München:Das sind die Programm-Highlights beim CSD

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München: Bunt, bunter, CSD: So feierte die Community bei der Parade 2017 in München.

Bunt, bunter, CSD: So feierte die Community bei der Parade 2017 in München.

(Foto: Robert Haas)

Lang und bunt wie nie zuvor: Der Christopher Street Day erstreckt sich zum ersten Mal über zwei Wochen. Höhepunkte sind die Parade und das große Straßenfest am Samstag.

Von Klára Mayer und Magdalena von Zumbusch

"Homosexuelle marschierten durch die Stadt" lautete die Überschrift in einer Boulevard-Zeitung anlässlich der ersten dokumentierten "Stonewall-Demo" im Juni 1980 in München. 200 Demonstrierende zogen damals mit Transparenten durch die Innenstadt bis zum Geschwister-Scholl-Platz. Damals noch nicht ganz so bunt war die Politparade der Vorläufer des heutigen CSD, einem Volkfest mit politischem Anspruch, das zuletzt vor der Corona-Zwangspause 155 000 Menschen anlockte. Dieses Jahr streckt sich der Münchner CSD samt seiner "Pride Week" erstmals zwei Wochen lang, im Studio der Münchner Aids-Hilfe läuft bereits eine Kunstausstellung. Mit dem Christopher Street Day erinnert die "LGBTQIA+"-Community alljährlich an die Aufstände der Szene gegen die ihr zuteil gewordene Polizeigewalt auf der Christopher Street in New York im Jahr 1969. Am CSD demonstrieren deshalb lesbische, schwule, bi- und transsexuelle, queere, intersexuelle und asexuelle beziehungsweise aromantische Personen sowie alle weiteren (durch das "+" erfassten) Minderheiten sexueller Orientierungen für gleiche Rechte und gesellschaftliche Akzeptanz.

Parade

Die Parade am Samstag, 16. Juli, ist traditionell ein Höhepunkt der CSD-Feiern, die heuer das Motto "Less me, more we" haben. Es gehe darum, für andere Menschen einzustehen, egal ob inner- oder außerhalb der Community. Durch den gemeinsamen Umzug wird der Zusammenhalt für alle Mitziehenden spürbar: Die Parade mit Gruppen wie den Dykes on Bikes auf ihren Motorrädern, den "Schwuhplattlern", den Aktivistinnen von "Slut Walk", dem Regenbogenchor oder Melodiva startet um 12 Uhr am Mariahilfplatz in der Au. Die Parade läuft von dort aus vier Kilometer lang durch das Glockenbachviertel und die Innenstadt bis zum Marienplatz. Dort steigt von 12 bis 22 Uhr das große Straßenfest.

München: Kostümierte Teilnehmer bei der "Christopher Street Day Parade 2018" durch die Münchner Innenstadt.

Kostümierte Teilnehmer bei der "Christopher Street Day Parade 2018" durch die Münchner Innenstadt.

(Foto: Catherina Hess)

Straßenfest

Neben dem Umzug findet am Samstag und Sonntag, 16. und 17. Juli, auf dem Marienplatz das CSD-Straßenfest statt. Von Mittag bis Mitternacht gibt es regenbogenbuntes Programm: Geboten wird etwa eine Show der spanischen Drag Queen Janisha Jones, im Münchner Nachtleben bekannt für ihre rhythmischen Performances. Auch der "The Voice of Germany"-Kandidat Aron Pinter tritt auf, der durch diese Talentshow und das Netflix-Format "Sing on, Germany" einigen Szeneruhm erlangt hat.

Außerdem singt der ukrainische Pop-, Rock- und Opernsänger Nikita Volkov. In Odessa war er Solist des Philharmonischen Theaters, als er wegen des Ukraine-Kriegs nach München fliehen musste. Als Mitglied der Schwulen-Gemeinde betrifft ihn das Anliegen des CSD persönlich: "Alle Menschen auf dieser Welt verdienen die Freiheit, zu wählen, wen man liebt, und zu sein, wer man ist."

