Straßenfestival auf Ludwig- und Leopoldstraße:Mit Regen, aber ohne Autos

Lesezeit: 3 min

Straßenfestival auf Ludwig- und Leopoldstraße: Swing Tanzen vor dem Siegestor.

Swing Tanzen vor dem Siegestor.

(Foto: Robert Haas)

Weniger Spektakel, aber gute Stimmung: Der Corso Leopold und das Zamanand als Nachfolger des Streetlife locken trotz des schlechten Wetters 300 000 Menschen an.

Von Thomas Anlauf

Jenny rennt durch den Regen. Sie schaut links und rechts auf der Suche nach ihrem Frauchen. Wahrscheinlich saß die Golden-Retriever-Dame zu lange sehnsüchtig vor einem Würstlstand, als der Platzregen losbrach und Maria Haimerl allein unter den Bögen des Siegestors Schutz vor den peitschenden Regenmassen suchte. Aber Jenny findet Maria Haimerl wenig später doch noch und schüttelt sich erst mal. "Ich war hier während des Studiums oft", sagt die Frau, die mittlerweile auf dem Land bei Landsberg wohnt. "Das ist schon toll, wenn die Leopold- und Ludwigstraße fast zwei Tage für den Autoverkehr gesperrt ist." Den Corso Leopold nördlich des Siegestors gibt es tatsächlich seit mehr als zwei Jahrzehnten an zwei Wochenenden im Jahr, die Idee für eine autofreie Flanierzone auf der Verkehrschneise stammt sogar von 1994. Das Streetlife-Festival startete 2002, in diesem Jahr zog sich die Münchner Umweltorganisation Green City zurück. Jetzt gibt es einen Neustart südlich des Siegstors: das Zamanand.

Die Klimalounge wandert durch die Stadt

Christine Kugler sitzt auf einem gemütlichen Sofa in einer hölzernen Lounge am Professor-Huber-Platz. "Die Klimalounge wird eine dauerhafte Einrichtung", sagt die Referentin für Klima- und Umweltschutz. Der kleine Holzbau wird nach dem Zamanand-Festival für jeweils etwa einen Monat in sämtlichen Stadtbezirken Station machen. Hier können die Menschen mit den Expertinnen und Experten des städtischen Referats ins Gespräch kommen. Es soll um Energieberatung in den Haushalten, aber auch um Wärmedämmung und klimaneutrale Gebäude gehen. "Re:think" heißt die Nachfolgerin von "Cool City", die vor allem mit einem riesigen blauen "C" auf Plätzen dafür werben wollte, dass sich die Münchnerinnen und Münchner stärker im Klima- und Umweltschutz engagieren. "Das war halt eine Imagekampagne", sagt Kugler, "und etwas lustlos". Kugler und ihr Team wollen nun die Menschen in München stärker motivieren, damit die Stadt möglichst schnell klimaneutral wird. "Keiner hat gesagt, dass es einfach wird", sagt sie.

Straßenfestival auf Ludwig- und Leopoldstraße: Das Wetter war eher unerfreulich, die Straßen waren dennoch voll.

Das Wetter war eher unerfreulich, die Straßen waren dennoch voll.

(Foto: Robert Haas)

Vor der Lounge stehen Stelen, die verdeutlichen, worum es bei dem neuen Ansatz von "Re:think" geht: etwa darum, zu heizen und zu kühlen, ohne fossile Energien zu verbrauchen und nur mit klimafreundlich erzeugtem Strom. Mit einer sogenannten Schwammstadt, in der möglichst viel Regenwasser auf begrünten Hausdächern, in Grünanlagen oder in wasserdurchlässigen Fahrbahnen gespeichert werden kann, könnten Stadt und Bürger relativ einfach die Klimaanpassung mit extrem heißen Sommermonaten erreichen. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg. Das weiß auch Manuel Schaumann. Der Organisator von Zamanand steht mit Funkgerät vor der Klimalounge und sagt: "Natürlich ist noch nicht alles optimal hier. Aber wir versuchen, überall etwas Veganes anzubieten." Deshalb gebe es am Anfang des Neustarts für das Festival in der Ludwigstraße, das er zuvor schon als Eventmanager von Streetlife bei Green City organisiert hatte, "auch noch Widersprüche".

Das Zamanand ist luftiger als einst das Streetlife

Tatsächlich brutzeln auf der temporären Flaniermeile an diesem Wochenende vor allem Würstel, manchmal gibt es auch Orientalisches, aber vor allem Alkohol an den Ständen. Auffällig ist, dass das Zamanand nicht so vollgestopft ist mit Buden und Attraktionen wie früher beim Streetlife. Zwischen den Ständen ist oftmals reichlich Platz, das Siegestor, wo Green City in den vergangenen Jahren einen Strand aufgeschüttet und mit Palmen und Liegestühlen bestückt hatte, ist nun wieder eine Verkehrsinsel geworden. Nördlich davon, auf dem Corso Leopold, nimmt die Budendichte deutlich zu, erst mit Ständen der demokratischen Parteien und caritativen Einrichtungen, die für ihre Arbeit werben. Zwischendrin immer wieder kleine Bühnen wie die "Lederhosnbühne", zwei Fußballfelder, auf denen der Verein "bunt kickt gut" mit internationalen Spielern Turniere bestreitet.

Hinten an der Münchner Freiheit singen die Musiker von Big S zum Abschluss ihres Konzerts "Love is on the run" von Moody Blues. Darin heißt es übersetzt: "Nur weil es hier regnet, heißt das nicht, dass die Sonne nicht scheint." Ein sonniges Motto für die an diesem Wochenende verregneten Straßenfestivals zwischen Odeonsplatz und Münchner Freiheit. Und es hat den Veranstaltern recht gegeben: Allein beim Zamanand kamen bis Sonntagabend etwa 150 000 Besucher, gemeinsam mit dem Corso dürften es mehr als 300 000 Menschen gewesen sein, die die autofreie Straße genossen haben.

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