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Freizeit in München:Die Wahnsinnsjahre sind vorbei

München: Impressionen Innenstadt, Schmuckfoto: Spezlwirtschaft.

Die Spezlwirtschaft war im angeblich zweitältesten Gebäude der Stadt und wer anschließend noch feiern wollte, musste nur ein Stockwerk tiefer gehen.

(Foto: Stefanie Preuin)
  • Die Spezlwirtschaft gilt als Insider-Lokal und der HipHop-Club Crux hat sich in den vergangenen zehn Jahren eine solide Fangemeinde erobert.
  • Doch jetzt muss das Gebäude aufwendig renoviert werden. Aufgrund des Immobilienmarkts in der Stadt machen sich die Inhaber keine großen Hoffnungen auf eine andere Location.

Der Club Crux hat seine besten Konzert- und Partymitschnitte der vergangenen Jahre auf seiner Facebookseite veröffentlicht, durchzogen von einem Hauch Grabesstimmung. Der Clip trägt den Namen "R.I.P Crux", darunter häufen sich Kommentare von enttäuschten Gästen. In den vergangenen zehn Jahren hat sich der HipHop-Club eine solide Fangemeinde erobert. "Vor einigen Wochen haben wir den Brief bekommen, dass der Mietvertrag nicht verlängert wird", sagt Marco Reger, der das Crux mit Thomas Nothaft, Philipp Hanrieder und Robert Lorenz betreibt. Ende März muss der Club aus dem Zerwirk an der Ledererstraße ausziehen.

Das etwa 750 Jahre alte Zerwirk ist ein geschichtsträchtiges Haus, das zweitälteste der Stadt. Es diente einst als Raum für das "Zerwirken", also das Zerlegen der Beute von Hofjagden, und startete später als Nebengebäude für das nahe Hofbräuhaus seine Karriere in der Beherbergung von Gastronomie. Später residierte in der ehemaligen Anlaufstelle für feinstes Wild sogar kurz das erste vegane Restaurant der Stadt.

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Vermietet wird das Gebäude nach wie vor von Hofbräu. "Das Gebäude muss aufwendig renoviert und saniert werden", sagt Stefan Hempl, Sprecher der Brauerei. Auch wegen des Denkmalschutzes müsse man davon ausgehen, dass die Arbeiten mindestens ein Jahr dauern werden. Was die Brauerei anschließend mit dem Zerwirk vorhabe, sei noch nicht spruchreif, es gäbe aber Ideen.

In dem Gewölbebau sind außer dem Crux noch die Spezlwirtschaft, ein junges bayerisches Lokal der selben Betreiber, und im Erdgeschoss ein italienisches Restaurant ansässig. Alle müssen im Frühjahr ausziehen, auch wenn das im Erdgeschoss noch nicht als endgültig angesehen wird - der Beginn einer Sanierung verzögert sich schließlich öfter mal. Es hätte keine Beschwerden und keine Andeutungen seitens des Vermieters gegeben, sagen Marco Reger und Thomas Nothaft, man sei davon ausgegangen, dass der Pachtvertrag wie beim letzten Mal verlängert werde.

Erst im Sommer musste der Bobbeaman Club schließen, für die Münchner Club- und Subkulturszene ist die Schließung des Crux ein weiterer Verlust. Ein angenehm unprätentiöses Publikum besuchte die ausgewählten Konzerte und Live-DJs, die hier spielten, und das mitten im Herzen der Altstadt. Zehn Jahre sind für einen Club ein Methusalem-Alter, aber im Crux hätten sie gerne weitergemacht. "Der Club läuft nach wie vor sehr erfolgreich", sagt Marco Reger, sein Kollege Thomas Nothaft ergänzt: "Wir legen selbst noch im Crux auf, wir sind gut vernetzt in der HipHop-Szene. Alles von den Veranstaltungen bis hin zur Promo machen wir selbst, und ich denke, dieses Authentische merkt man dem Crux an." Für die Spezlwirtschaft, die mittlerweile schon einen Ableger in Haidhausen bekommen hat, suchen sie neue Räume in der Innenstadt. Für das Crux hingegen hegen sie keine großen Hoffnungen. "Allein schon was den Immobilienmarkt in der Stadt angeht, sind wir nicht sehr zuversichtlich", sagt Reger. "Wir hatten zehn Wahnsinnsjahre im Zerwirk. Da wollen wir auch keinen Kompromiss eingehen in einem Raum, der nicht den gleichen Charme hat." Vorerst geht die Party weiter. Bis zum Frühjahr allerding nur.

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