Auch Rap wird geboten - das Genre, dem teils "LGBTQIA+"-Feindlichkeit vorgeworfen wird. Die Rap- und Hiphop-Szene fällt gerade in Deutschland immer noch oft durch schwulen- und lesbenfeindliche Texte auf und gilt als schwieriges Terrain für Künstler der Community. Der queere Rapper Avery zeigt zum CSD, dass Rap auch ganz anders aussehen kann.

Am Sonntag gibt es ein nicht weniger volles Programm: Es geht los um 12 Uhr mit den Groove Sistaz, einer Frauen-Bigband aus München. Danach gibt es Drag Shows und Konzerte und um 16.20 Uhr einen spaßigen Höhepunkt auf hohen Hacken: das "Pumps Race". Die Kandidatinnen und Kandidaten kämpfen in Geschicklichkeits- und Tempospielen auf High-Heels um den "Goldenen Heel".

München: Eine der "Schwestern der Perpetuellen Indulgenz", Abtei Bayern, zurechtgemacht für das Straßenfest.

Eine der "Schwestern der Perpetuellen Indulgenz", Abtei Bayern, zurechtgemacht für das Straßenfest.

(Foto: Catherina Hess)

Fotoausstellungen

In der Ausstellung der Ulmer Fotografin Martina Dach "weiblich*. was sonst" dreht sich alles um die Weiblichkeit: Genauer, um die unterschiedlichen Vorstellungen, die sich Menschen von ihr machen - und welche Rolle Alter und soziales Umfeld für das Thema Weiblichkeit spielen. Eröffnet wird die Ausstellung am Samstag, 9. Juli, 18 Uhr, im LeZ, dem lesbisch-queeren Zentrum Münchens (Müllerstraße 26), zusammen mit der Kunsthistorikerin Larissa Ramscheid.

Auch die Hypo-Kunsthalle beteiligt sich am CSD: Das neueste Projekt der polnischen Künstlerin Sylwia Makris zeigt Fotografien, mit denen sie einige der berühmtesten Gemälde der polnischen Kunstgeschichte neu interpretiert, um reaktionäre Tendenzen in ihrem Heimatland zu kommentieren. Die Fotokunst kombiniert dabei Elemente der Fotografie und Malerei. Die Werke werden im Zuge der aktuellen Ausstellung "Stille Rebellen. Polnischer Symbolismus um 1900" von 12. Juli an bei freiem Eintritt im Foyer der Kunsthalle (Theatinerstraße 8) gezeigt.

Theater und Oper

Barack Obamas Amtszeit neigt sich zu Beginn des Stücks "Das Vermächtnis" von Matthew Lopez dem Ende zu, und plötzlich steht mit der Wahl Donald Trumps ein enormer Wandel in Amerika bevor: Der schwule Protagonist Eric Glass muss erleben, wie Freiheiten in Gefahr geraten, die für ihn, seit er denken kann selbstverständlich waren. Lopez liefert mit dem zweiteiligen Stück eine freie Interpretation des amerikanischen Romans "Howards End" von E.M. Forster. Das Residenztheater zeigt die beiden Teile des Stücks aufeinanderfolgend am Samstag und Sonntag, 9. und 10. Juli, 19.30 Uhr.

In seiner Oper "Das schlaue Füchslein" taucht der Komponist und Librettist Leoš Janáček in die Lebens- und Gefühlswelt der Tiere ein: Er schildert die Romanze zweier junger Füchsinnen und zeigt so auf eine außergewöhnliche Weise das Menschliche im Tier und umgekehrt. Am Montag, 11. Juli, 19 Uhr, sowie am Samstag, 16. Juli, 20 Uhr, wird das Stück in der Bayrischen Staatsoper gezeigt.

