Gute Soundsysteme kannte man in Deutschland lange vor allem aus Clubs. Wer Musik möglichst hochwertig hören wollte, hatte dazu erst spätabends bis nachts Gelegenheit, tanzend in einem warmen, engen Raum. Dabei passen Gemütlichkeit und Musik ganz hervorragend zusammen, schon rein textil: Teppiche, Kissen und Holzverkleidungen sorgen gleichermaßen für Wohnzimmeratmosphäre und dämpfen den Klang. Bei einem guten Song kann man sich im Club gehen oder in ein Kissen fallen lassen. Folgerichtig gibt es in der Klenzestraße seit Dezember 2025 eine Bar, die guten Sound und Gemütlichkeit vereint: die Cozy Listening Bar.
An einem Mittwochabend läuft hier ein Hip-Hop-Klassiker: das Debütalbum von Notorious B.I.G. von 1994. Der Blick fällt direkt auf die zwei Schallplattencover über der Theke: „Damn“ von Kendrick Lamar und „The Miseducation of Lauryn Hill“. Beides sind Platten, die unter Musikkritikerinnen als Jahrhundertalben gelten. Es sind damit aber auch gefällige und unkontroverse Alben, mit denen man wenig falsch machen kann.
Das unterscheidet das Cozy von den klassischen Listening Bars, die aus Japan kommen, und auch den ersten Ablegern dieser Kultur in Deutschland. Dort läuft auch mal anspruchsvoller Free Jazz, etwa von Ornette Coleman zum Beispiel. Musik für geübte Audiophile also. Die Musik im Cozy spricht eher eine breite Masse an.
Man kann auf Instagram verfolgen, wer in den kommenden Tagen im Cozy was auflegt, und so seinen Besuch planen: Möchte ich eher „Funk Jazz“ oder „Many Kinds Of House“ hören? Oder gar selbst zum DJ werden? Wer möchte, kann hier nämlich auch selbst den Platz hinter der Theke einnehmen, Slot buchen und los geht's.
Zum Hören machen es sich die Gäste am besten auf den gemütlichen Plätzen auf der Bank am Fenster bequem und werfen einen Blick in die Karte. Die ist eher reduziert und konventionell, es gibt etwa zehn Weine, offen oder flaschenweise. Bei Hellem kann man zwischen Augustiner und Tegernseer wählen (3,90 Euro für 0,33 Liter). Die fünf Longdrinks und sechs Cocktails sind die üblichen Verdächtigen, etwa Wodka Soda (10,50 Euro), Whiskey Sour (12,50 Euro) und Negroni (13,50 Euro). Für Nüchterne bleiben Lammsbräu Alkoholfreies, Softdrinks, Schorlen – und Kaffeevarianten.


Denn die Cozy Listening Bar ist eine Tagesbar, sie öffnet bereits am Vormittag. Dienstags und mittwochs ist dafür auch schon um acht Uhr abends Schluss, zumindest offiziell. Auch das All-Day-Konzept unterscheidet die Bar von den japanischen Kissas, die üblicherweise erst am Abend die Türen öffnen.
Der Transfer von der Abendkultur zur Gemütlichkeit einer Tagesbar funktioniert hier. Allein die kuratierte Wohnlichkeit der Einrichtung spricht dafür: An den Wänden hängen Akustikpaneele und Donutlampen, letztere verströmen sanftes Licht und sind mindestens so sehr im Trend wie das Konzept Listening Bar. Man kann den Tag ausklingen lassen, aber auch die Alltagshektik unterbrechen. Ein guter Song passt schließlich zu jeder Tageszeit.
Und: Es kann auch angenehm sein, nicht wie in klassischen Listening Bars mit komplizierten Saxofonsoli das musikalische Ohr zu trainieren, sondern einfach bei bekannten Beats mitzunicken. Cozy eben.
Cozy Listening Bar, Klenzestraße 45, 80469 München, Dienstag bis Samstag, 11.30 bis 20 Uhr

