.