Literatur

Queere Literatur ist auf dem Buchmarkt immer noch selten zu finden. Das "JFF - Institut für Medienpädagogik" hat gemeinsam mit der Münchner Stadtbibliothek und queeren Organisationen "Queer Things" gestaltet: In diesem Raum können Besucher Kinderbücher, Comics, Romane und Fachliteratur zum Queer-Sein lesen. Die Werke setzen sich speziell mit Problemen des Zusammentreffens verschiedener Diskriminierungsmerkmale in einer Person und dem damit einhergehenden verstärkten Stigma für die Betroffenen auseinander. Die Bücher können im Pixel² (Rosental 16) während er ganzen Pride Week des CSD gelesen werden. In manchen Büchern finden sich persönliche Rezensionen aus der Community.

München: 2021 fand der CSD in München corona-bedingt dezentral statt, wie hier beim Live-Chat im Bellevue di Monaco.

2021 fand der CSD in München corona-bedingt dezentral statt, wie hier beim Live-Chat im Bellevue di Monaco.

(Foto: Stephan Rumpf)

Führungen und Vorträge

Gibt es schwule oder lesbische Tiere? Der Münchner Tierpark Hellabrunn bietet anlässlich der Pride Week, fünf Sonderführungen zum Thema "Homosexualität im Tierreich" an und thematisiert die Vielfalt des gleichgeschlechtlichen Sexualverhaltens in der Natur.

Im dritten Teil der Reihe "Homosexualität in den abrahamitischen Religionen" geht es um das tabuisierte Thema Homosexualität und queere sexuelle Identitäten. Historische Berichte und zahlreiche literarische Texte aus der Hebräischen Bibel, dem Neuen Testament und dem Koran werden in dem Vortrag interpretiert. Der muslimische Theologe und Publizist Ali Ghandour leitet den Abend am Donnerstag, 14. Juli, 19 Uhr in der Evangelischen Stadtakademie (Herzog-Wilhelm-Straße 24).

Film

Der Oscar-nominierte Film "Große Freiheit" (2021) von Regisseur Sebastian Meise spielt in den Fünfziger- und Sechzigerjahren, als gleichgeschlechtliche sexuelle Handlungen noch durch den Paragraf 175 des deutschen Strafgesetzbuchs untersagt waren. Der Film erzählt die Geschichte eines schwulen jungen Mannes, die durch mehrere Gefängnisaufenthalte infolge seiner sexuellen Neigung geprägt ist. Der Film wird am Dienstag, 12. Juli, im Freiluftkino "Kino, Mond und Sterne" im Münchner Westpark für Zuschauer ab 16 Jahren gezeigt.

In "Holy Trinity" (2019) zeigt die Regisseurin Molly Hewitt die Darstellerinnen und Darsteller in einer Fantasiewelt, in der alternative Kultur und Sexualität die Norm sind. "Holy Trinity" gilt als Feel-Good Film zum Thema Queerness. Der Film wird im Studio der Aids-Hilfe (Lindwurmstraße 71) in der Originalsprache Englisch für alle Zuschauer ab 18 Jahren gezeigt, der Eintritt ist frei.

Partys

Viele Möglichkeiten bietet der CSD auch Feierlustigen: Getanzt werden kann im Harry Klein - einer Institution in der Münchner Elektrowelt: Dort findet das Event "Garry Klein" während der zwei Pride-Wochen gleich zweimal statt. Am Mittwoch, 13. Juli, und am Samstag, 16. Juli. Am 16. Juli, dem Tag der Parade, steigt außerdem die wohl bekannteste Party des CSD, das "Rathaus Clubbing" am Marienplatz. Letzte Karten für den Tanz in der Stadtverwaltung gibt es am 16. Juli ab elf Uhr am Infostand des CSD beim Fischbrunnen für 29 Euro. Ein Highlight für Poolparty-Fans findet am Donnerstag, 14. Juli, statt: In Münchens ältestem Hallenbad - dem 1901 im Jugendstil gebauten Müller'schen Volksbad - wird gefeiert. Neben DJ-Sets gibt es ein Konzert der Münchner Künstlerin Pollyester. Karten können ab Sonntag, 10. Juli, im Webshop der Münchner Bäder gekauft werden.

CSD München, Pride Weeks, Sa., 2. Juli bis So., 17. Juli, an diversen Orten in München, Infos und ganzes Programm unter www.csdmuenchen.de

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